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Aktuelle ESG-Länder-Rankings: Kein Aufschwung ohne nachhaltiges Wachstum für alle

DPAM hat seine neue Rangliste zur Nachhaltigkeit von Länder für die erste Hälfte 2020 veröffentlicht. Die Ranglisten bilden den Kern des investierbaren Universums für die DPAM-Anlagestrategien sowohl bei Industrie- als auch Schwellenländern. DPAM | 18.05.2020 10:00 Uhr
Ophélie Mortier, Head of Responsible Investments bei DPAM / © DPAM
Ophélie Mortier, Head of Responsible Investments bei DPAM / © DPAM

Während sich die Covid-Krise allmählich „abschwächt“, beginnen Länder und Regierungen rund um den Globus nach Wegen zu suchen, um eine „neue Normalität“ herbeizuführen. Der Virus hat die Welt gezwungen, beispiellose Hindernisse zu überwinden und die vielen Mängel unserer heutigen Gesellschaften offengelegt. In diesem Zusammenhang ermöglicht das 2007 von DPAM entwickelte proprietäre Analysemodell eine klare, transparente und umfassende Sicht auf die Nachhaltigkeit der Länder aus einem breiteren Blickwinkel.

Die Pandemie bewirkt nie dagewesene Veränderungen in der Art und Weise, wie wir leben, arbeiten und mit unseren Mitmenschen interagieren. Auf ihrem Höhepunkt schränkte die Pandemie ein Drittel der Welt massiv in ihren Grundfreiheiten ein und hatte gleichzeitig dramatische Folgen für die Beschäftigung. Die ‘International Labour Organisation’ schätzt, dass derzeit bis zu 25 Millionen Menschen als direkte Folge der Pandemie ihren Arbeitsplatz verlieren, mit einem Einkommensverlust von 3,4 Milliarden US-Dollar. Somit rücken soziale Fragen eklatant in den Vordergrund. Auf den ersten Blick erzeugen der Lockdown und die ausgedehnte Eindämmung von Freiheiten einen kleinen Silberstreif am Horizont: Die Treibhausgasemissionen sind seit Jahresanfang enorm zurückgegangen: -70% in Indien, -18% in China, -58% in der EU und -30% in den USA. Dennoch warnen Umweltexperten davor, dass alle vermeintlichen Vorteile der Abriegelung nur vorübergehender Natur sind. Die Folgen der globalen Erwärmung sind jedoch wahrscheinlich unumkehrbar. Anders als bei der Covid-Krise wird es für das Klima keine “Rückkehr zur Normalität” geben.

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass wir diese Gesundheitskrise als eine Gelegenheit verstehen, uns auf die wichtigsten Nachhaltigkeitsbelange zu konzentrieren und sicherzustellen, dass diese nach Beendigung der Covid-Krise in das Fundament unserer Zukunft einbezogen werden. Ophélie Mortier, Sustainable & Responsible Investment Strategist bei DPAM, warnt davor, dass es keine Erholung geben kann, wenn sie nicht nachhaltiges und integratives Wachstum für alle einschließt. Unser firmeneigenes Modell hat dies bereits in der Vergangenheit bewiesen: Kurzfristiges, zweistelliges Wachstum, das die Nachhaltigkeitstreiber nicht respektiert, ist wahrscheinlich eher das Signal einer stark verschuldeten Wirtschaft als eines, das zukünftiges Wachstum einschließt. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass fiskalische Konjunkturpakete als Antwort auf die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie nicht zu Lasten der Umwelt und anderer Nachhaltigkeitsfaktoren wie Gesundheitsversorgung, Wohlstandsverteilung und Bildung gehen. Leider neigen diese Prioritäten bei sinkender Wirtschaftsleistung gerne dazu, sich zu ändern.

Das DPAM-Länder-Nachhaltigkeits-Ranking ermöglicht es Investoren, diejenigen Länder zu identifizieren, die globale Herausforderungen in ihre mittelfristigen Entwicklungen integrieren, um die langfristige Lebensfähigkeit zu sichern. Die Nachhaltigkeitsanalyse konzentriert sich auf fünf Haupttreiber: Transparenz & demokratische Werte, Umwelt, Bildung & Innovation, Gesundheitsversorgung & Wohlstandsverteilung sowie Wirtschaft. Aktuell stützt sich das Modell auf 69 bzw. 62 Kriterien für OECD-Industrie- und Schwellenländer. Diese Modelle liefern eine genaue und quantitative Darstellung der globalen Nachhaltigkeitstrends. Ihre Komponenten werden ständig verfeinert, um die Analysewirksamkeit zu verbessern. Als Beispiel für solche kontinuierlichen Verbesserungen hat das Fixed Income Sustainability Advisory Board (FISAB)1 von DPAM vor kurzem beschlossen, die Hauptantriebskräfte der Modelle sowohl für OECD- als auch Schwellenländer zu harmonisieren. Heute hat unser Emerging Markets -Ländermodell Zugang zu weit mehr Daten als zu seiner Einführung. Infolgedessen hat der FISAB die verschiedenen Triebkräfte neu ausbalanciert und mit denen des OECD-Modells harmonisiert, um dieser Veränderung der Datenverfügbarkeit Rechnung zu tragen.

In dieser Veröffentlichung der Rangliste hebt der FISAB auch einige Themen hervor, die den aktuellen globalen Entwicklungen Rechnung tragen. Sie konzentrieren sich auf die Vermögensverteilung als Schlüsselthema sowohl für die OECD- als auch für die Schwellenländer: In diesem Jahrhundert ist ein neues soziales Abkommen entstanden. Doch während sich die Sozialleistungen für einen großen Teil der Bevölkerung im Allgemeinen verbessert haben, sehen sich mehrere Länder derzeit mit einer Arbeitsplatzpolarisierung, Einkommensstagnation und einem erheblichen Anstieg der Kosten für Grundbedürfnisse konfrontiert. Der FISAB hat auch beschlossen, das Bildungsthema in den entwickelten Märkten näher zu beleuchten, da die umfangreichen Ergebnisse der jüngsten PISA-Tests die starken Unterschiede zwischen den einzelnen Bildungssystemen noch verstärken. Bedeutend sind dem Ausschuss zufolge auch die Transparenz und die Entwicklung demokratischer Werte in den Schwellenländern.

DPAM OECD-Länderranking für Deutschland

Der Nachhaltigkeits-Score von Deutschland ist leicht gesunken. Dies erklärt sich vor allem durch eine Verschlechterung des Umwelt- und Bildungswertes sowie durch die geringere Bedeutung der Wirtschaftswissenschaften in unserem neuen OECD-Ländermodell (d.h. die Relevanz des Faktors „Wirtschaft“ sank von 18,6% auf 12%).

Im Bildungsbereich haben die Innovationsfaktoren einen Aufwärtstrend erfahren (F&E, Patente usw.), was jedoch durch die geringere Qualität der Bildung und eine Verschlechterung unter Gleichheitsaspekten ausgeglichen wird. Die jüngsten PISA-Ergebnisse bieten ein interessantes Gesamtbild dieses Phänomens.

PISA

Die deutschen Werte liegen in allen drei Kategorien (Lesen, Naturwissenschaften und Mathematik) nach wie vor über dem Durchschnitt der OECD-Länder. Dennoch hat sich der Mittelwert wieder auf das Niveau von 2009 verschlechtert und die 2012 erzielten Fortschritte zunichte gemacht. Diese Verschlechterung ist insbesondere auf Mathematik und die Gesamtpunktzahl bei männlichen Schülern zurückzuführen. Auch die Gleichberechtigung im deutschen Bildungssystem bleibt weiterhin unterdurchschnittlich. Wir stellen vor allem eine zunehmende Kluft (über dem OECD-Durchschnitt) zwischen begünstigten und benachteiligten Studierenden fest. Selbst wenn wir den relativ hohen Anteil (22%) von Migranten, d.h. Personen, deren Eltern beide im Ausland geboren sind, unter den Studierenden berücksichtigen, lässt sich diese Diskrepanz nicht erklären. Der Unterschied in der Punktzahl zwischen Schülerinnen und Schülern mit und ohne Migrationshintergrund ist bemerkenswert groß. Der sozioökonomische Hintergrund eines Schülers, der positiv mit einem Migrationshintergrund korreliert ist, erklärt 18% des Ergebnisses in Mathematik (durchschnittlich 14%) und 19% in Naturwissenschaften (durchschnittlich 13%). Dies lastet auf dem Thema Gleichstellung. Zudem sind Cluster zwischen Schulen mit benachteiligten Schülern auf der einen Seite und begünstigten Schülern auf der anderen Seite nicht hilfreich.

BEVÖLKERUNG; GESUNDHEIT & VERMÖGENSVERTEILUNG

Wir stellen einige interessante Unterschiede in Bezug auf den Sozialvertrag und insbesondere den Arbeitsmarkt fest. Diese versetzen Deutschland in eine nachhaltigere Position im Vergleich zu einigen seiner Pendants in der OECD wie Frankreich, Spanien oder Belgien. Dennoch ist Deutschland auch von der Lohnstagnation und einer Zunahme der relativen Armut betroffen, trotz des in unserem Modell enthaltenen leichten Anstiegs der Pro-Kopf-Wirtschaftsleistung. Die Stagnation der Löhne lässt sich durch die Schwächung der Lohnverhandlungsmechanismen und die abnehmende Zahl der Arbeitnehmer erklären, die durch Tarifverträge geschützt sind.

Stagnierende Löhne wurden auch durch erhöhte Ausgaben für Grundbedarfsgüter belastet, allerdings in geringerem Maße als in anderen Ländern (Frankreich ist hier ein überraschendes Beispiel!).

Dies könnte die soziale Stabilität und den sozialen Zusammenhalt schwächen, insbesondere im Falle von Spannungen auf dem Arbeitsmarkt. Dennoch stellen wir eine positive Entwicklung bei der Schaffung von Arbeitsplätzen fest, die sowohl Vollzeit- als auch Teilzeitarbeitsplätze umfasst. Während in anderen Ländern überwiegend unfreiwillige Teilzeitarbeitsplätze geschaffen werden (d.h. Arbeitnehmer müssen mangels Alternativen Teilzeitarbeitsplätze annehmen), sind die Teilzeitarbeitsplätze in Deutschland weitgehend freiwillig.

Die vollständige Rangliste für OECD-Länder können Sie unter diesem Link aufrufen: https://publications.dpamfunds.com/magazine/sustainability-country-rankings/developed-countries/

Die Rangliste für Schwellenländer finden Sie hier: https://publications.dpamfunds.com/magazine/sustainability-country-rankings/emerging-countries/.

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