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Die Gefahren des Protektionismus

Eine Einschätzung der aktuellen Lage von Kristina Hooper, Chief Global Market Strategist, Invesco Ltd: Invesco | 09.03.2018 12:18 Uhr
Kristina Hooper, Chief Global Market Strategist, Invesco Ltd / ©  Invesco Ltd
Kristina Hooper, Chief Global Market Strategist, Invesco Ltd / © Invesco Ltd

Die Geopolitik steht wieder im Mittelpunkt. Nach einer fast sechsmonatigen Sondierungsphase ist Bundeskanzlerin Angela Merkel endlich die Bildung einer Regierungskoalition gelungen, während Italien eine eigene Phase der Unsicherheit bevorsteht, nachdem die Wahlen vom vergangenen Wochenende kein klares Ergebnis hervorgebracht haben. Die Italiener sind dem jüngsten Beispiel der Wähler in Großbritannien, den USA, Deutschland und andernorts gefolgt, indem sie vor allem gegen den Status quo gewählt haben. Kritikpunkte waren in jedem Fall auch die bisherige Handels- und Einwanderungspolitik. Die offiziellen Ergebnisse der Parlamentswahlen in Italien liegen zwar noch nicht vor. Schon jetzt scheint aber klar, dass mit einer längeren Phase der Unsicherheit zu rechnen ist, während die Parteien über die Bildung einer mehrheitsfähigen Regierungskoalition verhandeln (zum aktuellen Zeitpunkt wissen wir noch nicht einmal, welche Partei als erste mit der Regierungsbildung beauftragt wird). Wir werden diesen zweifellos langwierigen Prozess genau beobachten. Damit kommen wir auch schon zum größten geopolitischen Ereignis der Woche.

Am 1. März kündigte US-Präsident Donald Trump an, Zölle von 25% auf Stahlimporte und 10% auf Aluminiumimporte in die USA einzuführen. Die Nachricht weckte bei mir Erinnerungen an zwei Bücher, die meine Ansichten zum internationalen Handel entscheidend beeinflusst haben:

  • 1985 habe ich in meinem ersten Jahr an der High School die Autobiographie des berühmten US-amerikanischen Autors Lee Iacocca gelesen. Dieser widmete die letzten Kapitel seines Buches seinen Ansichten zum Außenhandel. Er argumentierte überzeugend für den Nutzen des Protektionismus und bezeichnete sich als Anhänger des fairen, nicht des freien Handels, da die USA die für die nationale Beschäftigung und Sicherheit kritischen Industriesektoren schützen müsse. Iacocca verwies speziell darauf, dass das japanische Ministerium für Außenhandel und Industrie viele japanische Unternehmen unterstützt und fördert, und plädierte für protektionistische Maßnahmen wie Einfuhrzölle auf Öl sowie für niedrigere Zinsen, damit sich die amerikanische Industrie günstiger refinanzieren kann. Außerdem sprach er sich für eine Begrenzung des japanischen Marktanteils in kritischen Industriesektoren aus.
  • In der Business School besuchte ich einen sehr interessanten Betriebsmanagement-Kurs bei einem Professor, der ein überzeugter Anhänger des Freihandels und freien Wettbewerbs war. Er empfahl mir ein Buch mit dem Titel The Reckoning von David Halberstam. The Reckoning ist ein phänomenales Buch, das viele Themen anreißt, darunter den Abstieg der amerikanischen Autoindustrie in den 1970er Jahren. Das Buch beschreibt, wie sich die amerikanischen Autohersteller durch ihre bis dahin unangefochtene Branchenvorherrschaft zu sehr darauf verließen, dass ihre US-Kunden zufrieden mit ihren weniger zuverlässigen, langlebigen und verbrauchsarmen Autos waren. Das mag gestimmt haben, solange es keine Alternativen gab. Doch als sich neue Optionen auftaten, änderte sich das schnell — und die Industrie reagierte nicht auf die veränderten Präferenzen der Konsumenten. Dieses Buch argumentiert, dass die US-amerikanischen Autohersteller nicht allein den Japanern die Schuld an ihrer Misere geben können.

Risiken des Protektionismus vs. Risiken des Freihandels

Wie also stehe ich zum Protektionismus? Der internationale Handel ist ein zugegebenermaßen komplexes und vielschichtiges Thema. Ich bin aber überzeugt, dass der freie Handel bei ansonsten gleichen Bedingungen besser für die Verbraucher, die Unternehmen und die Wirtschaft ist, ganz einfach, weil der Protektionismus viele negative Folgen hat:

  • An erster Stelle kann Protektionismus inflationär wirken und damit die Kaufkraft der Konsumenten schmälern, wobei Verbraucher mit niedrigem bis mittlerem Einkommen die negativen Folgen potenziell besonders stark zu spüren bekommen, da sie das Geld, das sie für Strafzölle ausgeben müssen, produktiver einsetzen könnten.
  • Außerdem kann der Protektionismus zu einem Verlust an Wettbewerbsfähigkeit führen. Unternehmen, deren Märkte durch protektionistische Maßnahmen abgeschirmt werden, können nachlässig werden und keine Anreize für Innovationen haben.

Im freien Wettbewerb gibt es Gewinner und Verlierer. Die Verlierer aber können vom Prozess der schöpferischen Zerstörung profitieren, indem sie durch das Scheitern zu Innovationen gezwungen werden.

Selbst die vermeintlichen Risiken des freien Handels — ein Außenhandelsdefizit — sind vielleicht gar nicht so schlimm. Denn:

  • Staaten, die - wie die USA - mehr Geld haben, konsumieren mehr Waren als andere Länder. Wenn die USA ein Außenhandelsdefizit haben, hilft das anderen Volkswirtschaften zu wachsen — wodurch sie den USA letztlich mehr Waren abkaufen können.
  • Ein Handelsdefizit mit den USA gibt anderen Ländern mehr Geld, das sie wieder in den USA anlegen können, zum Beispiel durch den Kauf von US-amerikanischen Staatsanleihen, aber der Protektionismus reduziert die ausländischen Direktinvestitionen. 2016 zum Beispiel gingen die ausländischen Direktinvestitionen in den USA zu 10% auf das Konto von Kanada. In ihrem geldpolitischen Bericht vom Januar 2018 aber schreibt die kanadische Notenbank: „Durch die handelspolitischen Unsicherheiten werden die Investitionen bis Ende 2019 voraussichtlich um rund 2% zurückgehen.“

Stephen Poloz, der Gouverneur der Bank of Canada, hat die Risiken des Protektionismus in einer Rede im März 2017 auf den Punkt gebracht: „Der Protektionismus ist nicht wachstumsfördernd und mit hohen Kosten verbunden.“ Tatsächlich sind sich die meisten Ökonomen darüber einig, dass der Protektionismus die Große Depression verschlimmert hat:

„Die Große Depression der 1930er Jahre war durch eine massive Zunahme protektionistischer Maßnahmen in der Handelspolitik geprägt. Rund um die Welt erhoben die Regierungen Strafzölle, Einfuhrquoten und Devisenkontrollen, um die Ausgaben für ausländische Güter zu begrenzen. Diese Handelshemmnisse trugen dazu bei, dass neben der Wirtschaftsaktivität insgesamt auch der Welthandel Anfang der 1930er Jahre einbrach und sich der Handel auch im weiteren Verlauf des Jahrzehnts trotz des weltweiten wirtschaftlichen Aufschwungs nur sehr schleppend erholte.“ (The Journal of Economic History, Vol. 70, Nr. 4, “The slide to protectionism in the Great Depression: Who succumbed and why?,” Barry Eichengreen und Douglas Irwin, Dezember 2010)

Darüber hinaus könnten Handelspartner wie China und Japan Vergeltung üben, indem sie keine US-amerikanischen Staatsanleihen mehr kaufen oder diese sogar verkaufen. Wie ich in einem Blog-Beitrag vom 29. Januar gewarnt habe, „können sich Länder in unserer vernetzten Welt auch anders rächen. Ein machtvolles Instrument — das viele nicht im Blick zu haben scheinen — ist eine Begrenzung der Käufe von US-amerikanischen Staatsanleihen oder, noch schlimmer, ein Verkauf von Treasuries aus den eigenen Beständen. Bei ansonsten gleichen Bedingungen könnte das die Kreditaufnahme für die USA verteuern.“

Das bedeutet nicht, dass der Freihandel risikolos ist. Freier Handel bedeutet, dass in einigen Branchen in einigen Ländern Arbeitsplätze verloren gehen werden — und das ist immer ein sehr hoher Preis. Wir können nur hoffen, dass die Regierungen effektive Umschulungsprogramme anstoßen, damit sich Erwerbstätige die neuen Kompetenzen aneignen können, die sie für die Arbeitsplätze der Zukunft benötigen, zu deren Entstehung der Freihandel beitragen wird.

Das alles bedeutet auch nicht, dass der Freihandel wirklich fair ist, wie Lee Iacocca in seinem Buch feststellt. Helfen könnten hier „weiche“ protektionistische Maßnahmen (zum Beispiel zinsgünstigere Kredite oder Subventionen für bestimmte Industriezweige), die keine so stumpfen Instrumente wie Zölle sind. In bestimmten Fällen können sich die Staaten auch an die Welthandelsorganisation wenden, um gegen unfaire Handelspraktiken anderer Länder vorzugehen.

Kernaussagen

Ich warne seit längerem vor dem Protektionismus als einem der wesentlichen Risiken für das globale Wachstum. Zölle treten nur selten in einem Vakuum auf. Wie die Erfahrung der 1930er Jahre zeigt, kann es zu einem Dominoeffekt kommen. Heute scheinen sich die Märkte der potenziell negativen Auswirkungen von Einfuhrbeschränkungen auf das globale Wirtschaftswachstum bewusst zu sein und fürchten diese entsprechend. Nicht nur die Aktienmärkte haben mit Kursverlusten auf die Nachricht über Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte reagiert - auch die Rendite der 10-jährigen US Treasury ist daraufhin gesunken. In meinen Augen zeigt das, wie ernst die Märkte diese Bedrohung nehmen. Die Entwicklungen seit dem 5. März deuten zwar darauf hin, dass Trumps Ankündigung nicht viel mehr als ein Druckmittel in den Verhandlungen über das nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA ist. Da die Gefahr von Handelskriegen aber noch lange nicht gebannt ist, werden wir die aktuelle Lage weiter genau verfolgen.

Kristina Hooper, Chief Global Market Strategist, Invesco Ltd

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