Prognosewert
Dank eines sehr günstigen Basiseffekts bei den Energiepreisen setzt die Teuerungsrate der Eurozone zu Jahresbeginn ihren Abwärtstrend fort. Gemäß unserer ersten Schätzung dürfte die Headline-Rate von 1,9% auf 1,7% oder sogar 1,6% fallen. Unser Tracker liegt aktuell bei 1,66% (nach 1,94% im Dezember). Bei der Kerninflation erwarten wir ebenfalls einen Rückgang von 2,3% auf 2,2%. Unser Modell zeigt hier gegenwärtig 2,19% an (nach 2,29%).
Die Prognoseunsicherheit ist zu Jahresbeginn immer besonders hoch. Unter anderem treten zahlreiche administrative Preisanpassungen in Kraft und die Gewichte der Komponenten werden neu adjustiert. Außerdem werden 2026 erstmals Glücksspiele in den Warenkorb integriert (Gewicht immerhin gut 1,0%). Schließlich wird Bulgarien in den Index aufgenommen. Letzteres dürfte indes wegen des geringen Gewichts von Bulgarien an der Eurozone (weniger als 1,0%) kaum Spuren hinterlassen.
Volatile Komponenten
Im vergangenen Jahr sind im Januar in zahlreichen Euroländern die Strompreise nochmals kräftig angestiegen, z.B. Österreich: +45,4%, Spanien: +11,1%, Belgien: +8,8% oder Italien: +7,6%. Dies hat die Energiepreise Anfang 2025 um 3,0% angeschoben (im Monatsvergleich). Dieser Effekt fällt zu Jahresbeginn 2026 heraus, zumal die Strompreise sich zuletzt kaum noch bewegt haben. In unserer Prognose gehen wir davon aus, dass die Energiepreise im Januar 2026 um 0,7% angestiegen sind (versus wie gesagt +3,0% im Januar 2025). Die Jahresrate der Energiepreise dürfte daher in der Eurozone von -1,9% auf -4,1% fallen. Allein dies drückt die Teuerungsrate um mehr als zwei Zehntel nach unten. Dass es im Monatsvergleich überhaupt zu einem Anstieg der Energiepreise Anfang dieses Jahres kommt, liegt hauptsächlich an Deutschland. Die höhere CO2-Bepreisung führt hier dazu, dass die Kraftstoffpreise aller Voraussicht nach um mehr als 5,0% zulegen werden.
Bei Nahrungsmitteln gehen wir wegen eines ungünstigen Basiseffekts davon aus, dass die Jahresrate geringfügig ansteigt (2,6% nach 2,5% im Dezember). Zahlreiche Tabaksteuererhöhungen erzeugen weiterhin ebenfalls Inflationsdruck. Allerdings war dies bereits Anfang 2025 der Fall. Die Jahresrate für Alkohol und Tabak dürfte daher weitgehend konstant bleiben (2,7% bis 2,8% nach 2,7%).
Kerninflation
Dämpfend auf die Kerninflation wirkt im Januar zum einen die Senkung des Mehrwertsteuersatzes in der deutschen Gastronomie (von 19% auf 7%). Zum anderen gibt es eine Reihe günstiger Basiseffekte, etwa bei den Komponenten Gesundheit, Pauschalreisen und Kfz-Versicherungen. In diesen Bereichen rechnen wir jeweils mit kleineren Preisanstiegen bzw. deutlicheren Rückgängen (Pauschalreisen) als im Vorjahr. Alles zusammen sollte die Kerninflation um mindestens ein Zehntel nach unten drücken. Die Kerninflation hätte noch stärker fallen können, wenn es nicht auch ein paar administrative Preiserhöhungen zu Jahresbeginn gegeben hätte: Etwa die Verteuerung des Deutschlandtickets (von 58 auf 63 Euro) oder die Anhebung der Mehrwertsteuer für Hoteldienstleistungen in den Niederlanden (von 9% auf 21%).
Der Rückgang bei der Kerninflation betrifft vor allem die Servicedienstleistungen, deren Jahresrate von 3,4% auf 3,2% bis 3,3% fallen sollte. Die Jahresrate bei den Preisen für Industriegüter dürfte hingegen bei 0,4% verharren.
Ausblick
Zwischen Februar und Mai 2026 kehren sich die Basiseffekte bei den Energiepreisen um – sie sind mit anderen Worten ungünstig. Wenn der Ölpreis in den nächsten Monaten nicht deutlich fällt, dürfte die Teuerungsrate in der Eurozone daher wieder anziehen – nach unserer Prognose auf 1,9%. Die Kerninflationsrate sollte gleichzeitig leicht nachgeben. Hier rechnen wir in den nächsten Monaten mit 2,1% bis 2,2%. Im 2. Halbjahr 2026 wird der Preisdruck nach unserem Dafürhalten generell wieder zunehmen, weshalb wir davon ausgehen, dass die Teuerungsrate erneut über die 2,0%-Marke zurückkehrt.
Veröffentlichung
Die Veröffentlichungen beginnen mit Belgien am kommenden Donnerstag. Auch Spanien, Portugal und Deutschland berichten bereits in der nächsten Woche. Die Zahlen zur Eurozone sind hingegen erst übernächste Woche am Mittwoch, 4. Februar verfügbar.
Belgien: 1,2% nach 2,2% 29.01., 11.30 Uhr
Spanien: 2,3% nach 3,0% 30.01., 9.00 Uhr
Portugal: 2,1% nach 2,4% 30.01., 12.00 Uhr
Deutschland: 2,1% nach 2,0% (HVPI) 30.01., 14.00 Uhr, Länder: 10.00 Uhr
Frankreich: 0,6% nach 0,7% 03.02., 8.45 Uhr
Niederlande: 2,6% nach 2,5% 04.02., 6.30 Uhr
Italien: 0,85% nach 1,25% 04.02., 11.00 Uhr
Eurozone: 1,7% nach 1,9% 04.02., 11.00 Uhr
Länder-Besonderheiten
Belgien: Das Land weist im Januar eine ganze Reihe sehr günstiger Basiseffekte auf (unter anderem bei den Komponenten Hausrat, Freizeit und Nahrungsmittel). Außerdem sind die Gaspreise (im Gegensatz zum Vorjahr) deutlich gefallen. Die Teuerungsrate sollte sich daher nahezu halbieren.
Spanien: Ähnlich wie in Italien oder Belgien haben sich in Spanien die Verhältnisse bei den Energiepreisen im Vergleich zum Vorjahr umgekehrt. Während die Kraftstoff-, Gas- und Strompreise Anfang 2025 kräftig angestiegen sind, haben sie sich Anfang 2026 verbilligt (lediglich Strom dürfte leicht teurer geworden sein). Dies allein drückt die Teuerungsrate um sieben Zehntel nach unten. Auch die Kerninflationsrate sollte leicht zurückgehen (2,8% nach 2,9%) – insbesondere wegen eines günstigen Basiseffekts bei den Restaurantpreisen.
Frankreich: Ungünstige Basiseffekte bei Pauschalreisen und Hotelpreisen dürften dafür sorgen, dass die Kerninflationsrate leicht ansteigt. Die günstigere Entwicklung bei den Gaspreisen als im Vorjahr sollte aber im Endeffekt den Ausschlag geben, dass die Teuerungsrate geringfügig fällt.
Deutschland: In Deutschland ist zu Jahresbeginn eine Reihe von staatlichen Maßnahmen in Kraft getreten, die gegenläufige Effekte auf die Inflation ausüben. Preisdämpfend wirken die Abschaffung der Gaspreisumlage, die Senkung bei den Strom-Netzentgelten sowie die Reduzierung des MwSt.-Satzes in der Gastronomie. Inflationstreibend wirken dagegen die Erhöhung der CO2-Preise (kräftiger Anstieg bei den Kraftstoffpreisen), die Verteuerung des Deutschland-Tickets von 58 auf 63 Euro sowie die erneute Tabaksteuererhöhung. Hinzu kommt ein ungünstiger Basiseffekt bei den Nahrungsmitteln. Insgesamt überwiegen aus unserer Sicht die preistreibenden Effekte, weshalb wir von einem leichten Anstieg der Teuerungsrate ausgehen. Die Kerninflationrate sollte derweil von 2,5% auf 2,3% fallen.
Italien: Italien weist im Januar einen extrem günstigen Basiseffekt bei den Energiepreisen auf. Sie haben im Januar 2025 um 3,4% zugelegt (MoM). Im laufenden Jahr dürften sie im rund 1,0% fallen. Dies drückt die Teuerungsrate um vier Zehntel nach unten. Bei der Kerninflationsrate wird sich dagegen nicht viel tun. Sie sollt bei 1,8% verharren.
Niederlande: Einige administrative Preiserhöhungen (höhere CO2-Bepreisung, höhere Zugtickets und Anhebung der MwSt. auf Hotelpreise) wirken zu Jahresbeginn inflationstreibend. Trotz sinkender Gas- und Strompreise dürfte die Teuerungsrate daher – entgegen dem Trend in der Eurozone – leicht ansteigen.
Von Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, Bantleon AG