Zweimal pro Woche - Kostenlos per E-Mail. Jeden Werktag neu - Kostenlos per E-Mail.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.

Fragen rund um China: Corona, Konsum, Kredit

Jennifer James, Emerging Market Credit Portfoliomanagerin, geht der Frage nach, wie die von der chinesischen Regierung ergriffenen Maßnahmen bei Corona, Konsum und Kredit die kurzfristige Entwicklung Chinas beeinflussen werden. Janus Henderson Investors | 10.11.2021 17:42 Uhr
© Foto von Anna Shvets von Pexels
© Foto von Anna Shvets von Pexels
  • Die derzeitige Corona-Politik Chinas trägt zu Problemen bei den Lieferketten bei.
  • Das Konsumwachstum in China erweist sich als schwächer als erwartet. Möglicherweise liegt dies an den wirtschaftlichen Corona-Auswirkungen auf Geringverdiener und an der veränderten politischen Einstellung zur Schuldenbremse.
  • Angesichts des engen Zusammenhangs zwischen dem Schuldenanstieg und dem Wirtschaftswachstum in China dürfte das harte Durchgreifen gegen die Verschuldung der chinesischen Wirtschaft sowohl nationale als auch globale Auswirkungen haben.

Die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen zur Bewältigung der drei großen Problembereiche – Corona, Konsum und Kredit – erklären die derzeitige Situation Chinas und werden wahrscheinlich den kurzfristigen Kurs des Landes bestimmen. Längerfristig versucht China, seine Wirtschaft durch Innovationen voranzutreiben und den Spagat zwischen Gewinn und dem Schutz des Wohlergehens seiner Bevölkerung zu bewältigen. Der Umfang und die Herausforderung, die mit der Entwicklung einer so großen Volkswirtschaft einhergehen, sind gewaltig. Kein anderes Land hat die Fähigkeit oder den Ehrgeiz, das zu tun, was China tut. Diese Anstrengungen können jedoch unbeabsichtigte Folgen nach sich ziehen. In der Tat haben die zeitgleichen politischen Schocks in verschiedenen Sektoren, wahrscheinlich zu einer Beschleunigung einer ansonsten natürlichen Konjunkturabschwächung geführt, das Konsumklima verschlechtert und zur jüngsten Marktinstabilität beigetragen.

Corona

China verfolgt gegenüber Corona eine Null-Toleranz-Strategie. Nach dem Auftreten von Fällen wurden ganze Großstadtgebiete abgeriegelt. Es wurde erklärt, dass eine Impfquote von 80-85 %1 erreicht werden muss, bevor diese Strategie überdacht würde. Auch das verarbeitende Gewerbe blieb von diesem Vorgehen nicht verschont, und dem Industriezentrum Guangdong wurden strenge Auflagen gemacht. Eine solche Vorgehensweise, der die Wirtschaftstätigkeit sofort abwürgen kann, um sie dann wie einen Lichtschalter wieder einzuschalten, sobald die Fallzahlen zurückgehen, ist disruptiv. Denn es ist oft einfacher, die Wirtschaftstätigkeit einzustellen, als sie wieder in Gang zu bringen. Die weltweit steigenden Frachtkosten sind ein Indiz für die Überlastung, die durch Chinas Corona-Intoleranz verursacht wurde, zu der auch die Schließung von Ningbo-Zhoushan, des drittgrößten Hafens der Welt, wegen eines positiven Falls gehört.

Abbildung 1: Chinas Impfrate übertrifft die von Großbritannien und den USA, erreicht aber nicht die Voraussetzung von 80-85% für die Wiedereröffnung

Quelle: Bloomberg, NCOVCNPV Index (China), NCOVGBPV Index (UK), NCOVUSPV Index (US), NCOVFRPV Index (Frankreich), 8. August 2021 bis 27. Oktober 2021

Abbildung 2: Steigende Frachtkosten für Container

Quelle: Bloomberg, WCI (World Container Index) Composite Container Freight Benchmark Rate (WCIDCOMP), 21. Oktober 2020 bis 21. Oktober 2021

Konsum

Der chinesische Einzelhandelskonsum bleibt schwach. Er ist weit hinter den Erwartungen, dass er sich mit der Aufhebung der Restriktionen verbessern würde, zurückgeblieben. Es gibt kaum Anzeichen für eine Erholung, und das Wachstum der Einzelhandelsumsätze in China nach Corona bleibt deutlich unter der Wachstumsrate von 8 %2 vor der Pandemie, die im Dezember 2019 verzeichnet wurde.

Der schwache Konsum könnte darauf zurückzuführen sein, dass die größte Belastung durch die wirtschaftlichen Auswirkungen von Corona von denjenigen getragen wird, die am anfälligsten dafür sind. Geringverdiener machen 40 %2 der Bevölkerung aus, und die Arbeitsmarktdaten deuten darauf hin, dass ihr Einkommen nicht im gleichen Maße gestiegen ist wie das der einträglicheren Berufe wie Technologie und Finanzdienstleistungen.

Abbildung 3: Die Einkommensunterschiede haben sich verschärft, da einkommensschwache Bevölkerungsgruppen die Hauptlast von Corona zu tragen hatten

Quelle: Barclays Research, Sonderthema: China, Politische Entwicklung, September 2021

 Gleichzeitig stiegen die Sparquoten der privaten Haushalte infolge der Lockdowns. Sie wurden aber von den Sparern nicht genutzt, um einen konsumorientierten Aufschwung herbeizuführen, als die Wirtschaft wieder ansprang. Dies könnte die Störung und Unsicherheit widerspiegeln, die sich aus dem Null-Corona-Ansatz ergeben, bei dem plötzliche Beschränkungen die Planung von Freizeitausgaben erschweren. Außerdem könnte es darauf hindeuten, dass die Verbraucher hinsichtlich ihrer künftigen Beschäftigungsperspektiven vorsichtig sind.

Abbildung 4: Schneller Anstieg der Spareinlagen

Quelle: Barclays Research, Sonderthema: China, Politische Entwicklung, September 2021

Kredit

Ein weiterer Faktor, der die Kauflust der Verbraucher beeinträchtigen könnte, ist das harte Durchgreifen der Regierung im Immobiliensektor. Die Regierung hat erklärt, dass sie nicht möchte, dass der Wohnungsmarkt zu einem Spekulationsmarkt wird. Immobilien sind in China von gesellschaftlicher Bedeutung und machen 23,3 % des BIP aus3. Die Maßnahmen zur Stabilisierung des Wohnungsmarktes beginnen zu greifen. Allerdings scheinen sie über das Ziel hinausgeschossen zu sein und diesen Wachstumsmotor zu bremsen.

 Abbildung 5: Jahreswachstum bei den Wohnungsverkäufen und deren Aufschlüsselung nach Stadtteilen

Quelle: Nomura Global Research, China: Immobilienbezogene Indikatoren haben sich im September, Oktober 2021 weitgehend verschlechtert. Der Rang einer Stadt errechnet sich aus dem Durchschnitt ihrer politischen Stellung, ihrer Bevölkerung und ihres BIP. Stufe 1 spiegelt die größten Städte wider.

Ein Teil des Risikos, das sich aus einer Abschwächung des Immobiliensektors in Verbindung mit einer strengeren Schuldenpolitik der Regierung ergibt, hat sich bereits in den Schwierigkeiten von Evergrande, dem großen chinesischen Immobilienentwickler, gezeigt. Das Systemrisiko, das von der Evergrande-Saga ausgeht, dürfte gering sein, da die Banken nur ein begrenztes direktes Exposure in immobilienbezogenen Krediten haben und China die Folgen einer übermäßigen Belastung wahrscheinlich in Grenzen halten wird. Dennoch dürfte die Unterstützung eher auf Hauskäufer als auf die Rettung von Unternehmen an sich abzielen, sodass die Aktien- und Credit-Märkte möglicherweise einige Verluste auffangen müssen. Die Reaktion ist auf den Credit-Märkten zu beobachten: Die Credit-Spreads in China weiten sich aus. Bislang ist die Ausbreitung und ihre Ausweitung über China hinaus begrenzt, da sich die Spreads für Hochzins- und Investment-Grade-Anleihen der Schwellenländer kaum verändert haben.

Abbildung 6: Geringe Reaktion der Credit-Märkte außerhalb Chinas

Quelle: Bloomberg, JPMorgan CEMBI = JPMorgan Corporate Emerging Market Bond Index, JBCDCBZW Index (Broad Diversified); JBCDIGZW Index (High Grade oder Investment Grade); JBCDHYZW Index (High Yield); JBCDCNZW Index (China). 1. Oktober 2020 bis 21. Oktober 2021

Die Bemühungen, die hohe Verschuldung im Immobiliensektor in den Griff zu bekommen, sind Teil der allgemeinen Maßnahmen zur Begrenzung des Kreditwachstums. Zur Unterstützung der Strategie der Kreditverknappung wurden wichtige politische Maßnahmen ergriffen, darunter2:

  • Die People's Bank of China (PBoC) schränkt die Vergabe von Immobilienkrediten ein (einschließlich Treuhand- und Anleihefinanzierung für Bauträger und Hypotheken für Verbraucher).
  • Das Finanzministerium (MoF) verschärft die Auflagen für lokale staatliche Finanzierungsgesellschaften (LGFV) und die Emission von Anleihen. Der Staatsrat duldete auch den Ausfall von LGFVs.
  • Die chinesische Aufsichtsbehörde für das Bank- und Versicherungswesen (CBIRC) verschärft den Umgang mit Treuhand- und Schattenfinanzierungen und strebt für 2021 eine Reduzierung um 1 Billion CNY an.

China hat jahrzehntelang ein beachtliches schuldenfinanziertes Wachstum erlebt. Die steigende Verschuldung in Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steht in einem positiven Verhältnis zum chinesischen Pro-Kopf-BIP. Das Risiko für die Welt besteht darin, dass Chinas Absicht, die Verschuldung abzubauen, zu einem langsameren Binnenwachstum führt, was wiederum Auswirkungen auf das globale Wachstum hat.

Abbildung 7: Chinas schuldenfinanziertes Wachstum

Quelle: Bloomberg, CHBGDTOP Index (R1), GDCCPCHN Index (L1), 31. Dezember 2004 bis 31. Dezember 2020

Quelle: Deutsche Bank, Exit Strategy Policy Tracker, Oktober 2021
Quelle: Barclays Research, Spezialthema: China, Politische Entwicklung, September 2021
Quelle: Goldman Sachs Economics Research, China Data Insights: Wie groß ist Chinas Immobiliensektor, Oktober 2021

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen. Das NewsCenter ist eine kostenpflichtige Sonderwerbeform der e-fundresearch.com AG für Asset Management Unternehmen. Copyright und ausschließliche inhaltliche Verantwortung liegt beim Asset Management Unternehmen als Nutzer der NewsCenter Sonderwerbeform. Alle NewsCenter Meldungen stellen Presseinformationen oder Marketingmitteilungen dar.
Für diesen Suchebgriff konnten wir leider keine Ergebnisse finden!
Fonds auf e-fundresearch.com

Weitere Informationen zu diesem Fonds Kennzahlen per 31.10.2021 / © Morningstar Direct
Bereiche auf e-fundresearch.com
NewsCenter auf e-fundresearch.com
Kontakte auf e-fundresearch.com

{{ contact.email }}

{{ contact.phonenumber }}

{{ contact.secondary_phonenumber }}

{{ contact.address }}

Weitere Informationen im {{ contact.newscenter.title }} Newscenter
Artikel auf e-fundresearch.com