La Française Experte Gharbi: Hohes Beta – High-Yield-Anleihen

La Française Systematic Asset Management | 14.01.2023 10:28 Uhr
Akram Gharbi, Head of High Yield Credit, La Française AM / © e-fundresearch.com / La Française AM
Akram Gharbi, Head of High Yield Credit, La Française AM / © e-fundresearch.com / La Française AM
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Das Jahr 2022 war durch eine ungewöhnliche Korrelation zwischen steigenden Zinsen und sinkenden Risikoprämien gekennzeichnet. Der Grund: Die Zentralbanken strafften die Geldpolitik, um die rasant zunehmende Inflation einzudämmen. Dies führte zu einer historisch negativen Performance in allen Anlageklassen.

Wir sind der Ansicht, dass das Inflationsrisiko hinter uns liegt, insbesondere in den USA, wo wir allmählich konkrete Anzeichen für eine Preisentspannung sehen. Wir gehen davon aus, dass die Notenbankpolitik (insbesondere die der FED) im Jahr 2023 weniger aggressiv sein wird. Dies dürfte sich unterstützend auf Anleihen auswirken. Das größte Risiko in den kommenden Monaten wird in unseren Augen der Verlauf und das Ausmaß des globalen Wirtschaftswachstums sein.

Unsere Erwartungen für High Yield in 2023:

  1. Wir rechnen nicht mit einer extremen Verengung der Risikoprämien, solange die wirtschaftliche Lage unsicher bleibt. Wir gehen davon aus, dass sich die Risikoprämien in einer Spanne von 450-550 Basispunkten bewegen werden (verglichen mit einem Niveau Ende Dezember von 498 Basispunkten in Europa und 481 Basispunkten in den USA).
  2. Die makroökonomische Unsicherheit wird die sektorale Streuung verstärken und die Rückkehr des idiosynkratischen Risikos fördern, insbesondere bei den am höchsten verschuldeten Emittenten mit niedrigem Rating. Der in den letzten zwei Jahren zu beobachtende Aufwärtstrend bei Ratings dürfte sich umkehren – mit mehr Herab- als Heraufstufungen. Die 2020 beobachtete Tendenz zu „Fallen Angels“ könnte wieder auftreten, insbesondere in den Sektoren, die am stärksten auf steigende Refinanzierungskosten reagieren.
  3. Angesichts des geringen kurzfristigen Refinanzierungsbedarfs (17% in Europa und knapp 7% in den USA in den Jahren 2023 und 2024) und der soliden Bilanzen der meisten Emittenten rechnen wir jedoch nicht mit einem signifikanten Anstieg der Ausfallquoten im Jahr 2023. Infolgedessen dürften die Ausfallraten in Europa und den USA auf ihren historischen Durchschnitt von 3 bis 4% zusteuern (gegenüber derzeit weniger als 2%). In den Schwellenländern, insbesondere in China, haben die Ausfallraten unserer Meinung nach ihren Höhepunkt erreicht. Die Abkehr von der Null-Covid-Politik in China in Verbindung mit einer akkommodierenden Geldpolitik dürfte zur Stabilisierung des Immobilienmarktes beitragen.
  4. Bei der Sektorpositionierung für 2023 bevorzugen wir defensive Sektoren wie Telekommunikation, Dienstleistungen und Gesundheitswesen. Bei zyklischen Sektoren wie der Automobilindustrie, der Industrie und dem Konsumgüterhandel bleiben wir zurückhaltend. Positiv sehen wir hingegen den Bankensektor, der zwar auf das sich verschlechternde wirtschaftliche Umfeld reagiert, aber von soliden Fundamentaldaten profitiert.

Renditeentwicklung der HY US und EUR (lokale Währungen)

Quelle: Bloomberg, Daten zum 31.12.2022

Unter Berücksichtigung all dieser Faktoren und trotz der gegenwärtigen großen Unsicherheit sind wir der Ansicht, dass 2023 ein günstigeres Jahr für Anleihe- und Kreditanlagen höherer Qualität sein dürfte, da das derzeitige Carry-Niveau den Anlegern einen besseren Schutz bietet, um die Volatilität der Risikoprämien und einen möglichen Anstieg der Zahlungsausfälle aufzufangen.

Akram Gharbi, Head of High Yield Credit bei La Française AM

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