Die zwei Denkweisen der EZB und das Ende der Deindustrialisierung

Zwei Sichtweisen bestimmen zurzeit das weitere Vorgehen der EZB. Auf eine Abkühlung der Löhne zu setzen und erst dann die Zinsen zu senken, stellt dabei das Hauptrisiko für die Märkte dar, meint Patrick Barbe, Head of European Investment Grade Fixed Income bei dem US-amerikanischen Vermögensverwalter Neuberger Berman. Lesen Sie im folgenden Kommentar auch, warum davon auszugehen ist, dass die Deindustrialisierung in Deutschland ihren Tiefpunkt überstanden hat: Neuberger Berman | 25.01.2024 10:01 Uhr
Patrick Barbe, Head of European Investment Grade Fixed Income bei dem US-amerikanischen Vermögensverwalter Neuberger Berman / © e-fundresearch.com / Neuberger Berman
Patrick Barbe, Head of European Investment Grade Fixed Income bei dem US-amerikanischen Vermögensverwalter Neuberger Berman / © e-fundresearch.com / Neuberger Berman

Frau Lagarde hat letzte Woche in Davos einen Wendepunkt in der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) angekündigt und gesagt, dass der nächste Schritt eine Zinssenkung bis zum Sommer sein sollte. Die meisten EZB-Mitglieder sind jedoch besorgt über zu hohe Markterwartungen in diesem Bereich. Im Vorfeld der EZB-Sitzung diese Woche betonten sie bei ihrer Analyse die Position einer straffen Geldpolitik, um die Märkte abzukühlen. So scheinen sogar einige Befürworter von Lockerungen, eine erste Zinssenkung erst im Juni oder später zu bevorzugen.

Tatsächlich gibt es unter den EZB-Direktoriumsmitgliedern zwei Positionen dazu, wann Zinssenkungen stattfinden und wie groß die Schritte ausfallen sollten: Ein Ansatz besteht darin, die Leitzinsen zu senken, sobald „Gewissheit“ darüber besteht, dass die Inflationsaussichten mit den EZB-Projektionen einer stabilen Rückkehr zum Zielwert übereinstimmen. Ihr Ansatz ist also rein von Wirtschaftsdaten bestimmt. Der zweiten Denkweise zufolge sollte erst die Abkühlung des Lohnanstiegs abgewartet werden. Das könnte einige Zeit in Anspruch nehmen und stellt daher das Hauptrisiko für die Märkte dar.

Deindustrialisierung: Tiefpunkt überstanden

In Deutschland scheint die Talsohle der industriellen Rezession durchschritten zu sein. Die industriellen Frühindikatoren zeigen eine immer geringere Abkühlung der Konjunktur. Parallel dazu hat sich der Dienstleistungssektor stabilisiert und eine Rezession vermieden. Wir können also davon ausgehen, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr wachsen wird, sehen jedoch keine Triebkräfte für eine Konjunkturerholung: Zum einen sind die Energiekosten nach wie vor erheblich, obgleich sie niedriger sind als in den letzten zwei Jahren. Auch die Kreditzinsen sind hoch. Und die Exporterwartungen, eine wichtige Stütze der deutschen Wirtschaft, sind äußerst bescheiden. Daher gehen wir davon aus, dass die deutschen Anleihen fair bewertet sind und in etwa auf ihrem derzeitigen Niveau bleiben dürften – das entspricht einer Rendite von unter 2,5 Prozent für die 10-jährige Bundesanleihe.

Erwartungen an die EZB-Sitzung

Da keine wichtigen Entscheidungen getroffen werden dürften, gehen wir davon aus, dass die EZB ihre Analyse der Inflationsaussichten und ihrer wichtigsten Faktoren aktualisieren wird, insbesondere auf lange Sicht. Die Zentralbank könnte den Wunsch haben, die Markteinschätzung der langfristigen Anleiherenditen zu beeinflussen, denn sie ist der Ansicht, dass die Inversion der Kurve kein gutes Ergebnis für ihre Politik darstellt.

Von Patrick Barbe, Head of European Investment Grade Fixed Income bei dem US-amerikanischen Vermögensverwalter Neuberger Berman

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