Columbia Threadneedle Chefvolkswirt: USA und Europa auf Rezessionskurs

Jede Woche kommentiert Steven Bell, Chefvolkswirt bei Columbia Threadneedle Investments für die EMEA-Region, das makroökonomische Umfeld und die Nachrichten, die die Märkte beherrschen. Er rechnet in USA mit mehr Zinserhöhungen, als es Markt derzeit erwartet. Er sieht die USA und Europa auf Rezessionskurs. In den USA dürfte sie dem Experten zufolge nur von kurzer Dauer sein. Columbia Threadneedle Investments | 26.07.2022 10:19 Uhr
Steven Bell, Chefvolkswirt bei Columbia Threadneedle Investments für die EMEA-Region / © e-fundresearch.com / Canva
Steven Bell, Chefvolkswirt bei Columbia Threadneedle Investments für die EMEA-Region / © e-fundresearch.com / Canva

Steven Bells Aussagen im Einzelnen: 

„Die Zinssätze steigen, und wir befinden uns in den USA und in Europa eindeutig auf dem Weg in die Rezession. In den USA ist der Druck der Binnennachfrage so stark, dass die Federal Reserve eine Rezession herbeiführen muss, um die Inflation wieder auf das Zielniveau zu bringen. Die Inflation ist stark und beschleunigt sich in zwei Schlüsselbereichen: Mieten und Löhne.

Der Einkaufsmanagerindex ist in der vergangenen Woche gefallen, und es gibt Anzeichen für eine Verlangsamung des US-Arbeitsmarktes. Aber diese Verlangsamung setzt auf einem sehr hohen Niveau ein. Es ist zu erwarten, dass die Fed eine weitere Zinserhöhung um 75 Basispunkte vornehmen wird, mit dem Versprechen, dass weitere folgen werden. Der Markt geht davon aus, dass wir uns dem Ende des Zinserhöhungszyklus nähern und rechnet mit Zinssenkungen im Jahr 2023. Ich gehe jedoch davon aus, dass die Zinsen noch weiter steigen müssen, als der Markt erwartet.

Die Gründe für die Rezession sind in Europa andere. In der Eurozone entspricht die Lohninflation immer noch weitgehend dem Inflationsziel der EZB von 2 %, und viele Unternehmen leisten Einmalzahlungen an ihre Arbeitnehmer - Zahlungen, die im nächsten Jahr leichter zu kürzen sind, wenn die Bedingungen wahrscheinlich viel schwieriger werden. Die Rezession in Europa hat viel mehr mit der Krise der Lebenshaltungskosten zu tun, die mit den Gaspreisen zusammenhängt.

Das Ausmaß des Preisanstiegs ist atemberaubend. Schaut man sich den Terminmarkt für Gas an, so liegen die Preise für den kommenden Winter um das 8- oder 9-fache über dem Niveau vor der Pandemie. Das ist ein schwindelerregender Anstieg. Zum Vergleich: Wäre der Ölpreis in gleichem Maße gestiegen, müssten wir mit Preisen von 500 bis 600 Dollar pro Barrel rechnen. Dies hängt mit dem Gas aus Russland zusammen. Das Vereinigte Königreich bezieht nur einen geringen Teil seines Gases aus Russland und ist daher weniger dem Risiko eines Lieferstopps ausgesetzt.  Allerdings zahlt es ungefähr den gleichen Preis für Gas. Den Verbrauchern hier und im übrigen Europa droht in diesem Winter ein enormer Anstieg ihrer Energierechnungen.

Was bedeutet dies alles für die Märkte? In allen Rezessionen der Nachkriegszeit sind die US-Aktien mehrere Monate lang nach Beginn der Rezession gefallen. Und sie hat noch nicht begonnen. Die gute Nachricht aus mittelfristiger Sicht ist, dass sich die Aktienmärkte immer schon Monate vor dem Ende der Rezession erholt haben. Außerdem ist der starke Rückgang der Aktien in diesem Jahr vor dem Hintergrund hoher Gewinne erfolgt, so dass sich die Bewertungen deutlich verbessert haben. 

Ich gehe davon aus, dass die Rezession in den USA nur von kurzer Dauer sein wird: Sobald die Arbeitslosigkeit ansteigt, wird die Lohninflation in den USA schnell nachlassen - das ist die Lehre aus früheren Rezessionen in den USA. Und moderne Volkswirtschaften haben gezeigt, dass sie sich sehr gut anpassen können. Auf längere Sicht werden Aktien wahrscheinlich immer noch bessere, wenn auch volatilere Renditen bieten. Die unmittelbare Zukunft sieht schwierig aus, aber die längerfristigen Argumente für Risikoanlagen bleiben bestehen.“

Steven Bell, Chefvolkswirt bei Columbia Threadneedle Investments für die EMEA-Region

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