Positive Überraschungen bei Gewinn- und Umsatzwachstum im ersten Quartal stellen die Sorgen betreffend hoher Energiepreise und Lieferkettenengpässe vorerst in den Schatten. Die US-Berichtssaison nähert sich ihrem Höhepunkt und die Investoren werden in dem von Unsicherheit geprägten geopolitischen Spannungsfeld positiv überrascht.
Also alles nicht so schlimm?
Bisher (30.4.2026) haben rund 60% der S&P 500 Unternehmen ihre Quartalszahlen veröffentlicht und man kann feststellen, dass die Analysten mit ihren Schätzungen wieder einmal zu vorsichtig waren. Die Gewinne wurden bisher nämlich im Durchschnitt um 30% übertroffen und auch bei den Umsatzzahlen lagen die Erwartungen unter dem Anstieg von aktuell 11,5% daneben. Die Analystenschätzungen für das Jahr 2026 haben daher noch Spielraum nach oben, da auch der Ausblick vieler Unternehmen bisher optimistischer ausfällt als erwartet.
Allein in der Woche vom 27. April bis 1. Mai 2026 berichteten mehr als ein Drittel der S&P 500 Unternehmen. Am 29.4.2026 wurde mit den Ergebnisveröffentlichungen der „Mega-Cap“-Unternehmen (Amazon, Alphabet, Meta Platforms und Microsoft) die zu diesem Zeitpunkt insg. USD 11,3 Billionen Marktkapitalisierung repräsentieren der vorläufige Höhepunkt der Berichtssaison erreicht.
„Big Tech“
Der Google Mutterkonzern hat im ersten Quartal 2026 mit einem um mehr als 80% höheren Quartalsgewinn als in der Vorjahrperiode geglänzt. Auch das Umsatzwachstum lag mit +22% über den Erwartungen des Konsenses. Das Wachstum wäre noch höher ausgefallen, wenn es derzeit nicht zu Engpässen bei der benötigten Computerhardware kommen würde.
Amazon hat mit mehr als 180 Mrd. Umsatz dank des starken Wachstums in der Cloud-Sparte AWS und höheren Werbeeinnahmen deutlich mehr pro Aktie verdient als vorhergesagt.
Auch Microsoft hat bei einem Quartalsumsatz von 81,4 Mrd. USD deutlich mehr Gewinn gemacht als von den Analysten erwartet.
Die Finanzzahlen von Meta Platform (mit den Marken Facebook, Instagram, Whatsapp) lagen ebenfalls über den Erwartungen. Bei einem Quartalsumsatz von 56,3 Mrd. USD wurde ein Nettogewinn von 26,7 Mrd. USD eingefahren, wobei rund 8 Mrd. USD davon aus einer Steuergutschrift resultieren.
Allein die Tech-Unternehmen, die jetzt ihre Zahlen vorgelegt haben, planen heuer zusammen mehr als 600 Milliarden USD an Investitionen in Hardware (Stichwort: „Datacenters“). Das ist mit ein Grund warum manche Analysten und Investoren die Geschäftsmodelle der so genannter „Hyperscaler“ noch genauer unter die Lupe nehmen.
Abseits von den Mega-Caps kommt es aufgrund der Verwerfungen auf den Energiemärkten zu sehr unterschiedlichen Reaktionen.
Jene Unternehmen, die von den aktuell hohen Energiepreisen direkt betroffen sind, halten sich mit Prognosen zurück. Fluglinien oder Transportunternehmen bemühen sich die Anleger zu beruhigen und verweisen auf Hedging-Programme, Preiserhöhungen oder Optimierung ihres Angebots.
Zweistellige Gewinnzuwächse melden hingegen nicht nur die Öl-Multis, sondern auch die Öl- und Gas Zulieferindustrie, aber auch Industrietitel wie Caterpillar oder der deutsche Chemiekonzern BASF.
Die ungebrochen hohe Nachfrage nach Speicherchips bescherte den Firmen in diesem Sub-Sektor massive Umsatz- und Gewinnanstiege. Etwas verhaltener aber immer noch mit Wachstumsraten im mittleren einstelligen Prozentbereich präsentieren sich die Konsumtitel und auch die Pharmawerte.
Und wie schlagen sich die Unternehmen in Europa?
In Europa haben erst rund ein Viertel der größten 600 Unternehmen über ihre Geschäftsgebarung berichtet. Das Gewinnwachstum liegt aktuell bei rund 11%, das Umsatzwachstum ist hingegen nur im niedrigen einstelligen Bereich. Auf Sektorenebene konnten Energie, Kommunikationsservices und der Finanzsektor überdurchschnittlich gut performen, während der Gesundheitssektor, die Industrietitel und Versorger rückläufige Wachstumsraten aufweisen.
In Europa liegt der Anteil der Unternehmen mit positiven Gewinnüberraschungen nur bei rund 53% liegt, die US-Titel hingegen konnten bisher mit einer Rate von 79% überzeugen.
Der US-Markt hat daher seit Jahresbeginn nun wieder bei der Performance die Nase vorne. Europa hinkt mangels großer Player dem AI-getriebenen Wachstum hinterher und spürt zudem die Auswirkungen des Energieschocks deutlich stärker als die USA.
Kathrein Investment Strategie
Wir haben in unserer Anlagestrategie die Übergewichtung des europäischen Marktes per Ende März 2026 reduziert. In unserem US-Aktienportfolio gehen wir selektiv bei der Aktienauswahl vor und sind im Vergleich zu den globalen Weltaktienmärkten gegenüber den Magnificient-7-Unternehmen (Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta, Nvidia und Tesla) unverändert vorsichtiger positioniert.
Von Josef Stadler, Portfoliomanager, Kathrein Privatbank
1 Bloomberg, 30.4.2026
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