Prognosewert
Die EZB dürfte nachträglich zu Weihnachten noch ein kleines Geschenk erhalten. In unserer vorläufigen Prognose gehen wir davon aus, dass die Teuerungsrate im Dezember punktgenau beim Notenbankziel von 2,0% landet (nach 2,1% im November). Unser Tracker für die Headline-Rate liegt aktuell bei 1,99% (nach 2,14%). Auf die zweite Nachkommastelle berechnet, sollte der Rückgang in der Jahresarte also mehr als ein Zehntel betragen. Bei der Kerninflation erwarten wir eine deutlich schwächere Abnahme. Unser Tracker liegt bei 2,35% (nach 2,41%). Es ist also ein Clos Call, ob es am Ende auch hier noch ein kleines Happy End gibt und sich die Kernrate zumindest wieder dem EZB-Inflationsziel annähert.
Volatile Komponenten
Der massgebliche Disinflationsdruck ging im Dezember eindeutig von den Energiepreisen aus. Allen voran die Kraftstoffpreise sind speziell in den letzten Wochen des Jahres deutlich gefallen (unsere Prognose: -1,8%, MoM). Bei Haushaltsenergie gehen wir von einem leichten Rückgang aus (-0,2% bis ‑0,3%, MoM). Im Ergebnis waren die Energiepreise um rund 1,0% rückläufig, während sie im vergangenen Jahr im Dezember um 0,6% zugelegt hatten. In der Folge dürfte die Jahresrate Ende 2026 von -0,5% auf -2,1% gefallen sein.
Bei Nahrungsmitteln hält der moderate Preistrend der vergangenen Monate zwar an. Vor allem Molkereiprodukte verbilligen sich weiter. Aufgrund eines ungünstigen Basiseffekts dürfte die Jahresrate aber im Dezember von 2,3% auf 2,4% angestiegen sein.
Kerninflation
Bei der Kerninflation zeichnen sich im Dezember in den einzelnen Euroländern sehr unterschiedliche Entwicklungen ab. Während wir etwa in Deutschland, Spanien und Belgien mit einem Rückgang der Kernteuerung rechnen, gehen wir in Frankreich, Italien und den Niederlanden von einem Anstieg aus. Ursächlich für diese Divergenz sind die »volatilen« Komponenten der Kerninflation. So hat in Deutschland etwa die Jahresrate der Preise für Pauschalreisen zuletzt kräftig angezogen. Hier rechnen wir im Dezember mit einer Gegenbewegung (der Anstieg bei den Preisen sollte kleiner ausfallen als üblich). In Frankreich und Italien sind die Basiseffekte bei den Hotelpreisen und den Preisen für Flugtickets dagegen ungünstig. Hier deuten sich Anstiege in der Jahresrate an.
Per saldo gehen wir davon aus, dass der Effekt aus Deutschland überwiegt und vor allem der Preisdruck bei der Freizeitkomponente (enthält unter anderem Pauschalreisen) im Dezember in der Eurozone nachgibt. Entsprechend sollte auch die Jahresrate der Servicepreise geringfügig zurückgehen (3,4% nach 3,5%). Bei den Preisen von Industriegütern erwarten wir eine Seitwärtsbewegung der Jahresrate (0,5% nach 0,5%).
Ausblick
Im Januar übt ein sehr günstiger Basiseffekt bei den Energiepreisen weiteren Abwärtsdruck auf die Headline-Rate aus. Sie dürfte von 2,0% auf 1,8% fallen. Speziell in Deutschland treten überdies verschiedene administrative Preisänderungen in Kraft, die in der Summe inflationsdämpfend wirken sollten (Senkung des Mehrwertsteuersatzes in der Gastronomie, Abschaffung der Gaspreisumlage, aber: Preis für Deutschlandticket steigt und der Mindestlohn wird kräftig erhöht). Die weitere Entwicklung hängt wie immer stark vom Ölpreis ab. Bleibt dieser in etwa auf dem aktuellen Niveau, dürfte sich der Trend in der Headline-Rate ab März erneut umkehren. Wir erwarten dann, dass die Teuerungsrate wieder auf 2,0% ansteigt.
Unterdessen dürfte sich bei der Kerninflation in den nächsten Monaten wenig tun. Sie sollte weiter zwischen 2,3% und 2,4% pendeln. Ab dem Frühjahr besteht dann – aufgrund günstiger Basiseffekte – die Chance, einer temporären Entspannung. Die Kernrate könnte entsprechend zur Jahresmitte in Richtung 2,0% abtauchen. In der zweiten Jahreshälfte gehen wir aber wegen der anziehenden Konjunktur in der Eurozone wieder von zunehmenden Teuerungsdruck aus.
Veröffentlichung
Die ersten Veröffentlichungen (unter anderem in Spanien, siehe unten) haben bereits stattgefunden. Die restlichen Daten werden morgen und übermorgen publiziert.
Belgien: 2,2% nach 2,6%
Spanien: 3,0% nach 3,2%
Portugal: 2,4% nach 2,1%
Frankreich: 0,7% nach 0,8% 06.01., 8.45 Uhr
Deutschland: 2,2% nach 2,6% (HVPI) 06.01., 14.00 Uhr, Länder: 10.00 Uhr
Niederlande: 2,5/2,6%, nach 2,6% 07.01., 6.30 Uhr
Italien: 1,2/1,3% nach 1,1% 07.01., 11.00 Uhr
Eurozone: 2,0% nach 2,1% 07.01., 11.00 Uhr
Länder-Besonderheiten
Belgien: Die belgische Teuerungsrate ist im Dezember überraschend deutlich gefallen. Details zum HVPI liegen noch nicht vor. Aus den CPI-Daten lässt sich jedoch schliessen, dass die Energiepreise einen massiven Disinflationsimpuls ausgelöst haben. Die Kerninflation dürfte dagegen nur leicht gefallen sein.
Spanien: Erwartungsgemäss ist die Headline-Rate in Spanien um zwei Zehntel von 3,2% auf 3,0% gefallen. Zu den Unterkomponenten des HVPI liegen noch keine Daten vor. Wie in der gesamten Eurozone ging der massgebliche Disinflationsdruck von den Energiepreisen aus. Bei der Kerninflationsrate (HVPI) rechnen wir mit einem Rückgang um ein Zehntel (von 3,0% auf 2,9%).
Frankreich: In Frankreich bestehen im Dezember gegenläufige Trends. Die Energiepreise sollten stärker als im Durchschnitt der Eurozone gefallen sein (unsere Prognose: -1,7%, MoM). Das liegt vor allem an den Kraftstoffpreisen (speziell Diesel: -4,0%). Aber auch die Gaspreise setzten ihren rückläufigen Trend fort (unsere Prognose: -0,4%, MoM). Demgegenüber stehen ungünstige Basiseffekte bei allen volatilen Komponenten der Kernreihe (Pauschalreisen, Hotels, Flugtickets). Wir gehen daher davon aus, dass die französische Kerninflationsrate von 1,2% auf knapp 1,4% ansteigt. Insgesamt dürfte aber der Effekt der Energiepreise dominieren und somit die Headline-Rate um ein Zehntel nach unten drücken.
Deutschland: Der voraussichtlich deutliche Rückgang der Teuerungsrate speist sich aus mehreren Quellen: Erstens lässt der Preisdruck bei Nahrungsmitteln weiter nach. Zweitens sind – im Einklang mit dem Trend in der Eurozone – die Kraftstoffpreise deutlich gefallen (um gut 2,0%), während sie im vergangenen Jahr gestiegen sind. Drittens hat die Deutsche Bahn die Fernverkehrspreise – anders als in den Vorjahren – nicht angehoben. Schliesslich dürfte viertens der (saisonübliche) Preisanstieg bei Pauschalreisen niedriger ausfallen als in den vergangenen Jahren. Letzteres trägt auch dazu bei, dass die deutsche Kerninflationsrate aller Voraussicht nach erkennbar zurückgeht (2,8% nach 3,0%).
Italien: In Italien haben die Kraftstoffpreise – im Unterschied zu Frankreich und Deutschland – zum Jahresende nur geringfügig nachgegeben (nur um ca. 0,3%). Ausserdem gibt es eine Reihe ungünstiger Basiseffekte, etwa bei Nahrungsmitteln und Beherbergungsdienstleistungen. In beiden Fällen waren die Preise Ende 2026 stärker rückläufig als üblich. In Anbetracht dessen dürfte die Headline-Rate in Italien moderat (von 1,1% auf 1,25%) und die Kerninflationsrate sogar recht kräftig (von 1,7% auf 2,0%) ansteigen.
Niederlande: Ähnlich wie in Italien rechnen wir auch in den Niederlanden mit einem Anstieg der Kerninflation. Hierfür ist vor allem ein ungünstiger Basiseffekt im Bereich Gesundheit verantwortlich. Die rückläufigen Energiepreise dürften aber dennoch dafür sorgen, dass die Headline-Rate leicht sinkt.
Von Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, Bantleon AG