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Bitte keinen Populismus: Negative Anleihen-Aktien-Korrelation ist intakt

Derzeit vertreten einige Marktkommentatoren die Meinung, dass Anleihen unter allen Umständen gemieden werden sollten. Begründet wird dies mit den Erwartungen an eine Beschleunigung der Wachstumsbedingungen im Jahr 2021. Die globale Reflationspolitik werde es schaffen, das Wirtschaftswachstum schnell wieder auf den Pfad vor der Pandemie zu bringen. Das sollte die Erträge von Risikoanlagen in den zweistelligen Prozentbereich treiben. DPAM | 29.01.2021 11:19 Uhr
Peter De Coensel, Chef-Anleihenstratege bei DPAM / © DPAM
Peter De Coensel, Chef-Anleihenstratege bei DPAM / © DPAM

Die kursierenden Meinungen prophezeien, dass wir uns auf eine Phase positiver Renditekorrelation zwischen Aktien und traditionellen festverzinslichen Anlagen vorbereiten müssen. Effektiv würden Anleger die Diversifikationsvorteile verlieren, die seit 1998 bestehen.

Peter De Coensel, CIO Fixed Income bei DPAM, hat einen anderen Blick auf die Dinge. „Wer versucht, das Ende der Kapitalerhaltungs- und Wachstumseigenschaften der traditionellen festverzinslichen Anlageklasse auszurufen, handelt im besten Fall verfrüht und im schlimmsten Fall populistisch. Die negative Korrelation zwischen Anleihen und Aktien ist intakt. Ohne die unmittelbare Bedrohung durch eine globale geldpolitische Straffung und ohne gleichzeitig hohen und anhaltenden Inflationsdruck in den Industrie-Volkswirtschaften werden wir nicht in ein neues Regime wechseln“, fasst er seine Meinung zusammen.

Der DPAM-Experte bestätigt, dass die Märkte im Jahr 2020 mit kurzen Momenten positiver Korrelation zwischen beiden Anlageklassen konfrontiert waren. Aber diese Momente zu einem echten neuen Regime zu extrapolieren, sei nichts anderes als der Versuch, eine unangemessene Panik zu erzeugen. Vielmehr sollte man sich auf die Fakten besinnen: Untersuchungen, die mehr als 50 Jahre zurückblicken, haben hingegen gezeigt, dass eine positive Korrelation zwischen Anleihen- und Aktienrenditen zwei Bedingungen erfordert: Erstens müssen die Zentralbanken eine effektive Straffung der Leitzinsen vornehmen. Außerdem muss diese Straffung breit angelegt sein. Tatsächlich hat aber der Straffungszyklus der FED zwischen Dezember 2015 und Dezember 2018 die negative Korrelation zwischen Anleihen- und Aktienrenditen nie aufgehoben. Zweitens müssen die Märkte mit einer anhaltenden Phase hoher Inflation konfrontiert sein. Eine hohe Inflation liegt in dem Moment vor, in dem Verbraucherpreisindizes im Jahresvergleich konstant über 3,00 % liegen. Wir stellen fest, dass wir noch Jahre davon entfernt sind, bevor beide Bedingungen erfüllt sind. Erwarten Sie keinen plötzlichen Umschwung zu einer Inflationskulisse im Stil von 1970.

Einige Marktteilnehmer sind der Meinung, dass das klassische 60/40-Anleihen-Aktien-Verhältnis (oder umgekehrt für weniger risikoaverse Anleger) durch hybride Portfoliolösungen ersetzt werden sollte, zum Beispiel in Form von Wandelanleihen, nachrangigen Schuldtiteln, Edelmetallen, illiquiden Infrastrukturanleihen oder strukturierten Produkten, die mit Rohstoffen oder digitalen Währungen verbunden sind. 

„Rechtfertigt ein gewisser Verlust an negativer Korrelation einen Sprung in Sektoren, die ziemlich hohe positive Korrelationen zu Aktien aufweisen?“, gibt Peter De Coensel zu bedenken und erinnert an die Ära 2003 bis 2005. Damals fielen die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen unter 4%, und die 5-jähriger Papiere bewegten sich zwischen 2,00 und 3,00% - historisch niedrige Niveaus, die viele Portfoliokonstrukteure verunsicherten. Und ein eindeutiges Signal für die Abteilungen „Strukturierte Produkte“ vieler Investmentbanken, Alternativen mit höheren Renditen zu schaffen und auf globaler Ebene zu vertreiben.

Der Markt für forderungsbesicherte Wertpapiere und strukturierte Kreditprodukte wurde zum Mainstream. Heute schafft die Präsenz niedriger bis negativer Renditen eine ähnliche Atmosphäre. Investoren sollten auf der Hut sein. Wieder einmal verlangen die Banken, die mit sinkenden Nettozinsmargen und disruptiven neuen Wettbewerbern konfrontiert sind, höhere Zinsen. Sie benötigen höhere Handelserträge, die mit dem Vertrieb von weniger liquiden Instrumenten mit höheren Geld-/Briefkursen einhergehen. In der Tat schaffen hybride Instrumente eine höhere Profitabilität. In gewisser Weise wiederholt sich die Historie.

Den vollständigen Kommentar von Peter De Coensel finden interessierte LeserInnen hier als PDF-Dokument.

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