Unternehmensanleihen: Widerstandsfähig ins neue Jahr

Die DPAM-Experten Marc Leemans, Fondsmanager, und Bernard Lalière, Head of Credit, bewerten die Aussichten für Unternehmensanleihen positiv, behalten aber Risiken im Auge. DPAM | 16.12.2025 09:23 Uhr
Marc Leemans, Fondsmanager, und Bernard Lalière, Head of Credit, bei DPAM / © e-fundresearch.com / DPAM
Marc Leemans, Fondsmanager, und Bernard Lalière, Head of Credit, bei DPAM / © e-fundresearch.com / DPAM

Unternehmensanleihen werden mit sehr niedrigen Renditeaufschlägen ins kommende Jahr starten. Zur Jahresmitte lagen die Spreads von Investment-Grade-Anleihen in Europa und den USA nahe den niedrigsten Werten seit der Finanzkrise. Werden Anleger bei diesen Spreads noch für die Risiken entschädigt, die sie eingehen?

Interessant wird das Transaktionsgeschäft. Nach dem Boom von 2021 gab es weniger Fusionen und Übernahmen, einschließlich Leveraged Buyouts. Wenn das Vertrauen der Unternehmen zurückkehrt und das Transaktionsvolumen steigt, könnten fremdfinanzierte Transaktionen Druck auf die Kreditwürdigkeit ausüben. Eine unmittelbare Verschlechterung ist aber unwahrscheinlich.

Ein weiteres Risiko hängt mit dem Ausbau von Rechenzentren und der KI-Infrastruktur zusammen. Zur Finanzierung könnten neue Anleihen auf den Markt kommen. Die Spreadausweitung bei Oracle deutet an, dass die Märkte das Ausführungsrisiko berücksichtigen. Im laufenden Jahr gab es mehr Reverse-Yankee-Emissionen als je zuvor. Dabei nehmen nicht-amerikanische Unternehmen Kapital in den USA auf. Beschleunigt sich der KI-Investitionszyklus weiter, könnte dieser Angebotsdruck auf Europa übergreifen. Schlecht getimte oder schlecht verwaltete Investitionen und Emissionen könnten zu Kreditstress führen.

Unternehmen diszipliniert und solide

Trotz der knappen Bewertungen und potenziellen Risiken bewerten wir Unternehmensanleihen insgesamt positiv. Die Kreditqualität ist solide, die Bilanzen der Investment-Grade-Unternehmen sind dank deren maßvoller Zurückhaltung in den vergangenen Jahren gesund. Sowohl in den USA als auch in Europa haben Firmen für Investitionen, Dividenden und Rückkäufe weniger ausgegeben, als über operative Cashflows zufloss.

Markt stabil

Wir befinden uns weder in einer Rezession mit weit verbreiteten Zahlungsausfällen noch in einem Boom mit schuldenintensiven Übernahmen, die in der Regel später im Zyklus zu Belastungen führen. Die Eigenkapitalpolster vieler Unternehmensschuldner liegen nahe Rekordwerten – ein zusätzlicher Puffer für den Fall von Gewinnenttäuschungen oder Refinanzierungsproblemen.

In den vergangenen Quartalen überstiegen die Heraufstufungen die Herabstufungen im Investment-Grade-Segment um etwa das 2,5-Fache. Das Wachstum in Europa ist zwar moderat, aber positiv. Dies stützt die Kreditwürdigkeit: Unternehmen können ihre Kupons bedienen und Schulden refinanzieren, ohne dass übermäßige Ausgaben oder eine zu starke Ausweitung begünstigt würden.

Die Kapitalflüsse dürften weiterhin günstig bleiben. Die Staaten tun sich schwer damit, ihre hohen Defizite zu reduzieren. Dies erhöht das Angebot an Staatsanleihen. Anleger könnten Unternehmensanleihen bevorzugen, die ein stabileres Risikoprofil und höhere Renditen bieten.

Basisszenario für 2026

Wir erwarten moderate positive Gesamtrenditen, die hauptsächlich durch Carry- und Kuponerträge getrieben werden. Deutlich ausweiten dürften sich die Spreads nicht, es sei denn, es kommt zu einem makroökonomischen Schock, wie z. B. einer Rezession, einer Inflationsüberraschung oder einer schlecht gemanagten Welle von AI-Investitionen.

Wenn die Fundamentaldaten solide und die technischen Bedingungen günstig bleiben, könnten die Spreads von Investment-Grade- und Hochzinsanleihen über einen längeren Zeitraum innerhalb einer bestimmten Bandbreite verharren. Zu bevorzugen sind ausgewählte Emittenten mit starken Bilanzen, moderater Verschuldung, geringem Refinanzierungsbedarf und Wachstumschancen, die nicht zyklischen Schwankungen unterliegen.

Angesichts der engen Spreads kann sich ein einziges negatives Ereignis direkt auf die Bewertungen auswirken. Der Spielraum für eine weitere Straffung ist dagegen eng begrenzt. Das Gesamtbild ist dennoch positiv: Starke Fundamentaldaten, stetiges Wachstum, diszipliniertes Unternehmensverhalten und günstige technische Faktoren deuten darauf hin, dass sich Unternehmensanleihen im neuen Jahr als stabil und widerstandsfähig erweisen werden.

Von Marc Leemans, Fondsmanager, und Bernard Lalière, Head of Credit, bei DPAM

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