BANTLEON Chefvolkswirt: EZB - Weitere Straffung bleibt möglich

Die EZB hebt die Leitzinsen um 25 Basispunkte an und verweist auf gestiegenen Inflationsdruck infolge des Nahostkonflikts. Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt bei Bantleon AG, ordnet Zinsentscheidung, Prognosen und weiteren Ausblick ein. BANTLEON | 11.06.2026 15:41 Uhr
Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, Bantleon AG / © e-fundresearch.com / BANTLEON
Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, Bantleon AG / © e-fundresearch.com / BANTLEON

Die EZB hat heute erwartungsgemäß die Leitzinsen um 25 Bp angehoben (Depositenrate von 2,00% auf 2,25%). Begründet wurde der Schritt mit dem gestiegenen Inflationsdruck aufgrund des Nahostkonflikts. Die Entscheidung zur Leitzinsanhebung, sei »mit einer Reihe von EZB-Szenarien kompatibel«, d.h. aller Voraussicht nach auch mit dem aktuellen Basisszenario.

Hinsichtlich der neuen EZB-Prognosen ist überraschend, dass die Wachstumsprognose nur wenig nach unten korrigiert wurde (vgl. Tabelle). Für 2028 wurde sie sogar leicht angehoben. Die Notenbank geht also weiterhin von einer resilienten Wirtschaft aus. Die Inflationsprojektionen wurden vor allem für das laufende Jahr angehoben. Für 2027/2028 hielten sich die Aufwärtskorrekturen in Grenzen. Dennoch ist bemerkenswert, dass die Kerninflation nunmehr für die nächsten drei Jahre erkennbar (2,2%) über dem Zielniveau von 2,0% gesehen wird.

Beim Zinsausblick hielt sich die EZB erwartungsgemäß bedeckt. Sie erwähnt zum einen, man sei »gut positioniert«, um die Lage weiter zu beurteilen. Dies spricht für eine abwartende Haltung. Zum anderen wird die Situation aber auch »genau beobachtet«. Damit dürften die Währungshüter die Neigung zu weiteren Leitzinsanhebungen angedeutet haben. Es ist also ein ausgewogenes Statement, das eine erneute Straffung z.B. im September möglich macht.

Von Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, Bantleon AG

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