US-Militäreinsatz in Venezuela: Märkte bleiben ruhig trotz geopolitischem Umbruch und fallendem Ölpreis

Am Wochenende nahmen die USA den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro mit dem Vorwurf des Drogenterrorismus fest. Die Gerichtsverhandlung wird sich noch hinziehen, aber eins steht bereits fest: Die USA planen, massiv in die Ölindustrie des Landes zu investieren und die Vorräte des Landes dem Weltmarkt zur Verfügung zu stellen. „Diese Maßnahmen werden sich über Jahre erstrecken, allerdings ist der Ölpreis bereits jetzt gesunken“, sagt Anthony Willis, Senior Economist bei Columbia Threadneedle Investments. Was diese geopolitische Wende für Anleger bedeutet und wie die Märkte auf diesen erneuten Tabubruch Trumps reagieren werden, diskutiert er im Marktkommentar: Columbia Threadneedle Investments | 07.01.2026 13:52 Uhr
Anthony Willis, Senior Economist bei Columbia Threadneedle Investments / © e-fundresearch.com / Columbia Threadneedle Investments
Anthony Willis, Senior Economist bei Columbia Threadneedle Investments / © e-fundresearch.com / Columbia Threadneedle Investments

  • Der US-Militäreinsatz zur Absetzung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro hat die Welt überrascht und die politischen Normen der letzten 70 Jahre verändern sich.
  • Es gab einige geringfügige Bewegungen bei den sicheren Anlagen, ansonsten hat der Markt kaum reagiert. Zudem ist der Ölpreis gesunken.
  • Die Pläne der USA sind klar: Sie werden stark in das venezolanische Ölgeschäft investieren, aber es wird noch einige Zeit dauern, bis die riesigen Reserven des Landes dem Weltmarkt zur Verfügung stehen.
  • Trotz geopolitischer Unsicherheiten bleiben die Aussichten für die Märkte positiv, da die Fundamentaldaten günstig sind und das globale Wachstum robust bleibt.

Die USA haben am Wochenende den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro abgesetzt. Das Land hat über die letzten Monate hinweg militärisch aufgerüstet und mutmaßliche venezolanische Drogenlieferungen in die USA angegriffen – dennoch kam der Schritt etwas überraschend, vor allem in diesem Ausmaß und dieser Geschwindigkeit. Allerdings war der Militäreinsatz wohl bereits lange in Planung, und was als Nächstes kommt, bleibt abzuwarten.

Geopolitische Polarisierung lässt die Märkte vorerst kalt

Aus Sicht der Finanzmärkte scheint alles in Ordnung zu sein. Wir haben leichte Bewegungen am Rande in Richtung sicherer Anlagen gesehen – US-Dollar, Schweizer Franken und Gold. Eine bedeutendere Auswirkung ist natürlich der sinkende Ölpreis. Venezuela verfügt über 18 Prozent der weltweiten Ölreserven, bedient aber nur etwa 0,8 Prozent des weltweiten Angebots, wobei ein Großteil der Exporte nach China geht. Es sind also keine nennenswerten Störungen zu erwarten. Wenn Venezuela allerdings verstärkt Öl exportiert und dem Weltmarkt zur Verfügung stellt, wäre dies eine bedeutende langfristige Entwicklung. Präsident Trump ist eindeutig daran interessiert, dass US-Unternehmen diesen Trend fördern, aber diese Maßnahmen werden sich über Jahre erstrecken.

Bei geopolitischen Schocks neigen die Märkte zunächst zu einem Ausverkauf, bevor sich die Fundamentaldaten schnell wieder durchsetzen. Aus Sicht der US-Regierung dürfte diese Entwicklung von Vorteil sein: Die Midterms stehen bevor, und niedrigere Ölpreise und Zinssätze werden der Administration Stimmen einbringen.

Aus geopolitischer Sicht unterstreichen die Ereignisse des Wochenendes die zunehmende Polarisierung zwischen den politischen Supermächten. Sie zeigen die Bereitschaft, das Völkerrecht und die gängigen Normen der letzten 70 Jahre komplett zu umgehen, ohne die Autorität internationaler Gremien wie den Vereinten Nationen anzuerkennen. Zudem hat die US-Regierung ihren eigenen Kongress umgangen. Aktuell sind die Befugnisse der amerikanischen Legislative noch eingeschränkt, doch das könnte sich nach den Zwischenwahlen durchaus ändern. Für die europäischen Staats- und Regierungschefs dient der Vorfall als weitere Erinnerung daran, dass jetzt Einheit gefragt ist und die Verteidigungsausgaben erhöht werden müssen. Die alte Weltordnung der „Pax Americana“, die seit Ende des Zweiten Weltkriegs besteht, geht zu Ende.

Globales Wachstum und Konjunkturmaßnahmen zeichnen positives Bild für 2026

Anleger können den Märkten trotz der geopolitischen Unsicherheiten optimistisch entgegenblicken. Die Aussichten sind gut: Das globale Wachstum ist robust, und um den Konjunkturzyklus zu verlängern, wurden in den USA, Europa und Japan bereits fiskalische Konjunkturmaßnahmen ergriffen oder sind in Vorbereitung. Auch die Geldpolitik wirkt weiterhin unterstützend, da wir in den kommenden Monaten weitere Zinssenkungen in den USA und Großbritannien erwarten. In Japan geht man davon aus, dass weitere Zinserhöhungen langsam und stetig umgesetzt werden.

Insgesamt ist das Gewinnwachstum solide, doch es gibt noch viele Fragen rund um Zölle, Künstliche Intelligenz und erhöhte Bewertungen. Anleger sollten dabei aber nicht vergessen, dass sowohl die Fundamentaldaten als auch die globalen Wirtschaftsaussichten für 2026 relativ positiv sind. Es gibt derzeit also viele Gründe, optimistisch zu sein.

Von Anthony Willis, Senior Economist bei Columbia Threadneedle Investments

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