Ölpreisschock durch den Irankrieg: Warum Besonnenheit jetzt die härteste Währung ist

Der Irankrieg lässt den Ölpreis steigen und verunsichert die Märkte. Harald Besser (Kathrein Privatbank) ordnet die Lage ein, erklärt die Bedeutung der Straße von Hormuz und zeigt, warum Anleger in der aktuellen Krise auf Diversifikation und Besonnenheit setzen sollten. Kathrein Privatbank | 10.03.2026 14:00 Uhr
Harald Besser, Leiter Portfolio Management bei der Kathrein Privatbank / © e-fundresearch.com / Kathrein Privatbank
Harald Besser, Leiter Portfolio Management bei der Kathrein Privatbank / © e-fundresearch.com / Kathrein Privatbank

Es sind Bilder, die niemanden kalt lassen. Die Nachrichten, die uns in diesen Tagen aus dem Nahen Osten erreichen, führen uns erneut das menschliche Leid vor Augen, das Kriege unvermeidlich mit sich bringen. Gleichzeitig spüren wir als Mitteleuropäer oft eine gewisse Ohnmacht gegenüber der enormen Komplexität dieser Region. Das Geflecht aus religiösen Strömungen, ethnischen Bruchlinien – von Kurden über Belutschen bis zu den Machtzentren in Teheran – und historischen Feindschaften ist für Außenstehende oft kaum zu durchschauen. Doch an den Finanzmärkten herrscht eine andere, kältere Logik. Hier werden diese geopolitischen Tragödien primär durch eine Variable übersetzt: den Ölpreis. Und dieser wird aktuell von einem Faktor bestimmt, der vielen Anlegern in der Hektik der Schlagzeilen entgeht: Es gibt eigentlich Öl im Überfluss.

Das Nadelöhr und der Überfluss

Vor dem Ausbruch der aktuellen Eskalation befanden sich die Ölmärkte in einer komfortablen Situation. Wir sahen einen globalen Angebotsüberschuss von rund 3 bis 4 Millionen Barrel pro Tag (Bloomberg, 5.3.2026). Die Lager waren gefüllt, die Weltwirtschaft gut versorgt. Doch dieses Gleichgewicht steht und fällt mit einem einzigen geographischen Punkt: der Straße von Hormuz. Wenn dieses Nadelöhr, durch das etwa 20 % der weltweiten Ölversorgung fließen, „gedrosselt“ wird, trifft das vor allem die importabhängigen Volkswirtschaften in Asien und Europa hart. Die USA hingegen können sich weitgehend selbst versorgen.

Ein Blick in den Rückspiegel: Wo stehen wir historisch?

Um die aktuelle Aufregung einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf die langfristige Entwicklung des Ölpreises seit der Jahrtausendwende (alle Angaben Bloomberg, 5.3.2026).

  • Die 1990er Jahre: Geprägt durch die Asienkrise erlebten wir eine Niedrigpreisphase mit einem Tiefstand von 10,65 USD (WTI) im Jahr 1998.
  • 2001–2008: Der Rohstoff-Superzyklus, getrieben durch den China-Boom, führte zu einem massiven Anstieg von 17,10 USD auf das Allzeithoch von rund 147 USD im Juli 2008.
  • 2008/2009: Im Zuge der Finanzkrise und des damit verbundenen Nachfrageeinbruchs folgte der Absturz auf ca. 35 USD in nur fünf Monaten.
  • 2020: Die COVID-19-Pandemie und die Lockdowns sorgten für einen historischen Einbruch, bei dem WTI-Futures kurzzeitig sogar in den negativen Bereich fielen (-37,63 USD).
  • 2022: Der Russland-Ukraine-Krieg trieb den Preis aufgrund von Sanktionsängsten auf knapp 130 USD (Brent), gefolgt von einer Preisdeckelung durch die G7.

Diese historische Einordnung ist wichtig: Selbst der aktuelle Anstieg auf über 80 USD ist im historischen Vergleich kein Extremereignis, sondern eine Rückkehr in bekannte Handelsspannen.

Die entscheidende Frage ist weniger, wie lange der Krieg sich hinzieht, als wie lange die Straße von Hormuz blockiert bleibt. Je länger die Lieferunterbrechung andauert, desto gravierender wären die Auswirkungen; Inflationssorgen und mögliche Änderungen der Zinspfade der Zentralbanken sind darin eingeschlossen.

Qualität statt Timing

In solchen Phasen ist die Versuchung groß, das Depot radikal umzubauen oder auf den "perfekten Moment" für Ein- oder Ausstiege zu warten. Doch Markettiming ist in geopolitischen Krisen fast unmöglich. Die Märkte reagieren oft binnen Stunden – schneller, als jeder Privatanleger handeln kann. Ein Schutz vor diesen kurzfristigen Einflüssen ist kaum möglich. In Zeiten sinkender Märkte oder geopolitischer Unsicherheit zeigt sich die wahre Qualität einer Veranlagung. Solide Finanzen, geringe Verschuldung und starke Marktpositionen von Unternehmen werden jetzt honoriert. Wer über eine professionelle, diversifizierte Asset-Allokation verfügt, muss die hektischen Bewegungen der Tagespolitik nicht fürchten – er muss sie nur aushalten.

Von Harald Besser, Leiter Portfolio Management bei der Kathrein Privatbank

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