… dann also noch einmal. Die amerikanische Notenbank (Fed) hat vergangene Woche die Leitzinsen abermals um 25 Basispunkte (0,25%) gesenkt; dies geschah unter Jerome Powell. Da man im Mai 2026 mit einer Ablösung von ihm rechnet, dürfte es — neben dem Ausblick, den er in der Pressekonferenz gegeben hat — auch die letzte Zinssenkung unter seiner Führung gewesen sein. Die Entscheidung war nicht einstimmig: Es gab drei Gegenstimmen mit dem Argument, die Inflation sei zu hoch und eine Zinssenkung daher nicht gerechtfertigt; eine Stimme votierte mit Blick auf den Arbeitsmarkt sogar für eine Senkung um 50 Basispunkte. Das war in diesem Jahr die dritte Zinssenkung um 25 Basispunkte. Das Leitzinsband ist also von 4,25%–4,50% auf 3,50%–3,75% zurückgegangen. Zum Jahresultimo 2024 waren die Erwartungen noch deutlich verhaltener; vor nicht ganz einem Jahr wurden nicht einmal zwei Zinssenkungen erwartet.
Was hat sich in der Zwischenzeit geändert?
Der Arbeitsmarkt hat sich jüngst deutlich abgeschwächt; das Beschäftigungswachstum ist ebenfalls zurückgegangen (Bloomberg, 12.12.2025). Da die Fed nicht nur ein Inflationsziel, sondern auch ein Beschäftigungsziel verfolgt, reagiert sie dynamischer als die EZB, wenn sie Risiken am Arbeitsmarkt erkennt. Das Handeln der Fed zeigt einmal mehr, wie entschlossen die amerikanische Notenbank ist, zu handeln und dabei das Beschäftigungsziel im Blick zu behalten. Die Inflationsraten liegen zwar weiterhin über 2% und sind etwas höher als von März bis Mai, doch die Fed vertritt die Auffassung, dass der Inflationsdruck vorübergehend ist — fachsprachlich spricht man von „transitorisch“, da Zölle („tariffs“) das Preisniveau einmalig verschoben haben und mit einem Rückgang der Inflationsraten in den nächsten Monaten gerechnet wird. Da die Fed die Zinsen früher als erwartet gesenkt hat, sind die Renditen für amerikanische Staatsanleihen seit Jahresbeginn merklich gefallen; Restlaufzeiten bis zu sieben Jahren verzeichneten Renditerückgänge von über 60 Basispunkten. Zehnjährige Staatsanleihen weisen derzeit eine Rendite von 4,17% (Stand: 12.12.2025, Quelle: Bloomberg) auf; zum Jahresultimo lagen die Renditen in diesem Laufzeitenbereich noch bei 4,57%, und zwischenzeitlich stiegen sie sogar auf 4,79%, was zu Jahresbeginn auch ein Hemmnis für den amerikanischen Aktienmarkt darstellte.
Wie es weitergeht auf dem Zinssenkungspfad
Für das nächste Jahr erwarten die Marktteilnehmer noch zwei weitere Leitzinssenkungen. Diese erwarteten Senkungen dürften den Anleihen- und Aktienmarkt in den USA stützen; der USD wird davon aller Voraussicht nach nicht profitieren. Seitens der Fed wird jedoch nur noch eine Senkung für 2026 signalisiert. Insgesamt war dieses Jahr trotz der bis Ende April aufgrund von Trumps erratischer Zollpolitik hohen Marktvolatilität positiv: Niedrigere Leitzinsen in diesem unerwarteten Ausmaß haben die Anleihenrenditen gesenkt. Geringere Anleihenrenditen machten den US-Aktienmarkt deutlich attraktiver, sodass er ein weiteres gutes Jahr verzeichnete, zumindest in USD. Der USD ist aufgrund der gesunkenen Leitzinsen und der noch erwarteten Senkungen gegenüber dem Euro deutlich schwächer geworden und hat beinahe 12% verloren (Bloomberg, 12.12.2025); dieses Währungsminus hat die Aktiengewinne in den USA für einen Euro-Investor erheblich geschmälert. Wir bei Kathrein beobachten die Währungen stets mit besonderem Fokus auf den USD; seit Jahresbeginn haben wir einen großen Teil der Investments in USD abgesichert und passen unsere Positionierung dynamisch an den Markt an. Aktuell ist unsere Positionierung neutral — das heißt, wir haben für etwa 50% der US-Aktien den USD abgesichert. Wir haben einen neuen Fonds aufgelegt, der in den USA investiert und eine Absicherung des USD-Währungsrisikos vorsieht, wodurch das Währungsrisiko reduziert, aber nicht vollständig ausgeschlossen werden kann.
Von Andreas Weidinger, LEITUNG PORTFOLIOMANAGEMENT, Kathrein Privatbank
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