Industrie mit Wiederbelebungssignal
Der Composite-Einkaufsmanagerindex der Eurozone verharrte laut erster Schätzung im Januar 2026 bei 51,5 Punkten. Wir und der Konsensus hatten dagegen mit einer leichten Verbesserung gerechnet (auf 52,0 bzw. 51,9 Punkten). Dass es dazu nicht kam, lag am Service-Index, der nach dem Höhenflug im Oktober/November den zweiten Rücksetzer nacheinander verbuchte, sich mit 51,9 Punkten (nach 52,4) aber weiterhin erkennbar über der Expansionsschwelle bewegt. Der Industrie-EMI beendete dagegen die Schwächephase von Ende 2025 und legte wieder von 48,8 auf 49,4 Punkte zu.
Erfreulich ist, dass sich die Geschäftserwartungen sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im Servicesektor weiter aufgehellt haben und damit auf eine Fortsetzung des übergeordneten Aufwärtstrends schließen lassen (vgl. nachfolgende Abbildung links). Für die EZB ein Warnsignal dürften dagegen die wieder anziehenden Preiskomponenten sein – sowohl die Input- als auch die Outputpreise legten im Januar zu (vgl. nachfolgende Abbildung rechts).

Auf Länderebene steht beim Composite-EMI eine deutliche Verbesserung in Deutschland (52,5 nach 51,3 Punkten) eine ebenso markante Verschlechterung in Frankreich gegenüber (48,6 nach 50,0 Punkten). Die Composite-EMIs aus Italien, Spanien und Irland dürften sich in der Summe kaum verändert haben. Die Ergebnisse werden hier erst mit der finalen Schätzung am 4. Februar publiziert.
Deutsches Fiskalpaket entfaltet zunehmend Wirkung
Obwohl der Composite-Index der Eurozone im Januar stagniert ist, bewerten wir die Ergebnisse der Umfrage eindeutig positiv. Erfreulich ist insbesondere, dass sich der Rückschlag in der Industrie von Ende 2025 nicht weiter vertieft hat. Vielmehr gibt es gerade in Deutschland erneute Anzeichen für eine Wiederbelebung im verarbeitenden Gewerbe (Industrie-Index: 48,7 nach 47,0 Punkten). Die Auftrags- und Outputkomponenten haben sich über die Expansionsschwelle zurückgekämpft. Gleichzeitig sind die Produktionserwartungen auf hohem Niveau verharrt (vgl. nachfolgende Abbildung). Dies spricht dafür, dass die Produktion in den nächsten Monaten den jüngsten Aufwärtstrend fortsetzt.

Noch optimistischer kann einen überdies der ungebrochene Höhenflug bei den Geschäftserwartungen im Dienstleistungssektor stimmen. Der Teilindex machte im Januar einen Satz nach oben (61,6 nach 53,2 Punkten) und dies obwohl der aktuelle Geschäftsgang bereits sehr positiv beurteilt wird (vgl. nachfolgende Abbildung links). Dies werten wir als klares Anzeichen für die zunehmende Diffusion des Fiskalpakets der Bundesregierung in der deutschen Wirtschaft. Unter anderem ist es offensichtlich bei den bau- und industrienahen Servicesektoren angekommen. Die aktuell dynamische Entwicklung bei den Verkaufspreisen (vgl. nachfolgende Abbildung rechts) kann mit einem lachenden und einem weinenden Auge gesehen werden. Es ist einerseits ein Hinweis auf steigenden Inflationsdruck. Andererseits gehen die Unternehmen offenbar davon aus, dass sie im gegenwärtigen Umfeld höhere Preise durchsetzen können, was ein weiterer Beleg für die anziehende Nachfrage ist.

Der Rückschlag im Service-Index der Eurozone ist im Januar auf das Ergebnis in Frankreich zurückzuführen (47,9 nach 50,1 Punkten), dessen Service-EMI indes notorisch volatil ausfällt. Darüber hinaus haben sich auch hier immerhin die Geschäftserwartungen erholt (vgl. nachfolgende Abbildung).

BIP-Wachstum der Eurozone dürfte weiter anziehen
Alles in allem ist es eine ermutigende Botschaft der Einkaufsmanagerumfrage, dass der deutsche Composite-EMI zu Jahresbeginn mit 52,5 Punkten ein robustes BIP-Wachstum signalisiert. Die deutsche Wirtschaft startet somit schwungvoll ins neue Jahr. Dies dürfte nicht zuletzt am Fiskalpaket der Bundesregierung liegen, welches immer mehr Wirkung entfaltet. Und hier stehen wir nach wie vor erst am Anfang. Die Programme für die Rüstungsindustrie und den Infrastruktursektor werden derzeit hochgefahren. In den nächsten Monaten sollten die Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe und im Servicesektor somit weiteren Rückenwind erfahren. Auch der weltweite KI-Boom dürfte in wachsendem Maße auf die deutsche und europäische Wirtschaft ausstrahlen. Diese positiven Effekten wiegen aus unserer Sicht schwerer als die nach wie vor verhaltene Dynamik in der Autoindustrie. Wir sind in Anbetracht dessen zuversichtlich, dass der Composite-EMI der Eurozone seinen übergeordneten Aufwärtstrend fortsetzt und sich im Laufe des 1. Halbjahr 2026 in Richtung 53,0 oder sogar 54,0 Punkten bewegt.
Von Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, Bantleon AG