Welche Erkenntnisse das WEF in Davos abseits von Grönland brachte

Das World Economic Forum 2026 stand offiziell im Zeichen des Dialogs, wurde jedoch von politischen Spannungen geprägt. In Davos rückte vor allem die Künstliche Intelligenz in den Fokus. Während Tech-CEOs euphorisch sind, bleibt Europa zurückhaltend. Verliert der Kontinent den Anschluss? Kathrein Privatbank | 27.01.2026 15:24 Uhr
Josef Stadler, Portfoliomanager, Kathrein Privatbank / © e-fundresearch.com / Kathrein Privatbank
Josef Stadler, Portfoliomanager, Kathrein Privatbank / © e-fundresearch.com / Kathrein Privatbank

Dieses Jahr stand das World Economic Forum (WEF) unter dem Motto „A Spirit of Dialogue“ – ein „Geist des Dialogs“. Durch Trumps Monolog am zweiten Tag der Veranstaltung und die vorangegangenen Drohungen bezüglich Grönlands wurde dieses Motto jedoch demontiert. Seine letztliche Absage an eine militärische Intervention sowie an Strafzölle gegen europäische Handelspartner ließ die Märkte aufatmen. Abseits von Trumps Drohungen und Rundumschlägen waren jedoch auch interessante Einblicke zur Zukunft der Künstlichen Intelligenz (KI) zu gewinnen.

Larry Fink, CEO von BlackRock und Co-Chair des WEF in Davos, sieht ungeahnte Chancen durch Investitionen in KI-Infrastruktur und -Anwendungen. Eine KI-Blase kann er nicht erkennen, denn bei einem Thema sind sich die anwesenden Entscheidungsträger (laut Veranstalter rund 3.000) aus Wirtschaft und Politik einig: KI ist ein Game-Changer. Dementsprechend sammelt er zusammen mit potenten Investoren aus aller Welt unermüdlich Kapital ein, um die notwendigen Investitionen voranzutreiben. Ins gleiche Horn blasen unter anderem Nvidia-CEO Jensen Huang, Microsoft-Chef Satya Nadella, und auch Elon Musk gibt sich optimistisch, dass KI die Welt nachhaltig verändern wird. Europa investiert nach Meinung von Satya Nadella noch viel zu wenig in KI und könnte deshalb den Anschluss verlieren.

Verliert Europa den Anschluss?

Die europäischen CEOs geben sich selbstbewusst und sehen ihre Stärken weniger in der digitalen Welt als vielmehr im Industriebereich. Siemens-Vorstand Roland Busch positioniert sich als Weltmarktführer bei „Industrial AI“ und sieht hier bessere Chancen, den Umsatz und die Margen im Unternehmen zu steigern. SAP-Chef Christian Klein warnt jedoch vor der Kopie des US-Modells. Die Forderung nach staatlich geförderten Rechenzentren in Europa sieht er sogar als „fehlgeleitete Lösung für das falsche Problem“. SAP setzt auf die Integration von KI-Agenten in Geschäftsprozesse. Seiner Meinung nach bringt technologischer Fortschritt allein kein zusätzliches Wachstum, wenn er nicht durch operative Wertschöpfung begleitet wird.

Die europäische Sichtweise bei KI ist jedenfalls nicht so euphorisch, wie es die CEOs der Tech-Giganten prophezeien. In der am Montag, 19. Januar 2026, veröffentlichten Studie von PwC (Zwischen KI-Hoffnung und Cyberangst – wie deutsche CEOs Erfolg neu erfinden - PwC) zeigt sich deutlich, dass deutsche Manager vorsichtig bleiben. Messbar höhere Umsätze durch KI können nur 11% der befragten CEOs bestätigen (global 29%).

Keine Frage, in Sachen Finanzierung und Umsetzung sind die USA der globale Leader, gefolgt von China und anderen aufstrebenden Nationen wie Indien. Europa hat indes Aufholpotential und braucht mehr Mut und Agilität, um die angekündigten Infrastruktur-Investitionen auch zur Umsetzung zu bringen.

Künstliche Intelligenz

Aus wirtschaftlicher Sicht stellt sich die Frage, ob sich die geplanten Projekte auch lohnen. Der Kapitalbedarf ist enorm, und ebenso das Risiko, dass sich die Investitionen nicht in der geplanten Zeit rechnen oder womöglich sogar zu massiven Wertberichtigungen führen.

Unsere Berechnungen für die „Magnificent 7“ (Amazon, Apple, Alphabet (Google), Meta, Microsoft, Nvidia, Tesla) haben ergeben, dass sich die Investitionen (CAPEX) im vergangenen Jahr zwar massiv auf mehr als 590 Mrd. USD erhöht haben, der Free Cash-Flow im selben Zeitraum jedoch auch auf mehr als 530 Mrd. USD gewachsen ist und trotz der massiven Investitionen weiterhin positiv bleibt.

Aus unserer Sicht gibt es derzeit keine klaren Parallelen zwischen dem Markt und der Techblase von 2000.

Wir bleiben positiv für Aktieninvestments, sind jedoch sehr selektiv bei der Aktienauswahl und finden innerhalb unseres Anlage-Universums auch weiterhin interessante Unternehmen.

Von Josef Stadler, Portfoliomanager, Kathrein Privatbank

1 Quelle: Bloomberg Finance L.P.

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