Arbeitsmarktrisiken haben abgenommen
Nach drei Leitzinssenkungen in Folge hat die US-Notenbank erwartungsgemäß im Rahmen der aktuellen Notenbanksitzung eine Zinspause eingelegt. Die Währungshüter beließen den Zielkorridor für die Fed-Funds-Rate mithin bei 3,50% bis 3,75%. Wenig überraschend plädierte Trump-Jünger Stephen Miran für eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte. Ihm zur Seite sprang dieses Mal Fed-Governeur Christopher Waller. Im Rahmen der Pressekonferenz zur Erläuterung des geldpolitischen Entscheids machte Notenbankpräsident Jerome Powell indes klar, dass das Votum für eine Zinspause breite Unterstützung innerhalb des Offenmarktausschusses gefunden hat.
Begründet wurde das vorläufige Ende der geldpolitischen Lockerungen mit den abnehmenden Risiken am Arbeitsmarkt. So heißt es im Fed-Statement, dass die Arbeitslosenquote »Anzeichen für eine Stabilisierung« aufweise. Außerdem wurde die Passage gestrichen, wonach die Abwärtsrisiken für die Beschäftigung in den vergangenen Monaten gestiegen seien. In der Pressekonferenz wies Powell überdies darauf hin, dass sich der Wirtschaftsausblick klar verbessert habe und sich im Einklang damit auch die Beschäftigungsperspektiven aufgehellt haben. Unter Umständen stünde man am Beginn wieder rückläufiger Arbeitslosenquoten.
Das Tor zu Leitzinssenkung bleibt noch offen
Angesichts dieser Lagebeschreibung liegt die Frage auf der Hand, ob sich die Fed überhaupt noch im Zinssenkungsmodus befindet. Powell antwortete darauf ausweichend und deutete zumindest eine längere Phase des Abwartens an. So führte er aus, dass die US-Notenbank bereits eine lange Wegstrecke zurückgelegt und den Leitzins seit Ende 2024 um insgesamt 175 Basispunkte gesenkt habe. Die Geldpolitik befinde sich daher mittlerweile am oberen Rand einer neutralen Ausrichtung. Da nunmehr sowohl die Aufwärtsrisiken bei der Inflation als auch die Abwärtsrisiken am Arbeitsmarkt abgenommen hätten, seien die Währungshüter in einer guten Position, um erst einmal stillzuhalten. Der Handlungsdruck hat eindeutig abgenommen.
Ganz schließen wollte Powell das Tor zu weiteren Zinssenkungen aber auch nicht, nur der Zeitpunkt für den nächsten Schritt hat sich unter Umständen nach hinten verschoben. So machte der Fed-Präsident klar, dass noch niemand im Offenmarktausschuss Zinserhöhungen auf der Agenda habe. Außerdem nannte er Gründe, die weitere Leitzinssenkungen rechtfertigen würden. Diese seien ein schneller als erwarteter Inflationsrückgang oder ein erneuter Rückschlag am Arbeitsmarkt.
Aus Sicht von Powell kommt der nächste Impuls für Zinssenkungen wohl eher von der Inflationsseite. Hier gab er sich weiter sehr zuversichtlich. Zur Jahresmitte könnte der zollbedingte Inflationsschub überwunden sein und in der Folge die Teuerungsrate deutlich sinken. Insgesamt sei aber der weitere Leitzinspfad mit größter Unsicherheit behaftet und auch eine lange Zinspause denkbar.
Argumente für geldpolitische Lockerungen schwinden
Die aktuelle Lagebeurteilung der Fed ist nahezu deckungsgleich mit unserer Einschätzung. Das makroökonomische Umfeld hat sich zuletzt spürbar aufgehellt. Das US-Wachstum dürfte im 2. Halbjahr 2025 trotz Government Shutdown bei über 3,0% gelegen haben. Bleibt das Expansionstempo im 1. Halbjahr 2026 dynamisch, wovon wir angesichts der anhaltenden Investitionsbelebung ausgehen, dürfte parallel dazu die Beschäftigungsnachfrage anziehen. Fraglos werden Produktivitätseffekte aus den KI-Investitionen den Aufwärtstrend bei der Beschäftigung dämpfen, ganz zum Erliegen dürfte er aber nicht kommen. Dazu müsste das Wachstum der Arbeitsproduktivität auf über 3,0% springen.
Alles in allem sollten die Argumente für geldpolitische Lockerungen in den nächsten Monaten weiter abnehmen, zumal wir im 2. Halbjahr 2026 auch wieder von konjunkturbedingt steigendem Inflationsdruck ausgehen. In Anbetracht dessen bleibt unser Basisszenario für die Leitzinsen der Fed im Jahr 2026 unverändert: Die US-Währungshüter dürften am aktuellen Leitzinskorridor festhalten bzw. zur Jahresmitte noch maximal eine Zinssenkung um 25 Basispunkte vornehmen. Der Konsensus rechnet unterdessen unverändert mit zwei geldpolitischen Lockerungen à 25 Basispunkten. Auch wir sehen das Risiko, dass der Offenmarktausschuss am Ende doch dem politischen Druck nachgibt und die Leitzinsen aggressiver nach unten führt. Diesem Szenario räumen wir aber angesichts der Mehrheitsverhältnisse – die Trump-Jünger im FOMC sind klar in der Minderheit – weiterhin nur eine Außenseiterchance ein.
Von Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, Bantleon AG