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GAM-EM Debt Manager McNamara: "Am stärksten gebeutelte Länder bieten oft die interessantesten Perspektiven"

Die Assetklasse Schwellenländer bietet derzeit diverse interessante Möglichkeiten auf der Anleiheseite. Zwar stehen makroökonomische Ereignisse im Zentrum unserer Überlegungen, doch auch die Länderanalyse bildet einen wesentlichen Bestandteil unseres Anlageprozesses. Hierbei zeigt sich: Häufig bieten gerade die am meisten gebeutelten Länder, wie aktuell beispielsweise Argentinien, die nächste Anlagechance. GAM | 16.04.2019 08:30 Uhr
Paul McNamara, Investment Director für Schwellenländeranleihen, GAM Investments  / © GAM Investments
Paul McNamara, Investment Director für Schwellenländeranleihen, GAM Investments / © GAM Investments

"Argentinien ist ein Land, das im Jahr 2018 mit ganz ähnlichen Zahlungsbilanzproblemen zu kämpfen hatte wie zuletzt die Türkei. Der Unterschied war jedoch, dass weniger der Privatsektor als vielmehr die Regierung Kredite im Ausland aufnahm. Es hat eine Neuausrichtung der Wirtschaft gegeben, die aber weniger stark ausfiel, da Argentinien eine recht geschlossene Volkswirtschaft ist. Daher wäre eine größere Veränderung der Importe notwendig, um das Bruttoinlandsprodukt um 1% oder 2% zu korrigieren. Unsere Einschätzung zu Argentinien ist zwar positiver als im vergangenen Jahr, doch die Präsidentschaftswahlen im kommenden Oktober sowie die stärkere Abhängigkeit von den globalen Rohstoffpreisen bereiten uns unverändert Sorgen. Bedenklich finden wir aber vor allem, dass der Markt illiquider ist als andere in dieser Anlageklasse. Positiv dagegen sind die realen Zinssätze, die bei einem Nominalzins von 50% mittlerweile sehr hoch sind. Wir halten es für unwahrscheinlich, dass Argentinien sich wieder zu einer extrem lockeren Geldpolitik hinreißen lassen wird. 

Brasilien bietet ebenfalls eine interessante Story. Die Brasilianer beurteilen ihre Aussichten möglicherweise zum ersten Mal während meiner gesamten Laufbahn optimistischer als es die Ausländer tun. Von außen gesehen haben viele Beobachter Vorbehalte gegen den neuen Präsidenten Bolsonaro, da diese Art von Populismus in anderen Ländern Schaden angerichtet hat. Brasilianische Anleger sind jedoch erheblich optimistischer, vor allem da die Pensions- und Sozialversicherungsreform eine hohe Priorität genießt. Der größte Schwachpunkt Brasiliens ist unseres Erachtens die signifikante Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP. Sie ist zwar ungefähr so hoch wie die Verschuldung Großbritanniens, doch die britische Regierung zahlt Realzinsen von nahezu Null, während die brasilianische etwa 5,5% aufwenden muss. Das heißt, dass Brasilien allmählich einen Primärüberschuss erzielen muss, damit die Schulden tragfähig werden. Deshalb werden die Pläne des neuen brasilianischen Finanzteams unter der Leitung von Paulo Guedes im Inland positiv gesehen, währenddessen sich die Finanzierung des brasilianischen Defizits bereits enorm verbessert hat und die Realzinsen gesunken sind. 

Russland ist uns nach wie vor ein Rätsel. Mit einer einstelligen Staatsverschuldung ist es eine der solidesten Volkswirtschaften der Welt und weist einen Leistungsbilanzüberschuss auf. Die Inflation ist gesunken, und das Land hat eine starke Zentralbank. Rein aus makroökonomischer Sicht erscheint Russland außerordentlich solide. Unsere größte Sorge ist jedoch die mögliche Verhängung von Sanktionen durch die USA. Deshalb erkennen wir immer noch eine gewisse Anfälligkeit. Bei Anlagen in Russland müssen vor allem die externen Entwicklungen beobachtet werden – im letzten Jahr kam es zu mehreren Abverkäufen nach negativen Meldungen zu Sanktionen. In diesem Jahr hat sich der russische Markt bisher gut entwickelt. Er kann sich jedoch in einer binären Situation befinden, wie sie nicht in vielen Ländern anzutreffen ist: Ob es sich um eine gute oder schlechte Anlage handelt, wird von exogenen Ereignissen bestimmt. 

In Mexiko sind die guten Nachrichten unserer Meinung nach noch nicht eingepreist. Die größten Sorgen bereiteten im vergangenen Jahr zwei Akronyme: NAFTA und AMLO. NAFTA bezog sich auf die Neuverhandlung des Freihandelsabkommens mit Nordamerika. AMLO ist das häufig verwendete Kürzel für den neuen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador, der im letzten Jahr gewählt wurde. Wir denken, die Nachrichten zu den NAFTA-Neuverhandlungen waren wichtiger. Mexiko hat hohe Realzinsen und eine unterbewertete Währung. Auf der negativen Seite trieb dies die Inflation in die Höhe, auf der positiven führte es zu einer stabilen Handelsbilanz. Die Kombination aus günstigen Bewertungen und insgesamt guten Nachrichten lässt den Markt nach unserer Einschätzung attraktiv erscheinen. 

In Mitteleuropa behalten wir die vier Länder Polen, Ungarn, die Tschechische Republik und Rumänien genau im Auge. Rumänien ist unseres Erachtens die schwächste Volkswirtschaft in der Vierergruppe. Über die Region hinweg befinden sich diese Länder jedoch alle an einem heiklen Punkt im Zyklus. Sie haben populistische Regierungen, die nicht gerade zur geldpolitischen Disziplin tendieren. Daher besteht unserer Meinung nach die Gefahr steigender Inflation und einer Abwertung der Währungen."

Paul McNamara, Investment Director für Schwellenländeranleihen, GAM Investments 

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