CIO Weekly | Vorsichtig, aber nicht pessimistisch

Weil das Wachstum allmählich nachlässt, sollte man vielleicht mit mehr Volatilität rechnen. Die steigenden Unternehmensgewinne sprechen aber weiter für Aktien. Neuberger Berman | 21.04.2022 12:25 Uhr
Joseph V. Amato, President and Chief Investment Officer - Equities, Neuberger Berman / © Neuberger Berman
Joseph V. Amato, President and Chief Investment Officer - Equities, Neuberger Berman / © Neuberger Berman

Letzte Woche erschienen unser Asset Allocation Committee Outlook und der Equity Market Outlook  für das 2. Quartal. In den nächsten 12 bis 18 Monaten schätzen wir Aktien jetzt zurückhaltender ein – wegen der, wie Erik Knutzen schreibt, immer schwierigeren Kombination aus hoher Inflation, steigenden Zinsen und nachlassendem Wirtschaftswachstum. Statt wie bisher in Schwächephasen zu kaufen, könnten die Investoren jetzt steigende Kurse für Verkäufe nutzen.

Vorsicht ist aber nicht gleich Pessimismus. Es gibt kleine, aber feine Unterschiede. Noch immer ist die Wirtschaft so stark, dass sie eine Konjunkturschwäche, mehr Inflation und eine straffere Geldpolitik durchaus abfedern kann.

Zu Beginn der Berichtssaison für das 1. Quartal sollten wir das nicht aus dem Blick verlieren. Wir rechnen zwar weiter mit einer höheren Volatilität, halten einen starken Aktienmarkteinbruch aber für unwahrscheinlich – solange die Unternehmensgewinne stabil bleiben und eine Rezession ausbleibt.

Wachstum gegen Inflation

Konsens ist, dass die Gewinne der S&P-500-Unternehmen im 1. Quartal um etwa 5% z.Vj. steigen.

Oft lagen die Gewinne am Ende leicht über den Erwartungen. Wiederholt sich das, wäre dies ein Zeichen dafür, dass sich die Wirtschaft weiter von der Pandemie erholt. Insgesamt erwarten die Analysten für die S&P-500-Unternehmen 2022 ein hohes einstelliges Gewinnwachstum.

Aber könnte nicht die Inflation den Margen und damit den Gewinnen schaden? Immer mehr Unternehmen sprechen von steigenden Kosten durch Arbeitskräftemangel, anhaltende Coronaprobleme und Lieferengpässe. Bis jetzt ist es ihnen aber zumindest teilweise gelungen, ihre Preise zu erhöhen und steigende Kosten an die Kunden weiterzugeben.

Gesamtwirtschaftlich ist es nicht viel anders: Im März war die US-Inflation mit 8,5% z.Vj. so hoch wie seit 1981 nicht mehr. Zugleich wurden so wenige Arbeitslosengeldanträge gestellt wie zuletzt in den späten 1960ern. Die Verbraucher spüren die höheren Preise, finden aber auch problemlos Arbeit – und schränken sich daher nicht ein.

Rezession

Wie groß ist das Rezessionsrisiko?

Wir halten es in den USA zumindest auf 12-Monats-Sicht für begrenzt, da die Wirtschaft insgesamt stabil ist.

Der größte Risikofaktor ist eine wesentlich straffere Geldpolitik zur Bekämpfung der Inflation. Viele Offenmarktausschussmitglieder meinen, dass der Leitzins zum Jahresende neutral sein sollte, wenn nicht höher.

In unserem Equity Market Outlook, schreibt Raheel Siddiqui, dass die Einkaufsmanagerindizes (PMIs) bei einer strafferen Geldpolitik schon bald eine kleinere Rezession in der Industrie anzeigen könnten. Er rechnet aber nicht damit, dass die US-Wirtschaft wirklich schrumpft. Brad Tank wiederum schreibt, dass man der Fed durchaus zutrauen könne, die Inflation „ohne größere Kollateralschäden“ einzudämmen. Das sehe man am Anleihenmarkt.

In anderen Ländern könnten die Herausforderungen für Wachstum und Inflation aber größer sein.

In Europa war wegen der höheren Arbeitslosigkeit ein stärkerer Preisauftrieb unwahrscheinlicher, doch importiert man viel Öl, Gas und Lebensmittel aus Russland und der Ukraine. Konsens ist, dass die Gewinne der Unternehmen im STOXX Europe 600 Index 2022 um 10% und 2023 um 6,5% steigen. Da die Gewinnrevisionen aber jetzt schon negativ werden, könnten die Erwartungen für die beiden Jahre schon bald Richtung 0% fallen. Auch China scheint anfälliger als noch vor wenigen Monaten, vor allem wegen neuer Coronaausbrüche. Auch deshalb bevorzugen wir zurzeit US-Aktien.

Gewinne

Alles in allem sind wir uns recht sicher, dass den Märkten eine schwierige Zeit mit hartnäckig hoher Inflation und nachlassendem Wachstum bevorsteht. Das kann zu anhaltender Volatilität führen.

Wie wir letzte Woche in unseren Outlooks schrieben, spricht dies für dividendenstarke Qualitätsaktien mit niedrigem Beta, für Large Caps anstelle von Small Caps und für US-Aktien anstelle nicht amerikanischer Titel.

Das ändert aber nichts daran, dass die Wirtschaft noch immer wächst, die Verbraucher weiter Geld ausgeben und viele Unternehmen nach wie vor Gewinne erwirtschaften. Es kann nicht schaden, sich auf eine höhere Volatilität vorzubereiten. Wir glauben aber noch immer, dass man mit Aktien dieses Jahr etwas verdienen kann.

Joseph V. Amato, President and Chief Investment Officer - Equities, Neuberger Berman

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