US-Wirtschaft bleibt robust, Europa verliert an Dynamik: Die Märkte setzen ihren Kurs fort

Das Strategie-Team von DJE beobachtet und bewertet die Märkte laufend anhand der hauseigenen FMM-Methode nach fundamentalen, monetären und markttechnischen Kriterien. DJE Kapital AG | 18.06.2026 09:52 Uhr
© e-fundresearch.com / Canva
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Nach dem freundlichen Marktumfeld im April setzte sich die Erholung im Mai fort. Besonders stark entwickelten sich erneut US-Technologiewerte, während auch der japanische Aktienmarkt deutlich zulegen konnte. Insgesamt schnitten die US-Märkte im Monatsverlauf einmal mehr besser ab als die europäischen Börsen. Auf Sektorenebene waren weltweit vor allem Technologie-, Rohstoff- und zyklische Konsumwerte gefragt. Energieaktien, Versorger und Titel aus dem Basiskonsumsektor blieben hingegen etwas zurück.

Mit Blick auf den Juni bleibt unser Grundton konstruktiv.  Über die Sommermonate hinweg dürfte das Marktumfeld allerdings zunächst eher von einer ruhigeren Entwicklung geprägt sein. Im weiteren Jahresverlauf, vor allem ab dem vierten Quartal, könnte das Momentum wieder zunehmen. Historisch gesehen zählt das Schlussquartal häufig zu den stärkeren Phasen des Börsenjahres. Dieses Bild wird vor allem durch die robuste US-Wirtschaft gestützt, die weiterhin keine klaren Zeichen einer Abschwächung erkennen lässt. Die Wachstumsaussichten sind dort weiterhin günstiger als in Europa. Dazu trägt auch bei, dass die US-Industrie weiter von „Reshoring” (wirtschaftliche Rückverlagerung), Datencentern und Chipfabriken profitiert. Ein Umfeld mit solidem Wirtschaftswachstum ohne zusätzlichen Zinserhöhungsdruck spricht dabei vor allem für die USA. Entsprechend dürften US-Aktien aus relativer Sicht besser abschneiden als europäische Titel. Auch Asien sollte in diesem Umfeld nicht unterschätzt werden. Zusätzliche positive Impulse könnten von einer Entspannung im Nahen Osten und in der Ukraine ausgehen. Für Europa gilt zugleich, dass die schwächere Konjunkturentwicklung nicht eins zu eins mit der Börsenentwicklung gleichgesetzt werden sollte. Positiv ist, dass viele europäische Unternehmen weiterhin solide freie Cashflows erwirtschaften.

Chancen, die wir sehen:

  • Strukturelle Investitionsthemen: Aus unserer Sicht bleiben Themen mit langfristigem Rückenwind chancenreich. Dazu zählen Verteidigung, Infrastruktur, die Energiewende mit dem Ausbau der Stromnetze sowie der digitale Bereich rund um KI und Rechenzentren. Auch der Immobilienmarkt in Hongkong stellt eine spezifische Opportunität dar.
  • Region USA: US-Aktien dürften sich relativ gesehen besser entwickeln als europäische Titel. Die robustere Konjunktur und das insgesamt günstigere makroökonomische Umfeld sprechen weiterhin für den US-Markt.
  • Region Asien: Auch Asien sollte in diesem Umfeld nicht unterschätzt werden. In einzelnen Marktsegmenten bleiben die Perspektiven konstruktiv.
  • Geopolitische Entspannung: Eine Entspannung im Nahen Osten und in der Ukraine wäre ein klar positiver Impuls für die Kapitalmärkte.
  • Selektive Einzeltitel: Attraktiv bleiben Unternehmen mit guter bis sehr guter freier Cashflow-Generierung. Solche Qualitäten finden sich derzeit häufig auch bei europäischen Unternehmen.

Risiken, die wir beobachten:

  • Iran/Geopolitik: Das derzeit größte Risiko ist ein länger andauernder Krieg im Iran. Eine anhaltende Eskalation könnte die Märkte weiterhin belasten.
  • Konjunktur: Ein Risiko bleibt eine stärkere Abkühlung der US-Wirtschaft. Insgesamt überwiegen die konjunkturellen Abwärtsrisiken derzeit jedoch in der Eurozone.
  • Zinsen in Europa: Mögliche weitere Zinserhöhungen wirken als zusätzlicher Belastungsfaktor für die Konjunktur.
  • Frankreich/Fiskalpolitik: Innerhalb der Eurozone bleibt Frankreich ein besonderer Risikofaktor. Der Schuldenaufbau setzt sich fort. Mittelfristig könnte die Fiskalpolitik in Europa nach der expansiven Phase 2026/27 restriktiver werden.
  • Börsengänge/Liquidität: Die technische Abwicklung großer, anstehender Börsengänge stellt eine Herausforderung dar. Zugleich könnten solche Transaktionen dem Markt spürbar Liquidität entziehen und damit Angebot und Nachfrage belasten.
  • US-Staatsverschuldung: Die Diskussion um die Tragfähigkeit der US-Staatsverschuldung bleibt ebenfalls ein Risikofaktor. Ratingagenturen hinterfragen zunehmend die Nachhaltigkeit der Finanzlage – auch vor dem Hintergrund deutlich gestiegener Zinslasten.

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