Warum High Yield-Anleihen wieder eine sinnvolle Portfoliobeimischung sein können

Kathrein Privatbank | 24.01.2023 09:07 Uhr
Harald Besser, Leiter Portfolio Management, Kathrein Privatbank / © e-fundresearch.com / Kathrein Privatbank
Harald Besser, Leiter Portfolio Management, Kathrein Privatbank / © e-fundresearch.com / Kathrein Privatbank

Nachdem wir High Yield-Anleihen (Hochzinsanleihen) seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 aus den Portfolios genommen haben, beginnen wir nun wieder diese beizumischen. Grund dafür ist eine langfristig positive Konjunkturerwartung und ein Sinken der Inflation. High Yields sind eine relevante Komponente in jeder Anleihenallokation, da sie höheres Ertragspotential aufweisen als Investment-Grade-Anleihen und auch weniger stark mit diesen korrelieren, also eine gute Diversifikation bringen können.

Hochzinsanleihen sind Anleihen mit einem Rating unter BBB-, höher geratete Anleihen werden als Investment Grade Anleihen bezeichnet. Das Rating bezieht sich auf die Ausfallwahrscheinlichkeit einer Anleihe. Je risikoreicher ein Papier eingestuft wird, desto höher auch die Kupons (also die Zinsen) die auf diese Papiere gezahlt werden.

Wachsender Markt

Der globale High Yield Markt hat 3700 Einzeltitel mit einem Gegenwert von rund 2,5 Billionen USD, gemessen am Bloomberg Global HY Index. Dabei beträgt die durchschnittliche Restlaufzeit 6,2 Jahre bei einer Rendite von 8,6%. Bei Euro-Emissionen liegen die Renditen bei rund 7% und in USD bei 8,2%. Diese Angaben schwanken stark je nach Risikokategorie und werden durch zu erwartende Ausfallsraten noch reduziert. Dabei ist ein Ausfall auch nicht immer einer zu 100% sondern je nach Recovery Rate. 2022 sind die High Yield-Renditen mit jenen der US-Treasuries angestiegen und haben nun möglichweise einen Höchststand gefunden. Diese Entwicklung wird als ein sehr positives Signal für Corporate Amerika und die Konjunktur gesehen.

Die Rolle von High Yields im Portfolio

Hochzinsanleihen bilden einen wesentlichen Bestandteil unseres Anleihenportfolios bei positiver Konjunkturaussicht. Daher waren diese seit dem Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 nicht mehr in unserem Anleihenportfolio. Diese Positionierung beginnt sich nun allmählich zu ändern, sodass wir nun wieder 1,5% europäische High Yield Anleihen gewichtet haben. High Yields weisen nicht nur ein höheres Ertragspotential als Investment-Grade-Anleihen auf, sie korrelieren auch weniger stark mit ihnen. Hochzinsanleihen sind demnach ein guter Diversifikator im Anleihenportfolio.

Sollte sich das konjunkturelle Umfeld sowie die Inflationserwartungen weiter verbessern, so würden wir diese Positionierung ausbauen. Generell empfehlen wir aber Hochzinsanleihen nie als Einzelposition, sondern nur als breit diversifiziertes Portfolio, da die Ausfallsrisiken hier zu hoch sind. In Bezug auf Rendite, Renditespanne und Ausfallraten sind Hochzinsanleihen so attraktiv wie schon lange nicht mehr, obwohl angesichts der allgemeinen Wirtschaftslage, der Inflation und der Maßnahmen der Zentralbanken weiterhin Vorsicht angebracht ist.

Von Harald Besser, Leiter Portfolio Management bei der Kathrein Privatbank

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