BANTLEON Chefvolkswirt: US-Arbeitsmarkt läuft wieder auf Hochtouren

Der US-Arbeitsmarkt zeigt neue Stärke: Das Stellenplus im Mai fiel deutlich höher aus als erwartet, auch die Vormonate wurden nach oben korrigiert. Laut Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt bei Bantleon AG, rücken damit mögliche Leitzinssenkungen der Fed in weitere Ferne. BANTLEON | 08.06.2026 09:26 Uhr
Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, Bantleon AG / © e-fundresearch.com / BANTLEON
Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, Bantleon AG / © e-fundresearch.com / BANTLEON

Stellenplus übertrifft alle Erwartungen

Das Bureau of Labor Statistics lieferte einmal mehr mit dem US-Arbeitsmarktbericht einen Paukenschlag. Die Mai-Zahlen sind in ihrer Dimension wohl eine noch größere positive Überraschung als die März-Daten. Mit 172.000 (nach 179.000 im April) übertraf das Stellenplus im vergangenen Monat nicht nur alle Erwartungen (Konsensus: 88.000, Bantleon 65.000, höchste Schätzung: 125.000), darüber hinaus wurden auch noch die beiden Vormonate um 93.000 nach oben korrigiert. Im März liegt das Beschäftigungsplus jetzt bei 214.000! Der weniger schwankungsanfällige 3-Monats-Durchschnitt sprang mit den jüngsten Zahlen von knapp 80.000 auf 188.000 (2-Jahres-Hoch, vgl. nachfolgende Abbildung). Von Arbeitsmarktschwäche ist nunmehr wirklich nichts mehr zu sehen. Vielmehr zeigt sich in den Beschäftigungsdaten eine dynamische Wiederbelebung.

Die Arbeitslosenquote verharrte unterdessen bei 4,3% (genauer: 4,30% nach 4,34%). Obwohl dies nach Stagnation aussieht, lässt sich auch daraus keinerlei Schwäche ableiten. Vielmehr befindet sich der Wert schon auf vergleichsweise tiefem Niveau, worin sich die geringe Entlassungsbereitschaft der Unternehmen widerspiegelt. Der Hochpunkt dürfte (November 2025: 4,5%) jedenfalls auch hier durchschritten sein. Die übrigen Daten des Berichts zum Wachstum der Stundenlöhne (+0,3%, MoM) und der durchschnittlichen Wochenarbeitszeit (34,3 h) waren unauffällig und entsprachen den Erwartungen.

Sonderfaktoren haben nicht gebremst

Eine der größten positiven Überraschungen beim Stellensaldo war das deutliche Beschäftigungsplus im Staatssektor (+55.000), der damit erstmals seit über einem Jahr wieder in nennenswertem Umfang Personalaufbau betrieb. Dies war vor allem auf die Lokalregierungen zurückzuführen. Daneben kam es im Sektor Freizeit und Gastronomie mit +70.000 zu einem regelrechten Beschäftigungsschub. Auch das Plus im Bausektor (+17.000) überraschte, während der Gesundheitssektor mit +35.000 in gewohnter Manier ein Aktivposten war.

Die erfreuliche Entwicklung im Bereich Gastronomie, Freizeit und Bau deutet darauf hin, dass der Wettereffekt – anders als von uns erwartet – im Mai nicht negativ zu Buche geschlagen hat. Im März/April waren die Temperaturverhältnisse außerordentlich günstig gewesen, was sich entsprechend positiv auf die wettersensiblen Sektoren auswirkte. Im verhältnismäßig kühlen Mai blieb nunmehr die erwartete Gegenbewegung aus (vgl. nachfolgende Abbildung). Allen voran in der Gastronomie wurden stattdessen erneut kräftig Mitarbeiter eingestellt. Dies spricht dafür, dass sich – unabhängig von den äußeren Bedingungen – die wirtschaftlichen Verhältnisse in den USA zusehends stabilisieren und die Unsicherheit abnimmt. Allerdings hat der Beschäftigungsboom noch nicht alle Sektoren erfasst. Während sich die Industrie mit Einstellungen zurückhält (+7.000 im Mai), wird bei Banken (-22.000) und im Tech-Sektor (-2.000) immer noch Personal entlassen.

Dass die Arbeitsmarktschwäche vom vergangenen Herbst zusehends überwunden ist und die Einstellungsbereitschaft steigt, haben im Vorfeld des BLS-Berichts noch andere Datenquellen nahegelegt. So vermeldete ADP, das seine Zahlen aus Lohnabrechnungen bezieht, erstmals seit über einem Jahr wieder ein Stellenplus in der Privatwirtschaft von über 100.000. Einen ähnlichen Beschäftigungszuwachs (124.000) gab Revelio Labs für die USA bekannt, das seine Informationen aus Online-Daten bezieht. Auch hier handelt es sich um den höchsten Wert seit Mitte 2024 (vgl. nachfolgende Abbildung).   

US-Arbeitsmarkt im Aufwind

Im jüngsten Arbeitsmarktbericht lässt sich so gut wie kein Haar in der Suppe finden. Der Stellensaldo hat zum dritten Mal in Folge positiv überrascht. Die anziehende Dynamik ist unübersehbar. Selbst vom kühleren Wetter haben sich die Unternehmen nicht von zusätzlichen Einstellungen abbringen lassen. Die Verbesserung am Arbeitsmarkt korrespondiert mit den übrigen Konjunkturdaten der USA. Sieht man von den Verbraucherumfragen ab, haben nahezu alle wichtigen Indikatoren (ISM-Einkaufsmanagerindikatoren, regionale Geschäftsklimaindikatoren, Einzelhandelsumsätze, Auftragseingänge der Industrie) zuletzt positiv überrascht. Und kurzfristig ist kein Ende des Aufwärtstrends – ungeachtet des Nahostkonflikts – in Sicht. Vielmehr sollte sich vor allem die Investitionsbelebung weiter fortsetzen und positiv auf die Arbeitsmarktentwicklung ausstrahlen (vgl. nachfolgende Abbildung).

Die US-Notenbank kann dieses erfreuliche Umfeld nicht ignorieren. Statt der vermeintlichen Arbeitsmarktschwäche dürften zusehends die Inflationsgefahren in den Fokus rücken. Als Erstes werden die Notenbanker den noch bestehenden Bias zu Leitzinssenkungen beseitigen. Das dürfte mittlerweile aber nicht mehr ausreichen. Der Bias dürfte sich stattdessen in Richtung Leitzinserhöhungen drehen. Die von Donald Trump gewünschten Leitzinssenkungen rücken somit in immer weitere Ferne.

Von Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, Bantleon AG

Weitere beliebte Meldungen:

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen. Das NewsCenter ist eine kostenpflichtige Sonderwerbeform der e-fundresearch.com AG für Asset Management Unternehmen. Copyright und ausschließliche inhaltliche Verantwortung liegt beim Asset Management Unternehmen als Nutzer der NewsCenter Sonderwerbeform. Alle NewsCenter Meldungen stellen Presseinformationen oder Marketingmitteilungen dar.

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Regelmäßige Updates über die wichtigsten Markt- und Branchenentwicklungen mit starkem Fokus auf die Fondsbranche der DACH-Region.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.