Markttechnische Analyse: Staatsanleihenrenditen dürften weiter steigen

Staatsanleihen sind mit Rückenwind ins neue Jahr gestartet, doch politische Impulse und strukturelle Zweifel schaffen Gegenwind: Turbulenzen aus Japan, anhaltend hohe Short-Positionierungen sowie wachsende Sorgen um die fiskalische Disziplin großer Volkswirtschaften haben die Renditen am langen Ende spürbar nach oben getrieben. Gleichzeitig signalisiert die sinkende Volatilität, dass die Finanzmarktteilnehmer die jüngsten Verwerfungen bislang nicht als dauerhaft einstufen. Vor dem Hintergrund steiler werdender Zinskurven rückt der Roll-down-Effekt stärker in den Fokus und lässt Staatsanleihen als Ertragsalternative zu Dividendenaktien erscheinen. Charttechnisch bleibt das Umfeld für US-Treasuries und deutsche Bundesanleihen jedoch vorerst angespannt. Auch die Konjunkturentwicklung spricht eher für weiter steigende Anleihenrenditen. Diese Gemengelage legt eine vorsichtige Positionierung in mittleren und langen Laufzeiten nahe. BANTLEON | 04.02.2026 12:45 Uhr
Marcio Costa, Senior Portfolio Manager, BANTLEON / © e-fundresearch.com / BANTLEON
Marcio Costa, Senior Portfolio Manager, BANTLEON / © e-fundresearch.com / BANTLEON

Staatsanleihen haben einen positiven Jahresauftakt verzeichnet. Erste Turbulenzen löste jedoch Japans Premierministerin Sanae Takaichi aus. Mit ihrem politischen Kurs einer Ausweitung des Haushaltsdefizits versetzte sie die Anleihenmärkte in Unruhe. Die Renditen lang laufender japanischer Staatsanleihen stiegen zeitweise um rund 30 Basispunkte und zogen auch die Renditen lang laufender deutscher Bundesanleihen sowie von US-Treasuries mit nach oben. Aus heutiger Sicht spricht wenig dafür, dass Japan zum dauerhaften Belastungsfaktor wird. Zum einen ist die Volatilität am Anleihenmarkt – gemessen am MOVE-Index – seither sogar gesunken, was darauf hindeutet, dass die Marktteilnehmer die Ereignisse nicht als nachhaltig ansehen. Zum anderen mehren sich Spekulationen, dass die BoJ bei einer Zuspitzung zunächst über flexible Marktoperationen dämpfend eingreifen könnte. Eine Rückkehr zu einer expliziten Kurvensteuerung (Yield Curve Control) gilt am Anleihenmarkt derzeit jedoch eher als unwahrscheinlich.

Short-Positionen auf historischen Höchstständen

Die Anleihenvolatilität nähert sich gemessen am MOVE-Index erstmals wieder den Niveaus aus dem Jahr 2021 – also der Zeit, bevor der kräftige Zinsanstieg die Anleihenmärkte durchrüttelte. An der Positionierung der Marktteilnehmer zeichnet sich jedoch noch keine erhöhte Nachfrage ab. So liegen die Short-Positionen gemäß CFTC-Daten in 2- und 10-jährigen US-Treasuries mit 75% und 70% der ausstehenden Kontrakte weiterhin auf historischen Höchstständen. Auf Long-Positionen entfällt entsprechend nur ein Anteil von 25% und 30%. Die starke Nachfrage nach Sachwerten, allen voran Gold und Silber, belastet den Anleihenmarkt zusätzlich. Es ist davon auszugehen, dass Staatsanleihen erst wieder an Popularität gewinnen, wenn die Preisdynamik bei Edelmetallen anhaltend nachlässt.

Ein weiterer wesentlicher Treiber steigender Renditen ist die zunehmende Skepsis gegenüber US-Treasuries – beispielhaft erkennbar an der Entscheidung des dänischen Pensionsfonds AkademikerPension, die Bestände in US-Staatsanleihen zu veräußern. Gleichzeitig nimmt die Sorge vor mangelnder Budgetdisziplin und weiter steigenden Schuldenständen vielerorts zu, was die Renditen am langen Ende der Zinskurve zusätzlich steigen lässt. Frankreich etwa hat den Haushalt 2026 nur mithilfe des Notparagrafen 49.3 durch das Parlament gebracht. Trotz dieses Kraftakts steht weiterhin ein Defizit von über 5% im Raum. Die Renditen 30-jähriger deutscher Bundesanleihen sind im Jahr 2025 um 88 Basispunkte gestiegen, während die Renditen 5-jähriger Bundesanleihen nur einen Anstieg von 29 Basispunkten verzeichneten. Es ist davon auszugehen, dass die Zinskurven ihren Versteilerungstrend fortsetzen.

Laufender Ertrag auf Niveau der Dividendenrenditen

Ein Nebeneffekt steiler werdender Zinskurven ist die zunehmende Relevanz des Roll-down-Effekts. Dieser tritt ein, wenn sich die Restlaufzeit von Anleihen im Zeitverlauf verkürzt und ihre Rendite durch die positive Kurvensteilheit fällt. In einem Umfeld unveränderter Zinskurven ermöglicht dies einen Ertrag oberhalb der Rendite auf Endfälligkeit. Im Fall einer 5-jährigen italienischen Staatsanleihe mit einer aktuellen Rendite von 2,80% würde sich die Rendite unter der Annahme einer unveränderten Zinskurve innerhalb eines Jahres um 0,22%-Punkte auf 2,58% reduzieren, was bei einer durchschnittlichen Duration von 4,5 Jahren einem zusätzlichen (Roll-down-)Ertrag von 0,99% entspricht. Die Ertragserwartung für ein Jahr läge damit bei 3,79%. Vergleicht man dies mit der Dividendenrendite des Eurostoxx, der die rund 300 liquidesten Titel der Eurozone umfasst, (2,9%) oder des Dow Jones Select Dividend Index (3,7%), wird deutlich, dass der laufende Ertrag von Anleihen mit der Dividendenrendite von Aktien konkurrieren kann.  

Verkaufssignal für US-Treasuries

Das charttechnische Bild ist sowohl für 10-jährige US-Treasuries als auch für deutsche Bundesanleihen negativ. Bei US-Tresauries liefern der MACD-Indikator sowie der exponentielle Moving Average und diverse kurz laufende gleitende Durchschnitte ein Verkaufssignal. Darüber hinaus haben die 10-jährigen Treasury-Renditen mit dem Anstieg auf 4,30% ihre seit September anhaltende Seitwärtsrange nach oben verlassen und dabei die 200-Tage-Linie nach oben durchbrochen. Kurzfristig ist damit zu rechnen, dass die Renditen ein weiteres Mal die Marke von 4,30% testen. Nach dem Überschreiten würden die Renditen Kurs auf die zyklischen Hochs bei 4,40% und anschließend 4,50% nehmen, wo sie auf einen starken Widerstand treffen. Wird die Marke von 4,20% nachhaltig unterschritten, so wäre die jüngste Bewegung als Fehlausbruch zu werten und die Renditen würden sich weiterhin zwischen 4,00% und 4,20% einpendeln.

Renditen deutscher Bundesanleihen im Aufwärtstrend

Bei 10-jährigen deutschen Bundesanleihen zeigt sich ein ähnliches charttechnisches Bild. Zusätzlich zu den genannten Indikatoren liefern die Bollinger-Bänder ein negatives Signal. Die zyklischen Hochs vom Sommer 2025 wurden Anfang Dezember überschritten, wobei die Renditen nun die kritische Marke von 2,90% (Hoch vom März 2025) testen. Nach der Überschreitung wäre das Hoch vom September 2023 bei 3,00% eine starke Widerstandsmarke. Auf einem Niveau über 3,00% lägen die Renditen für 10-jährige Bundesanleihen erstmals seit 2011 wieder oberhalb von 3,00% und würden mittelfristig Kurs auf die 3,50%-Marke (Hoch vom April 2011) nehmen. Im Fall einer Unterschreitung der Marke von 2,80% wäre auf dem Niveau der 200-Tage-Linie bei 2,70% mit der nächsten Unterstützungsmarke zu rechnen. Damit ist das charttechnische Bild für US-Treasuries und Bunds negativ zu werten.

Von Marcio Costa, Senior Portfolio Manager bei BANTLEON

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen. Das NewsCenter ist eine kostenpflichtige Sonderwerbeform der e-fundresearch.com AG für Asset Management Unternehmen. Copyright und ausschließliche inhaltliche Verantwortung liegt beim Asset Management Unternehmen als Nutzer der NewsCenter Sonderwerbeform. Alle NewsCenter Meldungen stellen Presseinformationen oder Marketingmitteilungen dar.

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Regelmäßige Updates über die wichtigsten Markt- und Branchenentwicklungen mit starkem Fokus auf die Fondsbranche der DACH-Region.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.