State Street-Stratege Hentov: Märkte setzen auf Deeskalation im Nahostkonflikt

Die Finanzmärkte hätten zuletzt deeskalierende Signale im gegenwärtigen Konflikt im Nahen Osten als Hinweis auf ein mögliches baldiges Ende der militärischen Auseinandersetzungen interpretiert. Zwar zeichneten sich die Parameter für eine Waffenruhe zunehmend ab, doch bleibe die Dauer des energiepolitischen Schocks weiterhin unsicher, erläutert Elliot Hentov, Chief Macro Policy Strategist bei State Street Investment Management. State Street Investment Management | 31.03.2026 10:52 Uhr
Elliot Hentov, Head of Macro Policy Research bei State Street Investment Management / © e-fundresearch / State Street Investment Management
Elliot Hentov, Head of Macro Policy Research bei State Street Investment Management / © e-fundresearch / State Street Investment Management

Aus Sicht des Experten ergebe sich derzeit ein Basisszenario mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 60 Prozent, das von einem vergleichsweise kurzen Konflikt ausgehe. In diesem Fall könnte eine von den USA initiierte Waffenruhe zustande kommen, bei der Iran die Wiederaufnahme zentraler Energie- und Transportströme zulassen würde. Die Märkte würden derzeit zunehmend eine Deeskalation einpreisen, der Zeitrahmen für eine Normalisierung der Energieflüsse könnte jedoch länger sein als aktuell erwartet.

Gleichzeitig sieht der Experte ein nicht unerhebliches Risikoszenario mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 40 Prozent. In diesem Fall könnte das iranische Regime weiterhin ausreichend Drohnenkapazitäten besitzen, um Störungen der Energieversorgung aufrechtzuerhalten und den Konflikt über mehrere Monate zu verlängern. Eine Waffenruhe könnte daher kurzfristig ausbleiben und der Konflikt länger andauern, als es die Märkte derzeit erwarten. In einem solchen Szenario könnten die Energiepreise deutlich steigen – der Ölpreis könnte bis Ende April auf 120 bis 150 US-Dollar klettern.

Abbildung 1: Gegenwärtige Einschätzung Elliot Hentov und Team

Für die Rohstoffmärkte sei vor allem die Dauer des Konflikts entscheidend. Bislang sei eher ein Preisschock als ein tatsächlicher Angebotsschock zu beobachten gewesen, wobei die Preisbewegungen weiterhin unter den Extremwerten der Energiekrise von 2022 lägen. Sollten zentrale Transportwege wie die Straße von Hormus jedoch länger geschlossen bleiben, könnten die Auswirkungen deutlich stärker ausfallen.

Langfristig dürfte sich der Energiemarkt selbst bei einem schnellen Ende der militärischen Auseinandersetzung nicht vollständig normalisieren. Eine geopolitische Risikoprämie auf Energielieferungen aus der Golfregion könnte bestehen bleiben. Gleichzeitig könnten höhere Lagerbestände, zusätzliche Redundanzen in den Lieferketten sowie ein verstärkter Fokus auf alternative Energiequellen strukturelle Veränderungen im Energiesystem beschleunigen.

Unter dem Strich bleibe der Ausblick für eine nachhaltige Normalisierung der Energieversorgung unsicher. Zwar deuteten aktuelle Signale auf eine mögliche Deeskalation hin, doch hätten sowohl der Beginn als auch das Ende von Kriegen in der Vergangenheit häufig unerwartete Entwicklungen mit sich gebracht.

Von Elliot Hentov, Head of Macro Policy Research bei State Street Investment Management

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