Das Statistische Bundesamt vermeldete heute nicht nur das vierte Auftragsplus im verarbeitenden Gewerbe nacheinander – mit +7,8% (im Vormonatsvergleich) übertraf der Zuwachs alle Erwartungen, zumal die Orders bereits im November um 5,7% zugelegt hatten. Sieht man von der Pandemiezeit ab – und damit dem Reloading nach dem Lockdown – handelt es sich mit +13,9% um den größten Auftragsschub innerhalb von zwei Monaten im wiedervereinigten Deutschland (vgl. nachfolgende Abbildung). In Anbetracht dessen überrascht es nicht, dass das Ergebnis auch die Konsensusschätzung meilenweit übertroffen hat (Konsensus: -2,2%, Bantleon: +0,5%). In Normalzeiten folgt mithin auf ein Plus von annähernd 6% eine deutliche Gegenbewegung.

Auftragsflut auf viele Sektoren verteilt
Diese Gegenbewegung trat auch ein – im »Sonstigen Fahrzeugbau« (-18,7% nach +16,7% im November bzw. +86,6% im Oktober), der unter anderem Panzerfahrzeuge umfasst. Und das ist das Erfreuliche am Dezemberergebnis: Der Auftragsschub konzentriert sich nicht nur auf einen Sektor. Vielmehr verbleibt zum einen auch ohne Großaufträge ein Orderanstieg (+0,9% nach +0,7%). Selbst diese Kernreihe weist mittlerweile ein neues zyklisches Hoch auf (vgl. vorangehende Abbildung). Zum anderen verteilen sich die Großaufträge auf mehrere Sektoren: An vorderster Stelle ist die Metallherstellung (+30,2%), der Maschinenbau (+11,5%) und die elektrotechnische Industrie (+9,8%) zu nennen (vgl. nachfolgende Abbildungen). Daneben setzt sich aber auch der Aufwärtstrend bei den Informations- und Kommunikationstechnologien fort (+5,7% nach +10,1%) und selbst die schwer gebeutelte Chemieindustrie zeigt erste Lebenszeichen (+4,7% nach +0,3%). Einzig der traditionelle Fahrzeugbau schwächelt (-6,3% nach +0,3%).

Deutsches Fiskalpaket kommt zunehmend zum Tragen
Der entscheidende Impuls für die Auftragsflut geht zweifelsohne von der Wiederaufrüstung der Bundeswehr aus (vgl. nachfolgende Abbildung). Der Bundestag hat im Dezember dafür weitere Aufträge in Höhe von 50 Mrd. Euro freigegeben. Dies unterstreicht nochmals, dass die Aufhebung der Haushaltsperre im Oktober 2025 der Startschuss für die Entfesselung des deutschen Fiskalpakets war. In den nächsten Monaten dürften somit auch noch vermehrt Auftragseingänge für den Sektor Infrastruktur hinzukommen. Die Gelder aus dem Sondervermögen fließen hier ebenfalls erst seit kurzem ab. Die Pipeline ist mithin von allen Seiten prall gefüllt. Hinzu kommt der globale KI-Boom, der zunehmend auch in Deutschland positive Effekte erzeugt, wie der Orderschub im IKT-Sektor zeigt.

Deutsches BIP-Wachstum wird 2026 positiv überraschen
Die Vielzahl an Aufträgen im verarbeitenden Gewerbe wird sich auch in der Industrieproduktion niederschlagen. Der Effekt verteilt sich indes – stärker als in Normalzeiten – auf mehrere Monate. So deutet sich etwa im Dezember nur wenig Bewegung in der Produktion an (ist zum Teil auch ein Feiertagseffekt). Im laufenden Quartal sollte sich dies jedoch ändern. Die Unternehmen im Maschinenbau sowie der Rüstungs-, Metall- und Elektroindustrie dürften ihre Produktion kräftig nach oben fahren. Das wird sich parallel in einer weiteren Beschleunigung des BIP-Wachstums niederschlagen. Treibender Faktor bleiben dabei die Investitionen. Die oben genannten Branchen gehören alle dem Kapitalgütersektor an, dessen Auftragseingänge aus dem Inland ein Frühindikator für die Investitionstätigkeit sind. Dieser Indikator war selten zuvor so steil nach oben gerichtet (vgl. nachfolgende Abbildung).

Wir sehen uns daher auch in der Prognose bestätigt, dass das deutsche BIP-Wachstum im 1. Halbjahr 2026 einen weiteren Satz nach oben machen wird. Das moderate Plus im 4. Quartal 2025 (+0,3% im Vergleich zum Vorquartal) war mithin erst der Auftakt für eine breit angelegte Belebung. Damit ist zugleich die Basis für positive Überraschungen in den nächsten Monaten gelegt, denn viele Forschungsinstitute und der Konsensus haben ihre Skepsis bis zuletzt nicht abgelegt und trauten der deutschen Wirtschaft Zuwachsraten von bestenfalls +0,3% (pro Quartal) zu. Wir rechnen stattdessen mit +0,5% bis +0,6%.
Von Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, Bantleon AG