CEO-Ausblick 2026: Anleger brauchen den Blick über den Tellerrand und breite Streuung

„Auch wenn die Gewinne von US-Unternehmen überzeugend sind, kann die hohe Marktkonzentration für Anleger gefährlich werden“, warnt William F. Truscott, CEO von Columbia Threadneedle Investments. Welche anderen Regionen für Aktienanleger vielversprechend sind, was er von den Anleihemärkten erwartet und warum Small Caps jetzt interessant werden, erläutert er in seinem Ausblick. Columbia Threadneedle Investments | 26.01.2026 11:31 Uhr
William F. Truscott, CEO von Columbia Threadneedle Investments / © e-fundresearch.com / Columbia Threadneedle Investments
William F. Truscott, CEO von Columbia Threadneedle Investments / © e-fundresearch.com / Columbia Threadneedle Investments

Im Jahr 2025 erwies sich die globale Wirtschaft als widerstandsfähig – das Wachstum hielt an und die Märkte stiegen. Zu Anfang des Jahres 2026 sind wir vorsichtig optimistisch, dass die Märkte weiterhin eine positive Performance hinlegen, unterstützt durch eine sinkende Inflation, die Erwartung von Zinssenkungen und von künstlicher Intelligenz (KI) getriebenen Innovationen. Doch trotz Optimismus sollten Anleger die wirtschaftlichen und geopolitischen Risiken sowie die teilweise hohen Bewertungsniveaus an den Kapitalmärkten nicht außer Acht lassen und wachsam bleiben.

Gewinne treiben die US-Marktdynamik an

Auch 2026 ist der Ausblick für die Aktienmärkte positiv. Vor allem bei US-Aktien erwarten wir aufgrund der hohen Unternehmensgewinne weiterhin eine gute Performance. Die Unternehmen bleiben agil, indem sie sich strategisch an die Zölle anpassen und gleichzeitig die Rentabilität schützen.

Sinkende kurzfristige Zinssätze dürften den Aktienmärkten Rückenwind verleihen und die positive Anlegerstimmung weiter stärken. Trotz einer Stabilisierung der Gesamtinflation bei fast 3 Prozent signalisieren lokalisierte Spitzen – insbesondere bei Konsumgütern – einen anhaltenden Preisdruck. Die Zölle bleiben ein kritischer Faktor für die Bewertung der Inflationsaussichten: Auch wenn sie oft als einmalige Anpassung abgetan werden, beeinflussen sie die Lieferketten, erhöhen die Kosten und stellen die Annahmen über die langfristige Preisstabilität in Frage. Wenn die Inflation wieder anzieht, könnte die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinssenkungen aussetzen, und die Zinskurve könnte steiler werden – das würde zu einer Neubewertung sowohl auf den Aktien- als auch auf den Anleihemärkten führen und Kurse unter Druck setzen.

Globale Chancen für Portfoliodiversifizierung

Deswegen steht beim Portfolioaufbau die Diversifikation im Vordergrund. Aktienanleger sollten ihren Blick über die USA hinaus richten und andere Regionen ins Auge fassen.

  • Japan: Strukturelle Transformation. Wir sehen in Japan überzeugende Anlagemöglichkeiten, denn das Land befindet sich in einem Wandel. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten halten Anleger japanische Aktien für vielversprechend: Der Optimismus wird durch anlegerfreundliche Corporate Governance-Reformen und eine sinnvolle Verlagerung der japanischen Verbraucher von einer Spar- zu einer Anlagekultur befeuert. Demografische und Inflationstrends beschleunigen diesen kulturellen Übergang und schaffen Chancen für lokale Unternehmen und globale Anleger. Wir sind optimistisch und erwarten bei japanischen Aktien höhere Renditen.
  • Europa: Bedingtes Potenzial. Die Zinssenkungen und die Lockerung der deutschen Schuldenbremse haben die Aussichten für europäische Aktien im Jahr 2025 verbessert. Dennoch steht Europa derzeit unter erheblichem Druck: Belastung durch die Regulierung und der Wettbewerb aus China in Form hochwertiger günstiger Artikel wie Elektrofahrzeuge stellen die Dominanz Europas im verarbeitenden Gewerbe in Frage. Politische Maßnahmen und Deregulierung werden entscheidend sein, wenn Europa sein wirtschaftliches Potenzial weiter erschließen und die Vorteile des europäischen Binnenmarktes nutzen will.
  • Vereinigtes Königreich: Erholung trotz Reformrückstand. Das Vereinigte Königreich bedarf einer genauen Betrachtung. Wir erkennen allmählich Anzeichen einer Erholung beziehungsweise einer Beschleunigung des Wirtschaftswachstums in diesem Markt. Der jüngste Anstieg des britischen Aktienmarktes auf Rekordhöhen hat eine Debatte über die Aussichten für britische Aktien ausgelöst. Acht Aktien haben mehr als die Hälfte der Renditen des FTSE 100 erzielt – damit zeigt der Markt eine ähnliche Konzentrationsdynamik wie der US-Aktienmarkt. Unter dieser Konzentration verbergen sich jedoch interessante Chancen: Hunderte von Unternehmen, die zu attraktiven Bewertungen gehandelt werden und über solide inländische Fundamentaldaten verfügen. Die Inflation ist jedoch mit 4 Prozent hartnäckig, und die Regierung neigt zu höheren Steuern. Zwar sind die Bewertungen attraktiv, jedoch hinkt das Land bei strukturellen Reformen anderen Regionen noch hinterher.
  • Schwellenländer: Zunehmend attraktiv. Die Schwellenländer erscheinen zunehmend attraktiv. Ein schwächerer Dollar und anhaltendes globales Wachstum unterstützen diese Märkte in der Regel. Wir sind jetzt deutlich positiver gegenüber Aktien aus Schwellenländern eingestellt als früher.

Günstiges Umfeld für Anleihen, aber die Risiken bleiben

Die Anleihemärkte starten mit einem bemerkenswerten Optimismus ins Jahr 2026. Eine stabile Wirtschaft, die Zinssenkung der Fed und eine gesunde Nachfrage nach Anleihen bilden die Grundlage für konstruktive Renditen. Die Fundamentaldaten von Investment-Grade-Anleihen bleiben robust, und der Markt für Unternehmensanleihen wirkt stabil. Wir sehen zudem ein wachsendes Interesse der Anleger an Private Credit; als Anlageklasse bietet sie Chancen für differenzierte Renditen, erfordert aber Wachsamkeit. Intensives Research und ein aktives Management werden entscheidende Instrumente für Anleger sein, um die Chancen auf den Anleihemärkten zu nutzen.

Die steigende globale Staatsverschuldung bleibt ein längerfristiges Anliegen für die Märkte, insbesondere angesichts steigender Zinslasten. Sollte dieses strukturelle Problem nicht gelöst werden, könnte dies in den nächsten drei bis fünf Jahren erhebliche Konsequenzen nach sich ziehen. Wir sollten die Fiskalpolitik genau im Blick behalten und beurteilen, welcher Schuldenstand nachhaltig ist. Hohe Verschuldung ist nicht nur ein US-Problem – sie stellt eine globale Herausforderung dar, von der mehrere Länder, darunter Japan, ebenso wie Europa und weitere Regionen betroffen sind. Es gibt Lösungen, aber sie erfordern mutiges Handeln und schwierige politische Entscheidungen.

Diversifikation ist nicht verhandelbar

Angesichts dessen ist Diversifikation für Anleger unumgänglich. US-Aktien haben zwar in der Vergangenheit starke Renditen erzielt, doch die Führungspositionen können sich durchaus verschieben – das zeigt die Geschichte. Gleichzeitig birgt die enorme Konzentration der Renditen auf im Wesentlichen sieben Aktien ein Risiko.

Small Caps werden dank fallender Zinssätze und eines robusten Wirtschaftswachstums zunehmend interessant. Gleichzeitig begünstigen ein schwächerer US-Dollar und erhebliche Reformen in Märkten wie Japan internationale Investitionen. Kommunale Anleihen werden oft übersehen, bieten jedoch attraktive steueräquivalente Renditen – und sollten in Anlegerportfolios eine größere Rolle spielen. Investment-Grade-Anleihen, die fundamental hervorragend aufgestellt sind, verschaffen Portfolios die erforderliche Stabilität, und auch Core- und Core-Plus-Positionen sollten weiterhin die Basis der Allokation bilden. Trotz enger Spreads sind die Renditen von High-Yield-Anleihen angemessen. Alternative Investments bieten Diversifikationsvorteile, bei einer stärkeren Demokratisierung dieser Anlageklasse muss sich die Finanzkompetenz der Anleger allerdings verbessern. Ein breites Engagement ist immer wichtig, im heutigen Umfeld aber ganz besonders.

Von William F. Truscott, CEO von Columbia Threadneedle Investments

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