Im Einklang mit unserer Prognose hat der Offenmarktausschuss den Zielkorridor für die Fed-Funds-Rate bei 3,50% bis 3,75% belassen, die fünfte Pause in Serie. Die Nachricht des Tages war das Abstimmungsverhältnis: Mit 9:3 fiel der Beschluss deutlich weniger geschlossen aus als im Juni, als Kevin Warsh sein Debüt noch mit 12:0 bestreiten konnte. Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan votierten dagegen – alle drei stimmten für eine Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte. Der falkenhafte Dreier-Block, der im April gegen den »Easing Bias« rebellierte, ist damit einen Schritt weitergegangen: Aus der Ablehnung weiterer Lockerungen ist die offene Forderung nach Straffung geworden. Im Statement selbst hat sich hingegen nichts bewegt, es ist wortgleich mit dem Juni-Text. Geldpolitische Signale finden sich diesmal folglich allein in der Dissens-Fußnote.
Warsh: »Ich habe um einen guten Familienstreit gebeten«
Auf die Abweichler angesprochen, blieb der neue Vorsitzende betont gelassen: »Ich habe um einen guten Familienstreit gebeten – und ich habe ihn bekommen.« Für den Beschluss habe es eine große Mehrheit gegeben, diskutiert worden sei aber die gesamte Bandbreite der Optionen. In der Sache blieb Warsh klar: Das 2%-Ziel gelte unverändert, eine schleichende Verschiebung nach oben werde es nicht geben, und der PCE-Deflator bleibe die verbindliche Messgröße – auch wenn er selbst auf einen breiteren Kranz von Inflationsindikatoren blicken würde. Durch Angebotsschocks wolle die Fed ausdrücklich nicht »hindurchschauen«, entscheidend sei, ob sich deren Effekte verbreitern. Bleibt die Teuerung hoch, könnten höhere Leitzinsen »Teil der Lösung« sein. Den schwachen Juni-CPI stufte er als einzelnen Datenpunkt ohne größeren Einfluss ein. Beim Investitionsboom schließlich betonte er die kurzfristig preistreibende Seite: Der Capex-Boom hebe die Preise für KI-Infrastruktur, wann die preisdämpfenden angebotsseitigen Effekte durchschlagen, sei offen.
Der Markt soll einen Teil der Arbeit übernehmen
Aufschlussreich waren Warshs Aussagen zum Verhältnis zwischen Geldpolitik und Finanzmärkten. Er wolle deren ungefiltertes Signal hören und sich nicht einmischen: Die Renditen seien seit Juni quer über die Treasury-Kurve gestiegen, weil die Daten besser ausfielen als erwartet. Damit hätten die Marktpreise einen Teil der Arbeit der Fed übernommen. Die Marktteilnehmer lernten gerade, »den Ball zu spielen und nicht den Schiedsrichter«.Die Reaktion an den Finanzmärkten fiel dennoch taubenhaft aus – offenbar hatte ein Teil des Marktes eine falkenhaftere Rhetorik erwartet: Der September-Kontrakt der Fed-Funds-Futures sprang um 9 Basispunkte nach oben, die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Anhebung um 25 Basispunkte sank von 100% auf 65%.
Fazit
Warsh hat die falkenhafte Botschaft vom Juni bekräftigt, allerdings ohne diese zu verstärken. Das konnte er sich leisten, weil die drei Dissenter die Arbeit für ihn erledigt haben. Zinssenkungen sind endgültig vom Tisch, die Diskussion dreht sich nur noch um die Frage, ob und wann eine Anhebung ansteht. Die Datenlage stützt diese Sicht: Der PCE-Kern-Deflator hat sich bis Mai auf 3,4% beschleunigt, der Arbeitsmarkt liefert moderates, aber stabiles Beschäftigungswachstum, und der Nahostkonflikt sorgt für neue Inflationsimpulse. Sollten die Preisdaten für Juli die überraschend soften Juni-Werte konterkarieren, ist eine Anhebung der Fed-Funds-Rate schon im September das wahrscheinlichste Szenario. Lässt die Kerninflation hingegen weiter nach, dürften selbst starke Konjunkturdaten nichts an der abwartenden Haltung der Fed ändern, was Donald Trump sicherlich goutieren würde. Unabhängig vom Verhalten des FOMC dürfte das lange Ende der Treasury-Kurve unter Druck bleiben - und damit weiterhin die Arbeit der Fed erledigen.
Von Dr. Harald Preißler, Kapitalmarktstratege bei BANTLEON
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