Stellenplus übertrifft alle Erwartungen
Das Bureau of Labor Statistics lieferte einmal mehr mit dem US-Arbeitsmarktbericht einen Paukenschlag. Die Mai-Zahlen sind in ihrer Dimension wohl eine noch größere positive Überraschung als die März-Daten. Mit 172.000 (nach 179.000 im April) übertraf das Stellenplus im vergangenen Monat nicht nur alle Erwartungen (Konsensus: 88.000, Bantleon 65.000, höchste Schätzung: 125.000), darüber hinaus wurden auch noch die beiden Vormonate um 93.000 nach oben korrigiert. Im März liegt das Beschäftigungsplus jetzt bei 214.000! Der weniger schwankungsanfällige 3-Monats-Durchschnitt sprang mit den jüngsten Zahlen von knapp 80.000 auf 188.000 (2-Jahres-Hoch, vgl. nachfolgende Abbildung). Von Arbeitsmarktschwäche ist nunmehr wirklich nichts mehr zu sehen. Vielmehr zeigt sich in den Beschäftigungsdaten eine dynamische Wiederbelebung.

Die Arbeitslosenquote verharrte unterdessen bei 4,3% (genauer: 4,30% nach 4,34%). Obwohl dies nach Stagnation aussieht, lässt sich auch daraus keinerlei Schwäche ableiten. Vielmehr befindet sich der Wert schon auf vergleichsweise tiefem Niveau, worin sich die geringe Entlassungsbereitschaft der Unternehmen widerspiegelt. Der Hochpunkt dürfte (November 2025: 4,5%) jedenfalls auch hier durchschritten sein. Die übrigen Daten des Berichts zum Wachstum der Stundenlöhne (+0,3%, MoM) und der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit (34,3 h) waren unauffällig und entsprachen den Erwartungen.
Sonderfaktoren haben nicht gebremst
Eine der größten positiven Überraschungen beim Stellensaldo war das deutliche Beschäftigungsplus im Staatssektor (+55.000), der damit erstmals seit über einem Jahr wieder in nennenswertem Umfang Personalaufbau betrieb. Dies war vor allem auf die Lokalregierungen zurückzuführen. Daneben kam es im Sektor Freizeit und Gastronomie mit +70.000 zu einem regelrechten Beschäftigungsschub. Auch das Plus im Bausektor (+17.000) überraschte, während der Gesundheitssektor mit +35.000 in gewohnter Manier ein Aktivposten war.
Die erfreuliche Entwicklung im Bereich Gastronomie, Freizeit und Bau deutet darauf hin, dass der Wettereffekt – anders als von uns erwartet – im Mai nicht negativ zu Buche geschlagen hat. Im März/April waren die Temperaturverhältnisse außerordentlich günstig gewesen, was sich entsprechend positiv auf die wettersensiblen Sektoren auswirkte. Im verhältnismäßig kühlen Mai blieb nunmehr die erwartete Gegenbewegung aus (vgl. nachfolgende Abbildung). Allen voran in der Gastronomie wurden stattdessen erneut kräftig Mitarbeiter eingestellt. Dies spricht dafür, dass sich – unabhängig von den äußeren Bedingungen – die wirtschaftlichen Verhältnisse in den USA zusehends stabilisieren und die Unsicherheit abnimmt. Allerdings hat der Beschäftigungsboom noch nicht alle Sektoren erfasst. Während sich die Industrie mit Einstellungen zurückhält (+7.000 im Mai), wird bei Banken (-22.000) und im Tech-Sektor (-2.000) immer noch Personal entlassen.

Dass die Arbeitsmarktschwäche vom vergangenen Herbst zusehends überwunden ist und die Einstellungsbereitschaft steigt, haben im Vorfeld des BLS-Berichts noch andere Datenquellen nahegelegt. So vermeldete ADP, das seine Zahlen aus Lohnabrechnungen bezieht, erstmals seit über einem Jahr wieder ein Stellenplus in der Privatwirtschaft von über 100.000. Einen ähnlichen Beschäftigungszuwachs (124.000) gab Revelio Labs für die USA bekannt, das seine Informationen aus Online-Daten bezieht. Auch hier handelt es sich um den höchsten Wert seit Mitte 2024 (vgl. nachfolgende Abbildung).

US-Arbeitsmarkt im Aufwind
Im jüngsten Arbeitsmarktbericht lässt sich so gut wie kein Haar in der Suppe finden. Der Stellensaldo hat zum dritten Mal in Folge positiv überrascht. Die anziehende Dynamik ist unübersehbar. Selbst vom kühleren Wetter haben sich die Unternehmen nicht von zusätzlichen Einstellungen abbringen lassen. Die Verbesserung am Arbeitsmarkt korrespondiert mit den übrigen Konjunkturdaten der USA. Sieht man von den Verbraucherumfragen ab, haben nahezu alle wichtigen Indikatoren (ISM-Einkaufsmanagerindikatoren, regionale Geschäftsklimaindikatoren, Einzelhandelsumsätze, Auftragseingänge der Industrie) zuletzt positiv überrascht. Und kurzfristig ist kein Ende des Aufwärtstrends – ungeachtet des Nahostkonflikts – in Sicht. Vielmehr sollte sich vor allem die Investitionsbelebung weiter fortsetzen und positiv auf die Arbeitsmarktentwicklung ausstrahlen (vgl. nachfolgende Abbildung).

Die US-Notenbank kann dieses erfreuliche Umfeld nicht ignorieren. Statt der vermeintlichen Arbeitsmarktschwäche dürften zusehends die Inflationsgefahren in den Fokus rücken. Als Erstes werden die Notenbanker den noch bestehenden Bias zu Leitzinssenkungen beseitigen. Das dürfte mittlerweile aber nicht mehr ausreichen. Der Bias dürfte sich stattdessen in Richtung Leitzinserhöhungen drehen. Die von Donald Trump gewünschten Leitzinssenkungen rücken somit in immer weitere Ferne.
Von Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, Bantleon AG
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