Trotz Energiepreisschock und Inflationssorgen: EZB wird vorerst stillhalten

Der Nahostkonflikt erhöht den Druck auf die EZB: Steigende Energiepreise könnten die Inflation im Euroraum anheizen und das Wachstum bremsen. Warum die Notenbank die Zinsen vorerst wohl bei 2,0 Prozent belässt und welche Risiken nun im Fokus stehen. Columbia Threadneedle Investments | 18.03.2026 09:21 Uhr
Gary Smith, Head of EMEA Client Portfolio Manager team, Fixed Income, bei Columbia Threadneedle Investments / © e-fundresearch.com / Columbia Threadneedle Investments
Gary Smith, Head of EMEA Client Portfolio Manager team, Fixed Income, bei Columbia Threadneedle Investments / © e-fundresearch.com / Columbia Threadneedle Investments

Der Konflikt im Nahen Osten erschwert der Europäischen Zentralbank (EZB) die Arbeit. Bei ihrer letzten Sitzung entsprachen die Inflationsaussichten noch weitgehend dem Ziel. Die Wirtschaft war widerstandsfähig genug und Anleger gingen davon aus, dass sich die steigenden Ausgaben in der Region – insbesondere in Deutschland – konjunkturfördernd auswirken würden. Jetzt sieht sich die EZB jedoch mit einem Energiepreisschock konfrontiert, der die Inflation anheizen und das Wachstum bremsen wird. Daher erwarten wir, dass die Währungshüter die Zinsen vorerst unverändert bei 2,0 Prozent belassen. Das entspräche auch ihrem bisherigen datenabhängigen Ansatz, bei dem die Situation von Sitzung zu Sitzung neu analysiert wird.

Neue makroökonomische Prognosen werden ebenfalls veröffentlicht. Die EZB muss die erhöhte Unsicherheit anerkennen und sich alle Optionen offenhalten. Bei der Pressekonferenz am Donnerstag wird der Iran-Konflikt das Hauptthema sein und Anleger werden besonders auf die möglichen Reaktionen der Notenbanker auf einen anhaltenden Energiepreisschock achten. Zwei weitere Themen könnten ebenfalls zur Sprache kommen: die erneut steigende Unsicherheit rund um die US-Zollpolitik sowie der anstehende Führungswechsel innerhalb der Europäischen Zentralbank.

EZB setzt weiter auf Abwarten

Ein Leitprinzip der europäischen Währungshüter ist es, bei externen Energieversorgungsschocks zunächst eine abwartende Haltung einzunehmen. Das basiert auf der Annahme, dass Erstwellen-Effekte in der Regel vorübergehend sind. Die EZB wird sich daher eher auf Risiken durch unerwünschte Zweitwellen-Effekte konzentrieren. Dazu gehören beispielsweise steigende mittelfristige Inflationserwartungen, welche ein höheres Lohnwachstum befeuern und zu einer hartnäckigeren Inflation führen könnten – diese müsste dann durch eine Straffung der Geldpolitik bekämpft werden.

EZB-Vizepräsident Luis de Guindos warnte letzte Woche vor genau dieser Dynamik. Auch für alle anderen Sprecher der Zentralbank ist die Dauer des Iran-Konflikts der wichtigste geldpolitische Entscheidungsfaktor. Die EZB war auf dem besten Weg, ihren Einlagensatz auf ein als neutral angesehenes Niveau von 2,0 Prozent zu bringen. Die aktuellen Risiken deuten nun aber darauf hin, dass wir eher eine Anhebung als eine weitere Senkung sehen werden – der Zeitrahmen bleibt aber höchst ungewiss.

Von Gary Smith, Head of EMEA Client Portfolio Manager team, Fixed Income, bei Columbia Threadneedle Investments

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