Indikatoren verbessern sich auf breiter Front
Die Einkaufsmanagerumfrage der Eurozone vom Juli ist rundum erfreulich ausgefallen. Im Einklang mit unseren Erwartungen legten die Indikatoren – auf Basis der ersten Schätzung (= 85% aller Ergebnisse) – auf breiter Front zu. Während sich der Industrie-Index von 51,4 auf 52,0 Punkte verbesserte (Konsensus: 51,5, Bantleon: 51,9), machte der Service-Index einen Satz von 49,4 auf 51,6 Punkte (Konsensus: 49,8, Bantleon: 50,2, vgl. nachfolgende Abbildung links). Im Ergebnis wurde der Composite-EMI von 50,0 auf 51,9 Punkte angeschoben – ein Niveau, das er bereits zu Jahresbeginn erreicht hatte und das wieder deutliches BIP-Wachstum signalisiert. Insgesamt spiegelt dies die Rückkehr zu den Verhältnissen vor der Nahostkrise wider (vgl. nachfolgende Abbildungen).

Die Belebung im verarbeitenden Gewerbe wurde im Juli maßgeblich von der Herzkammer der europäischen Industrie – Deutschland – vorangetrieben. Der Index machte hier einen Sprung von 50,3 auf 52,2 Punkte. Das Bild im Servicesektor hat sich dagegen in allen Euroländern spürbar aufgehellt. Insgesamt liegt der deutsche Composite-EMI mit 51,2 Punkten (nach 49,5) wieder erkennbar oberhalb der Expansionsschwelle. In Frankreich hat er sich dieser zumindest angenähert (49,8 nach 46,8 Punkten). In den übrigen Ländern, für welche die definitiven Ergebnisse erst im Rahmen der finalen Schätzung publiziert werden, deutet sich im Durchschnitt ein Sprung über die 54,0-Punkte-Marke an (nach 52,5). Hier kann man entsprechend schon von einem Boom sprechen (vgl. vorangehende Abbildung rechts).
Deutsche Industrie im Aufwind
Blickt man noch tiefer in die Details, stechen in der deutschen Industrieumfrage vor allem die kräftigen Anstiege in den Komponenten Produktion und Exportaufträge hervor (vgl. nachfolgende Abbildung). Mit 54,7 (nach 51,6) bzw. 52,3 Punkten (nach 50,4) wurden jeweils 5‑jährige Höchststände markiert. Von einem Krisenmodus kann daher endgültig nicht mehr gesprochen werden. Vielmehr ist die Belebung im verarbeitenden Gewerbe in vollem Gange. Sie wird dabei nicht nur von staatlichen Impulsen, sondern auch vom Ausland getragen.

Der Servicesektor der Eurozone hat in den vergangenen Monaten besonders stark unter dem Ölpreisanstieg und der damit verbundenen Unsicherheit gelitten. Die ersten Entspannungssignale im Juni/Juli und der Rückgang des Ölpreises auf 70 US-Dollar hat sich entsprechend positiv auf das Sentiment ausgewirkt. Speziell die Neuaufträge haben einen Satz nach oben gemacht (vgl. nachfolgende Abbildung). Die nunmehr erneut aufgeflammten Feindseligkeiten könnten einerseits all dies wieder zunichtemachen. Andererseits dürfte die Erholung aber ebenso schnell wieder einsetzen, wenn es doch noch zu einer Einigung im Nahen Osten kommt.

Nahostkonflikt ist Zünglein an der Waage: Boom oder Wellblechkonjunktur?
Alles in allem sind die jüngsten Ergebnisse mit einem lachenden und einem weinenden Auge zu sehen. Sie zeigen, dass das konjunkturelle Momentum in der Eurozone grundsätzlich aufwärtsgerichtet und der Boden für eine breite Aufschwungsbewegung bereitet ist. Trotz aller externen Störimpulse in der Ära Trump hat sich der deutsche Industrie-EMI seit Ende 2024 von 42,5 auf 52,2 Punkte hochgearbeitet! Das Zünglein an der Waage stellt nun der Nahostkonflikt dar. Kommt es hier in den nächsten Monaten zu einer Befriedung, wäre dies die Initialzündung für eine weitere Verbreiterung der konjunkturellen Erholung. Es würde dann alles zusammenkommen: Massive staatliche Impulse, eine intakte Weltwirtschaft (KI-Boom) sowie ein moderater Ölpreis (70 US-Dollar sind möglich – wie gesehen) und dies bei abnehmender Unsicherheit. Die aktuelle Entwicklung in der Golfregion bringt nunmehr aber vorerst die Ungewissheit zurück und es bleibt abzuwarten, ob wir sogar vor einer neuen Eskalationsstufe stehen. Aus unserer Sicht dominieren dennoch die positiven Botschaften der Einkaufsmanagerumfrage und anderer Wirtschaftsdaten: Anlass zu konjunkturellem Strukturpessimismus in der Eurozone gibt es nicht. Vielmehr ist die Basis für eine umfassende Erholung gelegt. Es sind lediglich negative äußere Einflussfaktoren, welche die konjunkturellen Auftriebskräfte derzeit hemmen.
Von Dr. Daniel Hartmann, Chefvolkswirt, Bantleon AG
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