Versicherungsinvestments 2026: Zwischen Unsicherheit und Opportunität

Das Jahr 2026 dürfte ein weiteres herausforderndes Jahr für Versicherungsinvestoren werden. Hohe Bewertungen und gemischte konjunkturelle Signale sprechen für eine defensive Grundhaltung. Anlagechancen sind aus unserer Sicht jedoch vorhanden, insbesondere in ausgewählten Private-Market-Segmenten. Invesco | 10.02.2026 13:45 Uhr
Albrecht von Bassewitz, Head of Corporate and Pensions Germany bei Invesco Deutschland / © e-fundresearch.com / Invesco
Albrecht von Bassewitz, Head of Corporate and Pensions Germany bei Invesco Deutschland / © e-fundresearch.com / Invesco

Die Unwägbarkeiten reichen vom geldpolitischen Kurs der US-Notenbank über einen zollbedingten Inflationsschub bis hin zu den negativen Folgen geopolitischer Konflikte für Risikoanlagen. Auch wenn kein unmittelbares Rezessionsrisiko zu bestehen scheint, legen gemischte makroökonomische Signale und das vielerorts hohe Bewertungsniveau eine vorsichtige Positionierung nahe. Im Fixed Income-Bereich sind die Fundamentaldaten zwar solide, aber die Spread-Durations stellen ein Risiko dar.

Vor diesem Hintergrund spricht unserer Ansicht nach viel für ein verstärktes, aber selektives Engagement an den privaten Märkten.

Chancen bei Private Credit und Immobilien

Private Credit überzeugt mit einer Kombination aus attraktiven Gesamtrenditen, vorrangiger Stellung in der Kapitalstruktur und angemessenen Risikoprämien gegenüber liquiden Kreditinstrumenten. Die jüngsten Kreditereignisse an den privaten Märkten bewerten wir eher als Einzelfälle denn als Vorboten eines systemischen Stresses. Zudem bieten die aktuellen Spreads weiterhin eine angemessene Risikoentschädigung.

Im Immobilienbereich bietet Real Estate Debt nach der Korrektur der Immobilienwerte in den vergangenen Jahren wieder interessante Chancen für höhere kapitalbereinigte Renditen, da neue Kredite auf der Grundlage der jetzt günstigeren Bewertungen strukturiert werden.

Ähnlich sieht es auch bei Real Estate Equity aus, das bei Versicherungen nach der deutlichen Preiskorrektur wieder stärker in den Fokus rückt. Steigende Zinsen und geringere Finanzierungsverfügbarkeiten haben zwar zu Bewertungsanpassungen und niedrigen Transaktionsvolumina geführt, eröffnen langfristig orientierten Investoren jedoch jetzt attraktive Einstiegsmöglichkeiten auf einem stabileren Bewertungsniveau. Invesco sieht vor allem in Sektoren mit strukturell robuster Nachfrage – etwa Wohnen, Logistik und ausgewählten Büro‑Core‑Lagen – wieder Potenzial für nachhaltigen Einkommenszuwachs und langfristige Wertsteigerung. Unterstützt wird dies durch eine Angebotsknappheit, steigende Spitzenmieten in gefragten Segmenten sowie die Anzeichen einer Bodenbildung am Transaktionsmarkt. Für Versicherungen können sogenannte Core und Core+ orientierte Real‑Estate‑Equity‑Strategien damit wieder einen wertvollen Beitrag zu laufenden Erträgen, Minderung von Inflationsrisiken und langfristiger Portfoliodiversifikation leisten. Wichtig ist hierbei eine aktive Selektion gekoppelt mit konservativen Finanzierungsstrukturen.

Bei Private Equity bleiben wir dagegen vorsichtiger. Hohe Bewertungen und viel „Dry Powder“ – zugesagtes Kapital auf der Suche nach Investitionsmöglichkeiten – sorgen für ein schwieriges technisches Umfeld. Gleichzeitig ist das Renditepotenzial durch den Einsatz von Fremdkapital aufgrund des anhaltend erhöhten Finanzierungsniveaus unserer Ansicht nach nicht mehr so attraktiv wie noch vor wenigen Jahren.

Regulatorische Entwicklungen

Beim Asset-Liability-Management und der strategischen Vermögensaufteilung im Jahr 2026 sind auch wichtige regulatorische Aspekte zu beachten, um Kapitaleffizienz, Rendite und Portfoliostabilität in Einklang zu bringen.

Die europäischen und britischen Versicherungsportfolios sind weiterhin geprägt durch das EU-Regelwerk Solvency II und das britische Regelwerk Solvency UK. Die geplanten Überarbeitungen von Solvency II (2026-2027) zielen darauf ab, die Eigenkapitalunterlegung für hochwertige vorrangige Verbriefungstranchen erheblich zu senken und die Behandlung von Infrastruktur- und langfristigen Aktienengagements zu verbessern. Dadurch werden vorrangig strukturierte Kredite zu potenziell attraktiven Anlageoptionen für Versicherer, die eine kapitaleffiziente Rendite und Portfoliodiversifikation anstreben.

In Großbritannien erweitern die Matching-Adjustment-Reformen der Prudential Regulation Authority (PRA) die Palette zulässiger Anlagen für Versicherungsportfolios. Der Matching Adjustment Investment Accelerator ermöglicht einen schnelleren und flexibleren Zugang zu illiquiden und strukturierten Anlagen. Zusammen mit der bereits erfolgten Abschaffung der Obergrenze für Anlagen unterhalb Investment Grade und der Einführung der Anlagekategorie „hochgradig vorhersehbar“ (HP) hat dies das Interesse der Versicherer an strukturierten Krediten, Senior Loans und CLOs erhöht.

Von Albrecht von Bassewitz, Head of Corporate and Pensions Germany bei Invesco Deutschland

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