Der S&P500 hat ebenso wie der Eurostoxx, der die rund 300 liquidesten Titel der Eurozone umfasst, in den Sommermonaten neue Allzeithochs erreicht. Störfeuer wie der Abverkauf von Hardware- und Halbleiterwerten, der den südkoreanischen KOSPI nach einer fulminanten Rallye wieder auf tiefere Niveaus zurückwarf, sowie der anhaltende Nahostkonflikt konnten die positiven Aussichten für das Gewinnwachstum und die robuste Konjunkturentwicklung nicht nachhaltig beeinträchtigen. Der S&P500 verzeichnet im laufenden Jahr deshalb bereits einen Wertzuwachs von 12,9%, beim Eurostoxx sind es sogar 13,1%.
Trotz dieser beeindruckenden Entwicklung bewegt sich das Sentiment weiterhin auf moderaten Niveaus. Der »CNN Fear and Greed«-Indikator notiert derzeit bei 61 Punkten und lässt damit noch Spielraum für eine weitere Aufhellung der Stimmung. Die »AAII US Investor Sentiment«-Umfrage weist einen Anteil von 37% Bullen gegenüber 38% Bären aus, während 25% der Befragten neutral gestimmt sind. Auch das Verhältnis von Put- zu Call-Optionen liegt mit 0,63 nur auf dem durchschnittlichen Niveau der vergangenen fünf Jahre. Die Anleihenmärkte bestätigen dieses Bild: Der »iTraxx Europe Crossover« handelt derzeit nahe seinen Tiefstständen bei 250 Basispunkten, was auf eine geringe Nachfrage nach Kreditausfallversicherungen hindeutet. Gleiches gilt für den Volatilitätsindex VIX. Der August-Kontrakt notiert mit 16,8 auf einem vergleichsweise tiefen Niveau. Die VIX-Terminkurve signalisiert jedoch steigende Volatilität: Der September-Kontrakt liegt bei 18,5, der Oktober-Kontrakt bereits bei 20,0. Entsprechend rechnen die Marktteilnehmer – auch mit Blick auf die näher rückenden US-Zwischenwahlen – mit volatileren Marktphasen. Das Sentimentbild ist damit weiterhin positiv. Sollte sich der Nahostkonflikt nicht erneut verschärfen, dürften das hohe Gewinnwachstum und die solide Konjunkturentwicklung die Stimmung an den Aktienmärkten weiter stützen.
Saisonal schwierige Phase rückt in den Fokus
Allerdings rückt nach der saisonal meist freundlicheren Phase im Frühjahr nun die saisonal schwierigere Phase des Jahres in den Fokus. Insbesondere der Übergang vom August in den September ist anfälliger für erhöhte Volatilität und temporäre Korrekturen. Bereits der August ist historisch eher von einer schwächeren Dynamik und einer geringeren Liquidität geprägt. Dies trifft noch mehr auf den September zu, der sowohl beim S&P500 als auch beim Eurostoxx als einer der schwächsten Monate des Jahres gilt. Hinzu kommt, dass im November die Zwischenwahlen in den USA anstehen. Historisch zeigt sich in Midterm-Jahren insbesondere im Spätsommer und Frühherbst eine erhöhte Volatilität, bevor sich die Aktienmärkte nach den Wahlen häufig stabilisieren und zum Jahresende hin wieder deutlich freundlicher entwickeln. Nach einer möglichen Korrektur im September oder Oktober könnte sich im Zuge abnehmender politischer Unsicherheit nach den Zwischenwahlen wieder ein günstigeres saisonales Umfeld ergeben. Historisch zählen insbesondere der November und Dezember zu den stärkeren Börsenmonaten. Beide Monate weisen – geprägt durch eine Jahresendrallye – häufig eine positive Entwicklung auf. Insgesamt ist die saisonale Ausgangslage für das 2. Halbjahr damit zunächst von erhöhter Vorsicht geprägt, bevor sich das saisonale Bild im 4. Quartal wieder aufhellen dürfte.
Starke globale Marktbreite
Die geografische Marktbreite zeigt sich derzeit robust: 88% der globalen Länderindizes sind im Aufwärtstrend. Nur vereinzelte Ausnahmen, wie der eingangs erwähnte südkoreanische KOSPI, sind trotz der jüngsten Bodenbildung noch abwärtsgerichtet. Dies spricht für eine starke globale Marktbreite. Innerhalb des S&P500 und des Eurostoxx handeln derzeit 73% respektive 77% der Aktien oberhalb der 200-Tage-Linie. Erwähnenswert sind zudem die im historischen Vergleich moderaten Bewertungen der Tech-Schwergewichte: Während diese Titel üblicherweise mit einem P/E-Multiplikator von 25 – 30 bewertet werden, liegen die Bewertungen vieler dieser Unternehmen inzwischen deutlich darunter. Allen voran gilt dies für Meta (17,3), Alphabet (23,2) und Nvidia (22,3). Für den S&P500 liegt das Verhältnis aktuell bei 21,4. Trotz der gestiegenen Indexniveaus sind die breiten Aktienindizes damit aktuell günstiger bewertet als noch im Januar. Dadurch hat sich auch das Bewertungs- und Konzentrationsrisiko dieser Titel innerhalb der breiten Indizes reduziert.
Charttechnisches Bild bleibt ebenfalls positiv
Das charttechnische Bild für den S&P500 und den Eurostoxx bleibt ebenfalls positiv. Diverse gleitende Durchschnitte und auch die exponentiellen gleitenden Durchschnitte tendieren nach oben und bestätigen damit den bestehenden Aufwärtstrend. Zusätzlich liefert der MACD-Indikator für beide Indizes ein positives Signal. S&P500 und Eurostoxx notieren rund 9% über ihrer jeweiligen 200-Tage-Linie. Diese ist grundsätzlich eine wichtige technische Unterstützung, der inzwischen große Abstand verdeutlicht jedoch zugleich das vorhandene Rückschlagpotenzial. Beim S&P500 befindet sich der RSI-Indikator noch im neutralen Bereich, während er beim Eurostoxx mit 72 Punkten bereits auf ein überkauftes Niveau hindeutet. Solche Konstellationen sind in Phasen dynamischer Kursanstiege nicht ungewöhnlich und sprechen aktuell bestenfalls dafür, dass die Indizes kurzfristig eine Verschnaufpause einlegen könnten. Insgesamt bleibt der Aufwärtstrend damit intakt und eine Fortsetzung wahrscheinlich. Weitere Kursanstiege würden allerdings das Risiko einer kurzfristigen Überhitzung erhöhen. Wichtige Unterstützungsmarken liegen beim S&P500 am mittleren Bollinger-Band bei 7.555 Punkten (-2,5%), an der bereits mehrfach bestätigten Unterstützungslinie bei 7.300 Punkten (-5,8%) sowie an der 200-Tage-Linie bei 7.065 Punkten (-8,9%). Mit Blick auf die näher rückenden Zwischenwahlen könnten diese Marken im Fall einer Korrektur getestet werden. Beim Eurostoxx bilden das mittlere Bollinger-Band bei 675 Punkten (-2,5%) und die mehrfach getestete Unterstützungslinie bei 660 Punkten (-4,6%) wichtige technische Marken. Die 200-Tage-Linie verläuft aktuell bei 633 Punkten (-8,5%).
Von Marcio Costa, Senior Portfolio Manager bei BANTLEON
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