Higher for Longer 2.0: Warum Anleger wieder mit höheren Zinsen rechnen müssen

Andreas Weidinger analysiert, warum der jüngste Ölpreisschock die Inflations- und Zinserwartungen erneut verändert hat. Für Anleger rücken damit Anleihenzinsen, Notenbankpolitik und die Frage nach der richtigen Portfolioausrichtung wieder stärker in den Fokus. Kathrein Privatbank | 21.05.2026 13:40 Uhr
Andreas Weidinger, LEITUNG PORTFOLIOMANAGEMENT, Kathrein Privatbank / © e-fundresearch.com / Kathrein Privatbank
Andreas Weidinger, LEITUNG PORTFOLIOMANAGEMENT, Kathrein Privatbank / © e-fundresearch.com / Kathrein Privatbank

Wie schön war die Welt doch zum Jahreswechsel! Damals wurden noch niedrigere Leitzinsen in den USA erwartet, im Euro-Raum sollten sie kaum steigen, und die rückläufige Inflation war kein Thema mehr. Doch mit Ende Februar kam dann alles anders: Der Angriff von Israel und den USA auf den Iran führte zur Sperrung der Straße von Hormus, die Ölpreise zogen innerhalb kürzester Zeit drastisch an, und damit konnte man alle Inflationsprognosen vom Jahresbeginn in den Mistkübel werfen.

Man muss sich Sisyphos als Notenbanker vorstellen.

Den Notenbanken ergeht es wie Sisyphos: Kurz bevor sie die Zielrate von 2 % erreichen, kommt der Stein wieder ins Rollen, und der nächste Inflationsschub steht vor der Tür. Für viele ist es verlockend, die jetzige Situation mit dem Beginn des Ukraine-Krieges zu vergleichen. Dabei gibt es jedoch große Unterschiede zum Februar 2022: Die Inflation ist bedeutend niedriger, aber noch immer über 2 %, die Leitzinsen höher und die Anleihenzinsen ebenfalls. Das gilt sowohl für den EUR als auch für den USD. Inflation, Leitzinsen und Anleihenzinsen hängen zwar eng zusammen, sind aber nicht eins zu eins miteinander verbunden.

Im Euro-Raum liegt der Einlagezins bei 2,00 % (seit Juni 2025). In den USA liegt die Fed Funds Target Range (oberes Ende) bei 3,75 %.* Damit bleibt die Zinsdifferenz zwischen USD und EUR deutlich, was tendenziell den USD stützen könnte, sofern sich die Zinsdifferenz nicht stark verändert. Langfristig, also über mehrere Jahre, erwarten wir aufgrund der Kaufkraftparität jedoch eher einen schwächeren USD. Die Märkte gehen bis Jahresende von einer kleiner werdenden Zinsdifferenz aus. Man rechnet damit, dass die EZB die Leitzinsen erhöht und die amerikanische Notenbank sie mit allergrößter Wahrscheinlichkeit unverändert belässt.

Inflationsschub 2.0

Bis Jahresende spielt es daher eine große Rolle, wie dauerhaft der Inflationsschub ist. Wird er sich durch den ganzen Verbraucherkorb durchfressen, inklusive möglicher weiterer Effekte auf die Löhne, oder bleibt uns dieses Szenario erspart? Die Notenbanken werden diesmal, im Gegensatz zu 2022, rascher und entschlossener agieren, um es soweit nicht kommen zu lassen und zu verhindern, dass insbesondere die Inflationserwartungen bis Jahresende weiter ansteigen und daraus durch Zweitrundeneffekte weiterer Inflationsdruck entsteht. Sie nehmen also ihre Sisyphosarbeit im Kampf gegen die Inflation wieder auf. Dabei sollte man nicht den Unterschied zwischen FED und EZB vergessen: Die amerikanische Notenbank hat, im Gegensatz zur EZB, auch die Beschäftigung im Auge und wird daher nicht so restriktiv vorgehen wie unter Umständen die EZB.

Die Anleihenzinsen sind seit Kriegsausbruch doch beträchtlich gestiegen. Deutsche Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit von 10 Jahren weisen eine Rendite von über 3,15 % auf* – ein Niveau, das wir nach jahrelangen Negativzinsen seit 2011 nicht mehr gesehen haben. In den USA ist das Niveau noch einmal höher, und die Renditen für diese Laufzeiten liegen zurzeit sogar bei 4,58 %.* Allerdings waren die Niveaus für diese Laufzeit in den USA zwischenzeitlich schon 2023, 2024 und 2025 höher.

Unsere Investmentstrategie

Selbst wenn die EZB und die FED die Leitzinsen nicht stark erhöhen, können Renditen längerfristig „oben bleiben“ bzw. sogar noch ansteigen, solange die Inflation nicht glaubwürdig Richtung 2 % sinkt. Gerade Neuemissionen im Zuge weiterer Budgetdefizite aufgrund von Infrastrukturprogrammen oder Investitionen in die Verteidigung können über das vermehrte Angebot die Renditen weiter nach oben treiben. Was das betrifft, scheint es in den USA keine Grenze nach oben zu geben, und man agiert von einer Schuldenobergrenze zur nächsten. Aus diesem Grund sind wir zurzeit sehr vorsichtig, was die Anleihenzinsen betrifft, und haben die Zinssensitivität in unseren Portfolios deutlich verringert.

Welche Lehren kann man als Investor daraus ziehen? Die Zinserwartungen haben sich relativ rasch und sehr nachhaltig verändert. Nutzen Sie daher ein Gespräch mit Ihrem Private Banker und besprechen Sie Ihr Portfolio. Vielleicht ist die eine oder andere Anpassung für Sie durchaus sinnvoll.

Von Andreas Weidinger, LEITUNG PORTFOLIOMANAGEMENT, Kathrein Privatbank

* Bloomberg, 15.5.2026

Disclaimer

Hierbei handelt es sich um eine Marketingmitteilung der Kathrein Privatbank Aktiengesellschaft im Sinne des Wertpapieraufsichtsgesetzes 2018 und dient ausschließlich der Information. Diese Information hat das Ziel, eine allgemeine Übersicht über aktuelle Marktdaten sowie die Marktmeinung der Kathrein zu geben und beinhaltet keine direkte oder indirekte Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie im Sinne einer Finanzanalyse. Bei der Anlage in Wertpapiere sind Kursschwankungen aufgrund von Marktveränderungen jederzeit möglich. Angaben und Darstellung mit Bezug auf die Vergangenheit lassen keine verlässlichen Rückschlüsse auf zukünftige Ergebnisse zu. Für die Richtigkeit der Daten kann trotz sorgfältiger Recherche und Erfassung keine Haftung oder Garantie übernommen werden.

Performanceergebnisse der Vergangenheit lassen keine Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung eines Investmentfonds oder Wertpapiers zu. Wert und Rendite einer Anlage in Fonds oder Wertpapieren können steigen oder fallen. Anleger können gegebenenfalls nur weniger als das investierte Kapital ausgezahlt bekommen. Auch Währungsschwankungen können das Investment beeinflussen. Beachten Sie die Vorschriften für Werbung und Angebot von Anteilen im InvFG 2011 §128 ff. Die Informationen auf www.e-fundresearch.com repräsentieren keine Empfehlungen für den Kauf, Verkauf oder das Halten von Wertpapieren, Fonds oder sonstigen Vermögensgegenständen. Die Informationen des Internetauftritts der e-fundresearch.com AG wurden sorgfältig erstellt. Dennoch kann es zu unbeabsichtigt fehlerhaften Darstellungen kommen. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen kann daher nicht übernommen werden. Gleiches gilt auch für alle anderen Websites, auf die mittels Hyperlink verwiesen wird. Die e-fundresearch.com AG lehnt jegliche Haftung für unmittelbare, konkrete oder sonstige Schäden ab, die im Zusammenhang mit den angebotenen oder sonstigen verfügbaren Informationen entstehen. Das NewsCenter ist eine kostenpflichtige Sonderwerbeform der e-fundresearch.com AG für Asset Management Unternehmen. Copyright und ausschließliche inhaltliche Verantwortung liegt beim Asset Management Unternehmen als Nutzer der NewsCenter Sonderwerbeform. Alle NewsCenter Meldungen stellen Presseinformationen oder Marketingmitteilungen dar.

Melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an

Regelmäßige Updates über die wichtigsten Markt- und Branchenentwicklungen mit starkem Fokus auf die Fondsbranche der DACH-Region.

Der Newsletter ist selbstverständlich kostenlos und kann jederzeit abbestellt werden.