Der Abverkauf bei Tech-Werten in der vergangenen Woche kam nicht ganz überraschend. Die These „AI eats software“, salopp übersetzt: „Künstliche Intelligenz (KI) macht Software überflüssig“, sorgt schon seit einigen Monaten für Unruhe bei Investoren. Werden die Fortschritte rund um die Künstliche Intelligenz nun selbst Software-Unternehmen zum Verhängnis? Seit einiger Zeit stehen einige Softwareapplikationen, Geschäftsmodelle und in weiterer Folge ganze Unternehmen vor einem Dilemma: Werden die versprochenen Produktivitätsgewinne, Effizienzsteigerungen und damit verbundenen Kostenreduktionen sie möglicherweise selbst obsolet machen? Führen die Milliardeninvestitionen einiger Unternehmen nun zum Untergang bisher gut gehender Softwareschmieden? Diese Frage stellten sich offensichtlich Investoren rund um den Globus. Als Resultat gerieten Softwareunternehmen unter Druck und sahen sich schmerzhaften Kursrückgängen gegenüber.
Sentiment vs. Fundamentaldaten
Einen wesentlichen Beitrag zu dem rasanten Stimmungswandel an den Börsen leisteten kürzlich vorgestellte Funktionen eines Co-Working-Tools des KI-Unternehmens Anthropic PBC. Das Tool soll in der Lage sein, selbst komplexe Aufgaben zu meistern – von Datenanalyse bis hin zu juristischen Aufgaben. Diese Spekulationen erfolgen selbstverständlich ohne fundamentale Grundlage. Panik übernahm das Steuer und führte zu einem rasanten Abverkauf exponierter Unternehmen. Das letzte Jahrzehnt war für Software-Unternehmen jedoch durchaus erfreulich, und auch der aktuelle Ausblick scheint eine solide Wachstumsentwicklung einzupreisen. Bei den zukünftigen Wachstumserwartungen dürfte jedoch weniger Konsens darüber herrschen, inwiefern sich die Fortschritte rund um KI auswirken werden. Selbst Unternehmen, die besser als erwartet Ergebnisse erzielen, erleben keine positive Stimmungsänderung, wenn sie nicht überzeugend darlegen konnten, dass KI eine Chance und kein Risiko für das Geschäftsmodell darstellt. Dabei wird jedoch auch vergessen, dass selbst KI-Agenten auf Software-Applikationen zurückgreifen, um bestimmte Aufgaben auszuführen. Dass nun auch Software-Unternehmen von einem heftigen Abverkauf betroffen waren, die bisher eher von Produktivitätssteigerungen profitieren sollten, veranschaulicht auf beeindruckende Weise, in welch erratischem und ungewissen Umfeld wir uns aktuell im Zusammenhang mit KI bewegen.
Volatilität bleibt
Am Freitag, dem 6. Februar, fand eine acht Tage andauernde Kurskorrektur des MSCI World Software Index ein Ende. Es trat eine Beruhigung ein. Die Bewegung erschien inzwischen überzogen und zu heftig. Dem vorausgegangen war ein Kursrückgang von mehr als 16,5% im Zeitraum vom 23. Januar 2026 bis zum 5. Februar 2026 (Quelle: Bloomberg Finance L.P.) – recht beachtlich im Vergleich zum Minus von 1,22% des MSCI World Index. In den letzten fünf Jahren legte der MSCI World Software Index um rund 39,3% (6,85% p.a., Zeitraum: 5. Februar 2021 bis 5. Februar 2026, Quelle: Bloomberg Finance L.P.) zu. Die Bewegung der jüngsten Vergangenheit und aus den Wochen zuvor machte überdies die relative Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt in diesem Zeitraum, der um mehr als 80% zulegte, zunichte. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des MSCI World Software Index fiel auf rund 34, ein Niveau, das zuletzt Anfang 2023 beobachtet wurde. Ob die Unternehmen zu einer ähnlichen Erholung wie rund um den Liberation Day im April 2025 ansetzen, bleibt fraglich. Nachhaltige Skepsis könnte diese Bewegung hemmen. Volatile Fahrwasser scheinen jedenfalls erreicht zu sein.

Produktivität nicht garantiert
Die Errungenschaften von KI-Unternehmen sind zweifellos beachtlich und sorgen unter anderem für Erstaunen. Dass dies in gewisser Weise auch mit schöpferischer Zerstörung einhergehen wird, steht außer Frage. Wer aber die großen Gewinner sein werden, kann niemand vorhersagen. In der Vergangenheit ließ sich beobachten, dass technische Errungenschaften oftmals nicht zu den erhofften Produktivitätssteigerungen führten, insbesondere im Dienstleistungssektor. Diese These wird als Produktivitätsparadoxon dem Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Solow zugeschrieben. Langsame Integration neuer Technologien sowie Fehler, die dabei gemacht werden, hemmen das Potenzial für mehr Produktivität. Wie KI mit Software in Zukunft zusammenspielen wird, welche Unternehmen hier erfolgreich sein werden und in welchen Ländern die größten Fortschritte erzielt werden – das ist alles noch unklar und sorgt für Unsicherheit bei Investoren.
Kathrein Investmentstrategie
Insgesamt erachten wir nach wie vor ein konstruktives Marktumfeld als gegeben. Das Zinsniveau ist niedriger als in den Jahren zuvor. Dies könnte sich positiv auf das Wirtschaftswachstum auswirken. Im Hinblick auf die Tech-Giganten sind wir bereits seit geraumer Zeit vorsichtiger positioniert. Und gegenüber der Software-Industrie sind wir ebenfalls weniger stark exponiert. Dies ist weniger auf Sorgen rund um eine KI-Blase zurückzuführen, sondern beruht vielmehr auf der Stärkung des Diversifikationsgedankens, der Abschwächung des Konzentrationsrisikos und auf Opportunitäten außerhalb dieses Sektors. Gegenüber dem US-Aktienmarkt sind wir ebenfalls weniger stark exponiert als im Vergleich zum globalen MSCI ACWI Index. Das Kapital haben wir zugunsten des europäischen Aktienmarktes allokiert. Beim US-Dollar setzen wir ebenfalls weiterhin auf aktives Management und eine Reduktion des US-Dollar-Fremdwährungsrisikos im Aktien- und Anleihenportfolio.
Von Florian König, Fondsmanager, Kathrein Privatbank
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