US-Berichtssaison gibt Orientierung in turbulentem Marktumfeld

Geopolitische Spannungen zwischen den USA und Iran sowie rechtliche Unsicherheiten rund um US-Zölle rücken wieder in den Fokus der Märkte. Trotz überraschend starker Quartalszahlen der S&P-500-Unternehmen bleibt die Börsenentwicklung verhalten, während Anleger Tech-Titel zunehmend kritischer sehen. Kathrein Privatbank | 25.02.2026 11:14 Uhr
Josef Stadler, Portfoliomanager, Kathrein Privatbank / © e-fundresearch.com / Kathrein Privatbank
Josef Stadler, Portfoliomanager, Kathrein Privatbank / © e-fundresearch.com / Kathrein Privatbank

Während Tech-Titel in der Gunst der Anleger weiter verlieren, baut Trump an einer militärischen Drohkulisse für den Iran und diese Entwicklung lässt geopolitische Sorgen wieder ins Zentrum der Aufmerksamkeit für Anleger rücken. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes einen Teil der Zölle für illegal zu erklären sorgt für weitere Unsicherheit. Durch diese Ereignisse wird die US-Berichtssaison, die bisher durchaus positiv zu überraschen wusste, etwas in den Hintergrund gedrängt.

Rund 85% der S&P 500 Unternehmen ihre Quartalszahlen für das vierte Quartal 2025 offengelegt (Bloomberg, 20.2.2025) und sowohl das Gewinn- als auch das Umsatzwachstum in den USA übertrifft die Erwartungen der Analysten. So sind die Gewinne um mehr als 12% gegenüber dem vierten Quartal 2024 angestiegen und auch die Umsätze verzeichneten ein Plus von 8,9%. Interessant ist auch, dass diesmal alle 11 Sektoren ein positives Gewinnwachstum aufweisen konnten (Bloomberg, 20.2.2025). Zweistellige Anstiege waren bei den Rohstoffunternehmen, im IT-Sektor, im Industriesektor, bei den Finanzdienstleistern und auch im Sektor Kommunikationsservices zu beobachten. Am unteren Ende der Wachstumsskala finden wir die Konsumgüterindustrie, die Immobilienunternehmen und den Gesundheitssektor. Beim Umsatz melden 10 der 11 Sektoren ein Plus. Einzig der Energiesektor verzeichnete im vierten Quartal 2024 einen Umsatzrückgang um rund 1,3%.

Trotz dieser positiven Entwicklung tritt der S&P 500 seit Jahresbeginn auf der Stelle (+0,24% in US-Dollar, Quelle: Bloomberg, Stand Börsenschluss am Freitag, 20.2.2026).

Das liegt u.a. auch daran, dass die Schwergewichte im Index nicht mehr an die Performance der vergangenen Jahre anknüpfen konnten. Die Investoren sehen die ausufernden Investitionen in neue Datencenter kritisch und halten sich mit weiteren Investments im IT-Sektor zurück. Auch der Abverkauf im Subsektor Software (Siehe dazu unser voriges Markets Mail: Warum Software eine harte Landung hinlegt » Kathrein) trug negativ zum Sentiment und natürlich auch zur Performance des Index bei.

Nvidia hat als einziges der großen US-Tech-Unternehmen noch keine Zahlen veröffentlicht. Die Daten werden am 25.2.2026 nach US-Börsenschluss vorliegen.

Säbelrasseln im Mittleren Osten

Die Aussicht auf eine potenzielle Eskalation im Konflikt USA – Iran könnte die Anleger nun zu einer Neubewertung ihrer Positionen zwingen. Im Zentrum der Sorgen steht die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schlagadern der globalen Energieversorgung. Ein militärischer Konflikt in dieser Region könnte die mühsam erreichte Stabilisierung der Energiepreise zunichtemachen.

Präsident Trump möchte einen „Deal“, um eine Einigung über das Atomprogramm des Iran nach den Vorstellungen der USA und Israel zu erzielen. Sollte keine Einigung erzielt werden schließt der Präsident militärische Schläge gegen das Mullah Regime nicht mehr aus.

Obwohl der iranische Luftraum weitgehend ungeschützt ist, wie die US-Luftangriffe auf das iranische Atomprogramm im Juni 2025 gezeigt haben, ist ein erneuter Angriff auf Ziele im Iran eine große Gefahr für die Stabilität im Mittleren Osten.

Russland warnt vor einem militärischen Schlag und nimmt gemeinsam mit iranischen Streitkräften an Marineübungen in der Straße von Hormus teil.

Irans UN-Botschafter warnte, dass jegliche militärische Aktion der USA eine „entschlossene und verhältnismäßige“ Antwort nach sich ziehen würde.

Wie ernst die Drohgebärden des US-Präsidenten sind, ist schwer analysieren. Wir beobachten die Entwicklungen und werden unsere Einschätzungen entsprechend anpassen.

Von Josef Stadler, Portfoliomanager, Kathrein Privatbank

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