Energiesektor hat für Anleger seinen Reiz: Warum die Auswahl über Renditen entscheidet

Aktien aus dem Bereich erneuerbare Energien haben sich im vergangenen Jahr erholt. Bisher begrenzen jedoch die hohe Kapitalintensität und Zinssensitivität ihr Aufwärtspotenzial. Gerrit Dubois, Spezialist für verantwortungsbewusstes Investment bei DPAM, erkennt nichtsdestotrotz Verbesserungen: DPAM | 28.04.2026 10:16 Uhr
Gerrit Dubois, Responsible Investment Specialist, DPAM / © e-fundresearch.com / DPAM
Gerrit Dubois, Responsible Investment Specialist, DPAM / © e-fundresearch.com / DPAM

Es gibt Anzeichen für eine verbesserte Disziplin im Energiesektor. So wurden Preise von rund 90 Pfund/MWh für Offshore-Windkraft mit festem Mindestpreis erzielt. Andererseits hat die britische Regierung angekündigt, die CO₂-Preisstützung ab April 2028 abzuschaffen. In den USA sind die Strompreise deutlich gestiegen, was Entwicklern mit Projekten in „Safe Harbor“-Status solide Renditen ermöglichen dürfte.

Politische Risiken bleiben ein Unsicherheitsfaktor. Die US-Energiepolitik und sich wandelnde EU-Rahmenbedingungen in Verbindung mit der geringen Vorhersehbarkeit der Strompreise nach 2030 machen Preisen und Renditen schwer vorhersehbar. Darüber hinaus könnte den Strommärkten eine volatilere Phase oder gar ein periodisches Überangebot (negative Preise) bevorstehen, bedingt durch den raschen Ausbau von Solar- und Windenergie sowie unzureichende Speicherkapazitäten. Dies macht langfristige Renditeannahmen für reine Erzeugungsanlagen weniger verlässlich.

Öl und Gas bieten überdurchschnittliche Cash-Renditen. Die Energiewende ist (vorerst) keine Substitution, sondern eine Ergänzung. Fossile Brennstoffe bleiben aufgrund der steigenden Nachfrage fest verankert. Dies schafft ein „hybrides Energiesystem“, in dem beide Sektoren länger nebeneinander bestehen als erwartet.

Echte Chance in der Energiewertschöpfungskette, nicht in der reinen Stromerzeugung. Ausrüstungslieferanten, Netzinfrastruktur und Basistechnologien bieten höhere Margen und stabilere Renditen als kapitalintensive Erzeuger. Zwar können erneuerbare Energien die günstigste Quelle für neuen Strom sein, doch bestimmen die Systemkosten (Netze, Speicherung, Ausgleich) zunehmend die Rentabilität.

Energie bleibt eine Frage des Kapitalzyklus – die Auswahl entscheidet. Sowohl bei den erneuerbaren Energien als auch bei Öl und Gas bestimmen Kapitaldisziplin und Kapitalkosten die Renditen. Die Vermeidung „rohstoffähnlicher“ Segmente und die Konzentration auf strukturelle Rentabilität sind der Schlüssel zur überdurchschnittlichen Performance.

Erneuerbare Energien gewinnen an Volumen – nicht jedoch bei den Renditen. Erneuerbare Energien dominieren mittlerweile das zusätzliche Angebot, sie decken das Netto-Strombedarfswachstums vollständig ab. Dieser Wandel ist zunehmend markt- und weniger politikgetrieben, d. h. die Renditen hängen stärker von der Wirtschaftlichkeit als von Subventionen ab. Das erhöht den Druck auf die Margen.

Wir sehen jedoch Anzeichen dafür, dass die Politik pragmatischer wird und ein besseres Gleichgewicht zwischen Erschwinglichkeit/Kapitalrendite, Systemresilienz und Energiewende anstrebt. Szenarioanalysen und Stresstests müssen transparenter werden. Unternehmen müssen die Verknüpfung mit der Klimaberichterstattung sicherstellen, wichtige klimabezogene (Transitions-)Annahmen offenlegen, Szenario-Sensitivitätsanalysen bereitstellen und mögliche Auswirkungen auf Dividenden berücksichtigen. Potenzielle Lücken können die langfristige Wertschöpfung durch Fehlbewertungen und Fehlallokation von Kapital untergraben.

Von Gerrit Dubois, Responsible Investment Specialist, DPAM

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