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State Street Global Advisors Marktausblick: Warum trotz steigender Märkte Vorsicht geboten ist

State Street Global Advisors, die Vermögensverwaltungsgesellschaft der State Street Corporation hat heute den jährlichen Global Market Outlook 2022 mit den wichtigsten makroökonomischen Trends sowie wichtigen Anlagethemen für das kommende Jahr veröffentlicht. State Street Global Advisors | 08.12.2021 16:04 Uhr
State Street Global Advisors veröffentlicht globalen Marktausblick 2022 / © Pexels.com
State Street Global Advisors veröffentlicht globalen Marktausblick 2022 / © Pexels.com

Die Experten von State Street Global Advisors sind der Ansicht, dass die derzeitige wirtschaftliche Erholung, wenngleich sie auch weiterhin in verschiedenen Regionen, Sektoren und Wirtschaftsbereichen ungleichmäßig verläuft, anhalten wird. Auch 2022 dürfte sich daher ein über dem Potenzial liegendes globales Wachstum ergeben, nachdem der Markt den Höhepunkt der fiskalischen und monetären Unterstützung bereits überschritten hat. 

Das hohe Wachstum und die hohe Inflation, die 2021 das makroökonomische Bild beherrschten, werden sich auch 2022 fortsetzen. State Street Global Advisors geht jedoch davon aus, dass sich die akuten Inflationssorgen bis Mitte 2022 deutlich reduzieren und eine gewisse "Inflationsrotation" einsetzen wird - insbesondere in den USA. Denn die Inflation wird vor allem bei den Wohnkosten noch intensiver, wobei der Inflationsdruck in anderen Bereichen nachlässt. Während die Zentralbanken in den Schwellenländern die Entwicklung hin zu höheren Zinssätzen vorerst anführen, dürften die Zentralbanken der Industrieländer im Laufe des nächsten Jahres nachziehen. Auch wenn die Märkte weiter steigen dürften, rechtfertigen bestimmte Probleme und Herausforderungen eine Bewertung der Vermögensallokation und der Anlagestrategien zum Schutz vor Kursverlusten. 

"Die Fed könnte das Tempo ihrer quantitativen Lockerung im ersten Quartal 2022 beschleunigen, um sich auf ihre erste Zinserhöhung vorzubereiten, aber es gibt viele Unsicherheiten in Bezug auf das Tempo der Straffung - einschließlich der Unsicherheiten, die durch das Auftauchen der Omicron-Variante entstehen", sagte Simona Mocuta, Chefvolkswirtin von State Street Global Advisors. 

Gaurav Mallik, Chief Portfolio Strategist, fügte hinzu: "Ein Großteil der Inflation, die wir derzeit erleben, ist aufgrund früherer fiskalischer Anreize und Herausforderungen in der Lieferkette quasi in das System eingebrannt. Die Zentralbanken wissen, dass aggressive Zinserhöhungen unwirksam sein und auch die Wachstumsaussichten beeinträchtigen können. Daher glauben wir, dass sich die Zentralbanken darauf konzentrieren werden, die Kontrolle über die Erwartungen der Märkte und der Anleger zurückzugewinnen, um eine stetige und schrittweise Normalisierung in den nächsten zwei Jahren zu gewährleisten." 

Ausblick für den Rentenmarkt: 

Vor einem starken makroökonomischen Hintergrund hat der Übergang von einer akkommodierenden zu einer strafferen Geldpolitik begonnen, wobei die Zentralbanken signalisieren, dass die ersten Zinserhöhungen seit Beginn der Pandemie bevorstehen. Während die kurzfristigen Zinssätze als Reaktion auf mögliche Zinserhöhungen im Jahr 2022 gestiegen sind, ist State Street Global Advisors der Ansicht, dass der Anstieg der Renditen und der aggressive Ton der Fed zu einer Beschleunigung des Konjunkturzyklus führen könnten. Daher wird eine weitere Abflachung der Zinskurve erwartet. 

Lori Heinel, Global Chief Investment Officer, kommentierte: "Wir halten im nächsten Jahr risikoreichere festverzinsliche Spreads für eine gute Quelle von Carry und zusätzlicher Rendite gegenüber US-Treasuries. Die Spreads in risikoreicheren festverzinslichen Sektoren, einschließlich Investment-Grade- und High-Yield-Anleihen, dürften durch starke Fundamentaldaten und die Renditenachfrage ausländischer Anleger gut gestützt werden. Ein positiveres Umfeld für sogenannte ‚Rising Stars' wird dazu beitragen, dass auch das Umfeld für Zahlungsausfälle und Herabstufungen günstig ist. 

Ausblick für den Aktienmarkt: 

Da die Volatilität am Aktienmarkt weiter zunimmt, ist Vorsicht geboten. Die Risikoprämie für Aktien liegt sowohl in den Industrie- als auch in den Schwellenländern weiterhin über dem langfristigen Durchschnitt und das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis für den MSCI World ist auf einem nachhaltigen Niveau. Zudem scheinen die Aussichten für Unternehmensgewinne stark zu bleiben. Daher sind die Experten der Meinung, dass Aktien im Vergleich zu anderen Anlageklassen attraktive Überschussrenditen bieten. 

Während die allmähliche Anhebung der Renditekurve den Finanzwerten zugute kam, wird der erneute Schwerpunkt der Regierung auf harter Infrastruktur jedoch zyklische Werte wie Industrie-, Rohstoff- und Energieunternehmen unterstützen. Europäische Aktien, die im Vergleich zu US-Aktien attraktiv bewertet sind und gleichzeitig ein starkes Ertragswachstumspotenzial aufweisen, dürften sich in einer günstigen Lage befinden, da die Aktienmärkte der Region eher zyklisch ausgerichtet sind. Die Unternehmen der Schwellenländer hingegen müssen noch in vollem Umfang von der Wiedereröffnung des Handels profitieren, da die Impfquoten hier noch nicht so hoch sind. Das bedeutet, dass das Wachstum der Schwellenländer wahrscheinlich erst später im nächsten Jahr an Gestalt annehmen wird. 

"Wir erwarten, dass die Märkte 2022 weniger selbstgefällig sein werden, weil die Geldpolitik gestrafft wird und der Inflationsdruck anhält. State Street Global Advisors sieht eine Chance für aktives Management in den kommenden Jahren und glaubt, dass Anleger von einem selektiven Ansatz am Aktienmarkt profitieren können", fügt Altaf Kassam, EMEA Head of Investment Strategy & Research, hinzu. 

Zusätzlich zu seinem makroökonomischen und marktbezogenen Ausblick für 2022 hat State Street Global Advisors drei Schlüsselthemen identifiziert, die im nächsten Jahr die Aufmerksamkeit der Anleger besonders verdienen: 

Von festverzinslichen Anlagen profitieren 

Angesichts der hartnäckig niedrigen Zinsen denken viele Anleger zu Recht über Alternativen zu festverzinslichen Wertpapieren nach, die ein höheres Renditepotenzial bieten könnten. Es sei aber wichtig, das Potenzial bestimmter Bereiche von festverzinslichen Wertpapieren - einschließlich Schwellenländeranleihen – dennoch nicht zu vernachlässigen, um signifikante Renditen und Ertragssteigerungen zu erzielen. Gleichzeitig kann die ausschließliche Konzentration auf die Rendite dazu führen, dass Anleger die entscheidende Rolle, die festverzinsliche Anlagen bei der Diversifizierung von Portfoliorisiken und der Bereitstellung von Liquidität spielen können, übersehen. Das gilt insbesondere für Anleger, die Renditen durch ein Engagement in illiquiden privaten Vermögenswerten angestrebt haben. Im diesjährigen Global Market Outlook weisen die Experten erneut darauf hin, dass festverzinsliche Anlagen nach wie vor eine wichtige Rolle bei der Anlagediversifizierung spielen und eine Möglichkeit darstellen, die Flexibilität in Portfolios zu erhöhen, in denen die Allokation in häufig illiquide alternative Anlagen zugenommen hat. 

Wie Anleger mit dem Klimawandel Schritt halten 

State Street Global Advisors ist der Meinung, dass der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft am besten als ein multidimensionaler Schock verstanden werden kann. Dieser wird sich im Laufe der Zeit vollziehen und erhebliche regulatorische und wirtschaftliche Konsequenzen auf die Investitionen haben. Die Dekarbonisierung - die zunehmend eskalieren wird - hat dabei auch sekundäre Auswirkungen, die zu einer stärkeren Beteiligung sowohl der Industrie- als auch der Schwellenländer führen könnten. Dies bringt enorme Wachstumschancen mit sich und verbessert die Handelsbilanzen der Netto-Energieimporteure im derzeitigen System fossiler Brennstoffe. Die Anleger werden daran erinnert, die regulatorischen und wirtschaftlichen Auswirkungen des Übergangs zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft im Auge zu behalten. Gleichzeitig muss die zunehmende Bedeutung von Stewardship und Verantwortung, bessere Klimaangaben, die Herausforderungen bei der Integration von ESG-Kriterien und Kohlenstoffpreisen sowie die strukturellen Auswirkungen der Dekarbonisierung auf die Unternehmensgewinne beobachtet werden. 

China-Engagements neu überdenken 

Die makroökonomischen Gründe für Investitionen in China bleiben laut der Experten trotz der Schlagzeilen der letzten Monate intakt. Der globale Marktausblick macht deutlich, dass die geringe Korrelation chinesischer Vermögenswerte mit anderen Märkten sowie der strukturell unterbewertete chinesische Aktienmarkt und die gesunde Renditeprämie chinesischer Anleihen im Vergleich zu den entwickelten Märkten gute Gründe für Anleger sind, China-Engagements auf eigenständiger Basis zu positionieren. Aktive Strategien seien dabei zu bevorzugen.

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