La Française Stratege François Rimeu: EZB hat keine andere Wahl

Die Inflation ist auf einem Allzeithoch. Die EZB hat keine andere Wahl, als die mittelfristige Preisstabilität zu sichern. La Française Systematic Asset Management | 08.06.2022 09:39 Uhr
François Rimeu, Senior Strategist, La Française AM / © e-fundresearch.com / La Française AM
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Die EZB hält am 9. Juni ihre vierteljährliche Pressekonferenz ab. EZB-Präsidentin Lagarde hat einen Konsens für eine schrittweise Normalisierung der Politik erreicht. Der Ausschuss wird seine makroökonomischen Prognosen angesichts eines erheblichen Inflationsdrucks und einer Verschlechterung der Wachstumsaussichten aktualisieren.

Unsere Erwartungen:

- Wie bereits von Christine Lagarde angekündigt, wird die EZB aufgrund des zunehmenden Inflationsdrucks auf ihrer EZB-Ratssitzung im Juni voraussichtlich das Ende des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (APP) und auf ihrer Juli-Sitzung eine erste Anhebung des Zinssatzes für die Einlagefazilität (-0,50 %) ankündigen. Die drei Bedingungen für eine Zinserhöhung sind erfüllt. Es wird auch erwartet, dass Lagarde den Ausstieg aus den Negativzinsen bis September signalisiert.

- Die Präsidentin Lagarde dürfte betonen, dass das Tempo der geldpolitischen Straffung datenabhängig sein wird (d. h. Inlandsnachfrage, zugrunde liegende Inflation und finanzielle Bedingungen). Wir sind der Ansicht, dass der EZB-Rat weder Schritte von 50 Basispunkten ausschließen wird, um schnell voranzukommen, noch den Einlagensatz deutlich über den neutralen Wert (1 %-2 %) anheben wird, da die höhere Inflation die Inflationserwartungen zu entkoppeln droht.

- Was die quantitative Straffung betrifft, wird die Präsidentin Lagarde höchstwahrscheinlich bekräftigen, dass es dafür noch zu früh ist. Zinserhöhungen sind in diesem Stadium das wichtigste geldpolitische Instrument. Wir glauben jedoch, dass die Reduzierung der Bilanzsumme künftig Thema sein wird, insbesondere nach den angekündigten Rückzahlungen der TLTRO (gezielte längerfristige Refinanzierungsgeschäfte) Mitte Juni.

Schließlich dürfte die Präsidentin Lagarde bekräftigen, dass die Zentralbank rasch neue Instrumente einsetzen könnte, um eine Marktfragmentierung zu verhindern, die durch eine Straffung der Geldpolitik ausgelöst werden könnte. Allerdings rechtfertigen die aktuellen Spreads noch keine Ankündigung. Wir glauben nicht, dass der EZB-Rat ein neues Anleihekaufprogramm auflegen wird, ohne die Käufe durch eine entsprechende Geldmengenentnahme zu kompensieren. Die EZB-Präsidentin Lagarde wird die Bedeutung von Flexibilität bei der Normalisierung unterstreichen.

Auf wirtschaftlicher Ebene erwarten wir, dass die Inflationsprognosen der EZB 2022 deutlich (von 5,1 % auf 6,9 %) und 2023 moderat (von 2,1 % auf 2,3 %) nach oben korrigiert werden. Die Inflation würde dann am Ende des Prognosezeitraums in Richtung des 2 %-Ziels zurückgehen, allerdings mit erheblicher Unsicherheit. Was das Wachstum betrifft, so dürften die Prognosen für die Jahre 2022 (von 3,7 % auf 2,8 %) und 2023 (von 2,8 % auf 2,5 %) niedrigere Werte ausweisen. Eine technische Rezession in den kommenden Quartalen sollte nicht ausgeschlossen werden. Für 2024 wird die Aufwärtskorrektur marginal sein, von 1,6 % auf 1,7 %.

Zusammenfassend ist es für die EZB entscheidend, ihre Glaubwürdigkeit zu wahren, indem sie ihr Inflationsziel vor einer hohen Inflation schützt. Obwohl die Ankündigungen des EZB-Rats im Juni angesichts der proaktiven Kommunikation der EZB nicht überraschen werden, sehen wir hawkishe Risiken (d. h. mögliche Zinserhöhungen um 50 Basispunkte bei den kommenden Sitzungen, Anhebung der Zinssätze in den Grenzbereich, die frühzeitige Diskussion über eine quantitative Straffung). Daher erwarten wir eine gewisse Abflachung der Euro-Swapkurve.

François Rimeu, Senior Strategist, La Française AM

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