Die US-Notenbank dürfte die Zinsen unverändert lassen. Hintergrund sind die steigende PCE-Inflation (Personal Consumption Expenditures), – dem von der Fed bevorzugten Inflationsmaßstab, der im April auf 3,8 % im Jahresvergleich anstieg –, während der Arbeitsmarkt weiterhin solide Beschäftigungszuwächse verzeichnet (durchschnittlich mehr als 180.000 Arbeitsplätze pro Monat in den letzten drei Monaten bis Mai). Das lässt Zinssenkungen nur schwer rechtfertigen.
Der neue Vorsitzende, Kevin Warsh, könnte mittelfristig weiterhin eine zurückhaltende Zinspolitik verfolgen, gestützt durch eine eher vorausschauende Einschätzung der Inflation: eine durch Produktivitätsgewinne getriebene Desinflation sowie zollbedingte Effekte, die mit der Zeit nachlassen dürften.
Unsere Erwartungen:
- Der Offenmarktausschuss der US-Notenbank (FOMC) wird den Zielkorridor für den Leitzins unverändert bei 3,50 %–3,75 % belassen.
- Die geldpolitische Erklärung dürfte eine Weiterentwicklung sein: Statt einer akkommodierenden Ausrichtung wird ein eher neutraler Ton angeschlagen, sodass der nächste Schritt – sei es eine Zinserhöhung oder -senkung – vollständig von den Daten abhängt.
- Die Zusammenfassung der Wirtschaftsprognosen (Summary of Economic Projections, SEP) dürfte bestätigen, dass eine Rückkehr zum Inflationsziel von 2 % erst 2028 zu erwarten ist, was eine längere Pause in diesem Jahr rechtfertigt. Der Dot Plot könnte jedoch ein geteilteres Bild zeigen, wobei einige Mitglieder weitere Zinserhöhungen anstelle einer längeren Pause in Betracht ziehen.
- Bei seiner ersten Pressekonferenz dürfte Kevin Warsh mit Fragen zu mehreren zentralen Themen konfrontiert werden: Häufigkeit von Pressekonferenzen, Einsatz von Forward Guidance und des Dot Plots, bevorzugte Inflationskennzahlen, Rolle der Bilanz bei der Umsetzung der Geldpolitik sowie die Unabhängigkeit der Zentralbank.
Fazit
Es überrascht nicht, dass die Fed die Zinsen wohl unverändert lassen wird. Kevin Warsh dürfte sich mit einer abwartenden Haltung wohlfühlen und mögliche Zinssenkungen weiter in die Zukunft schieben.
Von François Rimeu, Senior Strategist, Crédit Mutuel Asset Management
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Quelle: Bloomberg