Die Sommermonate verliefen für die Finanzmärkte trotz einer nach wie vor schwierigen makroökonomischen Situation aus mehreren Gründen insgesamt positiv: unter anderem die Wahrnehmung eines geringeren Inflationsrisikos durch die Finanzakteure in Verbindung mit einem Rückgang der Rohstoffpreise, insbesondere des Ölpreises. Dies führte folglich zu einem generellen Rückgang der Zinssätze für Staatsanleihen, sowohl bei den Nominalzinsen als auch und vor allem bei den Realzinsen. Unserer Ansicht nach spielte dies bei der bisherigen guten Performance der Risikoanlagen eine wichtige Rolle. Darüber hinaus haben die im Juni sehr negative Marktpositionierung und eine gute, zufriedenstellende Berichtssaison zweifellos die Risikobereitschaft der Anleger gestärkt.
Die makroökonomische Lage bleibt jedoch weiterhin angespannt, insbesondere in Europa. Das Verbrauchervertrauen ist in fast allen Ländern der Eurozone auf dem Tiefpunkt, was mit dem starken Anstieg der Energiepreise seit Jahresbeginn zusammenhängt. In Europa ist der Preis für ein Barrel Öl im Laufe des Sommers zwar zurückgegangen, nicht aber die Gaspreise, die seit Anfang Juni um mehr als 200 % gestiegen sind. Entsprechend steigen die Strompreise weiter an. Die Folgen für Privatpersonen und Unternehmen sind aufgrund der verschiedenen staatlichen Unterstützungspläne derzeit schwer abzuschätzen. Aber ist diese steuerliche Unterstützung nachhaltig? Die jüngsten Ankündigungen deuten darauf hin, dass diese Unterstützung zwar nicht verschwinden, aber zumindest reduziert werden wird, was zu einem potenziell erheblichen Anstieg der Energiekosten für alle Wirtschaftsakteure führen könnte. Eine Reform des Strommarktes in Europa könnte den Schock ebenfalls begrenzen.
Dank der Energieunabhängigkeit der USA lasten die gleichen Risiken nicht auf den amerikanischen Verbrauchern. Letztere sind zwar auch von der hohen Inflation betroffen, werden aber auch durch ein höheres Lohnwachstum als in Europa und einen immer noch boomenden Arbeitsmarkt gestützt, auch wenn es erste Anzeichen für eine Abschwächung gibt.
China hat zwar keine inflationsbedingten Probleme, doch das macht die Lage nicht beruhigender. Die 2021 eingeleiteten Maßnahmen zur Neuausrichtung bestimmter Segmente der chinesischen Wirtschaft haben weiterhin tiefgreifende Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft, insbesondere auf den Immobiliensektor. Gleichzeitig leidet die Wirtschaft auch unter der Null-Covid-Politik der Regierung.
Angesichts der kontinuierlichen Abwärtskorrekturen der globalen Wachstumsprognosen für 2022 (4,40 % zu Beginn des Jahres, 2,90 % per 19. August) haben Zentralbanken dennoch keine Möglichkeit, die finanziellen Bedingungen zu lockern. Auch wenn die jüngste US-Inflationsrate, die im Juli im Monatsvergleich bei Null lag, kurzfristig beruhigend wirkte, ist es unseres Erachtens viel zu früh für die Zentralbanken, sich mit der aktuellen Situation zufrieden zu geben. Diese bekräftigten in Jackson Hole ihre Absicht, die Inflation durch eine weniger akkommodierende Politik und eine Anhebung der Realzinsen zu bekämpfen.
Abgesehen von den geopolitischen Risiken, deren Zukunft ohnehin ungewiss ist, ist es zweifellos der letzte Aspekt, der uns für die kommenden Monate besonders vorsichtig stimmt. Die bevorstehende Verschärfung der finanziellen Bedingungen wird angesichts des Wachstumsrückgangs nur schwerlich reibungslos verlaufen. Wir halten es für wichtig, bei unseren Allokationen in risikoreiche Anlagen, insbesondere in Europa, vorsichtig zu bleiben.
Zum Abschluss noch ein kleiner Hoffnungsschimmer: Möglicherweise bringt das Jahresende mit einer allmählich sinkenden Inflation in den USA und einer positiven Wirkung der verschiedenen chinesischen Konjunkturprogramme einige gute Nachrichten.
François Rimeu, Senior Strategist, La Française AM
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