BANTLEON Stratege Dr. Preißler: Fed bestätigt Pause - Statement mit hawkishem Schliff

Die US-Notenbank belässt den Leitzins unverändert, doch das ungewöhnlich gespaltene Voting und der schärfere Wortlaut des Statements sorgen für Aufmerksamkeit. Warum die Fed zunehmend falkenhaft wirkt und was das für den weiteren Zinsausblick in den USA bedeutet. BANTLEON | 30.04.2026 08:59 Uhr
Dr. Harald Preißler, Kapitalmarktstratege, BANTLEON / © e-fundresearch.com / BANTLEON
Dr. Harald Preißler, Kapitalmarktstratege, BANTLEON / © e-fundresearch.com / BANTLEON

Erwartungsgemäß hat die US-Notenbank den Zielkorridor für die Fed-Funds-Rate bei 3,50% bis 3,75% belassen. Es ist die dritte Pause in Folge, nachdem die Fed Ende vergangenen Jahres in drei Schritten um 75 Basispunkte gelockert hatte. Spektakulär war diesmal allerdings nicht die Zinsentscheidung, sondern das Voting: Gleich vier Mitglieder stimmten gegen den Beschluss – eine derartige Spaltung des Offenmarktausschusses gab es zuletzt im Oktober 1992. Stephen Miran plädierte – wenig überraschend – erneut für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte. Bemerkenswerter waren jedoch die drei falkenhaften Dissens-Stimmen von Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan: Sie stützten zwar die Pause, lehnten aber die Beibehaltung des »Easing Bias« im Statement ab.

Wortlaut des Statements verschärft

Die textlichen Anpassungen unterstreichen den hawkishen Unterton. Aus der Inflation, die im März-Statement noch »etwas erhöht« war, wird nun lapidar »ist erhöht«, was zumindest teilweise dem jüngsten Energiepreisanstieg geschuldet ist. Auch die Beschreibung der geopolitischen Risiken hat eine deutlichere Note erhalten: Statt einer allgemein erhöhten Unsicherheit heißt es jetzt, »die Entwicklung im Mittleren Osten verschärfen die Unsicherheit über den Makroausblick. Die Konjunktureinschätzung wurde hingegen nur kosmetisch angepasst – die Notenbanker sehen die US-Wirtschaft weiter »solide« expandieren, bei einem insgesamt schwachen Beschäftigungswachstum.

Powell: »in einer guten Position zu warten«

In der Pressekonferenz bezeichnete Jerome Powell die aktuelle geldpolitische Ausrichtung als »am oberen Rand der neutralen Zone«. »Vielleicht ist ein wenig Restriktion genau das richtige Maß«, schob er hinterher. Die Fed befinde sich in einer sehr guten Position um abzuwarten, weil sich Aufwärtsrisiken bei der Inflation und nachlassende Arbeitsmarktdynamik in etwa die Waage hielten. Den jüngsten Energiepreisschub – Brent ist seit Beginn des US-/Israel-Iran-Konflikts Ende Februar um rund 50% gestiegen – werte die Notenbank nicht zu hoch; man wolle aber auch nicht blind »hindurchschauen«, solange die Folgen für die Inflationserwartungen unklar seien. Bei den Zolleffekten zeigte sich Powell weiter zuversichtlich, dass diese in den nächsten zwei Quartalen abklingen. Eine ungewöhnlich offene Passage betraf die Forward Guidance: Die Diskussion über das Streichen des »Easing Bias« sei diesmal »deutlich knapper ausgegangen als im März«, der Kreis derjenigen, die eine sprachliche Änderung wollten, sei gewachsen. »Es ist denkbar, dass sich die Guidance schon bei der nächsten Sitzung ändert«, so Powell. Eine Anhebung der Zinsen stehe indes für niemanden im FOMC zur Debatte – aber das Tor zu weiteren Zinssenkungen wird hörbar zugezogen.

Powells Abschied – Warsh tritt in ein unbequemes Erbe ein

Powells Mandat als Chair endet am 15. Mai; im Board of Governors will er aber »vorerst« bleiben, bis sicher feststeht, dass das eingestellte Ermittlungsverfahren des Justizministeriums definitiv abgeschlossen ist. Er werde dort jedoch nicht als Schattenpräsident in Erscheinung treten. Am Vormittag hatte der Bankenausschuss des Senats den Trump-Kandidaten Kevin Warsh mit 13:11 Stimmen entlang der Parteilinien an die volle Senatsabstimmung weitergereicht; diese ist für die Woche ab dem 11. Mai vorgesehen. Der hawkishe Dreier-Block aus Hammack, Kashkari und Logan macht es Warsh allerdings nicht leicht, das Gremium auf einen abrupten Lockerungskurs zu zwingen. Wer offen gegen den »Easing Bias« stimmt, dürfte einer Trump-konformen, proaktiven Zinssenkung erst recht nicht zustimmen.

Fazit

Die Sitzung fällt insgesamt falkenhaft aus. Die schärfere Sprache zur Inflation, das ausgewogene Risikoprofil und drei Dissenter, die offenkundig sogar bereit wären, die Tür für Zinssenkungen ganz zu schließen, zeigen, dass das Pendel im FOMC weiter Richtung Inflationsbekämpfung schwingt. Damit deckt sich die Fed-Position weitgehend mit unserer eigenen Einschätzung: Mit einer Kerninflation klar oberhalb von 3% und einem Arbeitsmarkt, der sich nach +178.000 Stellen im März trotz aller Skepsis als robuster erweist als gedacht, ist der Spielraum für Zinssenkungen weitgehend aufgebraucht. Brisanter ist eine zweite Lesart: Mindestens drei stimmberechtigte FOMC-Mitglieder scheinen offen dafür zu sein, dass die nächste Bewegung des Leitzinses nach oben geht. Die Geldterminmärkte haben dieses Risiko bereits eingepreist – die Wahrscheinlichkeit für eine Zinsanhebung um 25 Basispunkte bis April 2027 stieg unmittelbar nach der Entscheidung von 20% auf 50%. Wir halten es zwar weiterhin für wahrscheinlicher, dass die Fed in den kommenden Quartalen schlicht stillhält. Sollte sich der Inflationsdruck jedoch verfestigen, gewinnt das Hike-Szenario rasch an Zugkraft – auch wenn ein neuer Vorsitzender Warsh dem Lockerungslager mehr Gewicht verleihen sollte.

Von Dr. Harald Preißler, Kapitalmarktstratege bei BANTLEON

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