Europa 2026: Politische Ziele geben den Weg für Investments vor

Der Fokus der EU liegt auf der Sicherung und Gestaltung der eigenen Zukunft. Die Europäische Kommission spricht von „Europas Moment der Unabhängigkeit”. Was Anleger von diesem Moment erwarten dürfen, skizziert Johan Van Geeteruyen, CIO Fundamental Equity von DPAM: DPAM | 09.12.2025 11:22 Uhr
Johan Van Geeteruyen, CIO Fundamental Equity von DPAM / © e-fundresearch.com / DPAM
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Ausgangspunkt: Uneins, abhängig und im Rückstand

Europa ist gespalten zwischen nationaler Souveränität und kollektivem Handeln. Einige Staaten befürchten, dass mehr Autonomie zu Protektionismus führen könnte. Andere drängen auf mehr Selbstständigkeit. In Sachen Wettbewerbsfähigkeit und Innovation hinkt Europa hinterher, insbesondere bei KI und Halbleitern. Komplexe Vorschriften und Skepsis behindern den digitalen Fortschritt. Zudem muss der Kontinent dringend seine Abhängigkeit von Energieimporten und der NATO reduzieren.

Die Maßnahmen der EU in den Bereichen Energie, Verteidigung, Technologie und Handel werden sich erheblich auf öffentliche und private Investitionen auswirken:

Ziel 1: Unabhängigkeit in der Energieversorgung

Die Energiesicherheit ist für mehr Souveränität entscheidend und nicht mehr nur eine Reaktion darauf, dass die Energieversorgung nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine zum politischen Spielball geworden ist. Die EU bemüht sich um eine zuverlässige, erschwingliche und nachhaltige Energieversorgung ohne übermäßige Abhängigkeit von externen Lieferanten.

Der RePowerEU-Fahrplan der Europäischen Kommission beschreibt den Weg, um die Versorgung durch russisches Gas schrittweise abzuschaffen, den Einsatz erneuerbarer Energien zu beschleunigen und den Übergang zu einer grünen Wirtschaft zu unterstützen. Investitionen in saubere Technologien und Energieeffizienz sind notwendig, um sicherzustellen, dass die EU sich auf im Inland produzierte saubere Energie sowie mehr erneuerbare Energien stützt, um den steigenden Bedarf durch KI, Rechenzentren und Elektrifizierung zu decken.

Ziel 2: Verteidigung stärken

Der Plan „ReArm Europe“ zielt darauf ab, bis zu 800 Milliarden Euro zu mobilisieren, um die Verteidigungsausgaben und die industriellen Kapazitäten Europas sowohl durch öffentliche Mittel als auch durch privates Kapital zu stärken. Bereits im Jahr 2024 hatten die Verteidigungsinvestitionen um 42% zugenommen.

Ziel 3: Halbleiterindustrie fördern

Ohne sofortige und entschlossene Maßnahmen zur Stärkung ihres Chip-Design-Ökosystems läuft Europa Gefahr, im Wettlauf um die Vorherrschaft bei Halbleitern ins Hintertreffen zu geraten. Die digitale Souveränität Europas hängt vom neuen Chip-Gesetz ab, das nicht nur die Produktionskapazitäten erhöht, sondern auch lokale Chip-Designer unterstützt. Damit soll Europa seinen weltweiten Marktanteil bei Halbleitern auf 20% verdoppeln, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Ziel 4: Rohstoffsicherheit verbessern

Das Gesetz über kritische Rohstoffe soll der EU nachhaltigen Zugang zu kritischen Rohstoffen verschaffen und ihr ermöglichen, ihre Importe zu diversifizieren, um strategische Abhängigkeiten zu verringern und die Kreislaufwirtschaft zu verbessern. 47 strategische Projekte sollen die Kapazitäten für die Gewinnung, Verarbeitung und das Recycling strategischer Rohstoffe erweitern.

Zuverlässige Investitionen

Für Investoren bedeutet der „Moment der Unabhängigkeit“ zuverlässige Investitionsströme für Verteidigung, Cybersicherheit, erneuerbare Energien, Stromnetze, Halbleiterausrüstung und Leistungselektronik sowie das Recycling kritischer Materialien und eine sichere Cloud-Dateninfrastruktur.

Von Johan Van Geeteruyen, CIO Fundamental Equity von DPAM

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