Mega-IPOs im Fokus: SpaceX und die Dynamik großer Börsengänge

Der SpaceX-Börsengang markiert einen historischen Moment am IPO-Markt. Josef Stadler und Harald Besser von der Kathrein Privatbank analysieren, warum Mega-IPOs trotz Wachstumsperspektiven hohe Bewertungen, Volatilität und Risiken für Anleger mit sich bringen. Kathrein Privatbank | 17.06.2026 12:42 Uhr
Josef Stadler und Harald Besser, Kathrein Privatbank / © e-fundresearch.com / Kathrein Privatbank
Josef Stadler und Harald Besser, Kathrein Privatbank / © e-fundresearch.com / Kathrein Privatbank

Der Börsengang von SpaceX liegt erst wenige Tage zurück, und doch wirkt er bereits wie mehr als nur ein einzelnes Kapitalmarktereignis. Mit einem Emissionsvolumen von 75 bis 80 Milliarden US-Dollar und einer Bewertung von 1,75 bis 1,8 Billionen US-Dollar stellt SpaceX den größten Börsengang der Geschichte dar.1 Kaum ein Unternehmen steht derzeit so stark für die Verbindung aus technologischem Fortschrittsversprechen, geopolitischer Relevanz und Börsenfantasie.

Raumfahrt, Satelliteninfrastruktur, Verteidigung, Datenübertragung und künstliche Intelligenz – Elon Musk hat es geschafft, viele höchst aktuelle Themen zu einer Geschichte zu verdichten. Dass dieser Schritt gerade jetzt erfolgte, ist kein Zufall: Nach Jahren, in denen steigende Zinsen und fallende Wachstumsbewertungen den IPO-Markt gebremst hatten, hat sich das Umfeld spürbar aufgehellt. Aktienmärkte notieren hoch, der KI-Boom hat die Risikobereitschaft zurückgebracht. Mit Anthropic und OpenAI stehen die nächsten Kandidaten, die von dieser Stimmung profitieren wollen, ebenfalls vor dem Schritt an die Börse.

Für Unternehmen ist ein IPO vor allem ein Finanzierungsinstrument. Sie gehen typischerweise dann an die Börse, wenn Kapital verfügbar ist, die Risikobereitschaft hoch ist und die eigene Bewertung attraktiv erscheint. Historisch fallen IPO-Phasen häufig mit hohen Marktbewertungen zusammen. Für Anleger bedeutet dies jedoch, dass ein großer Teil der künftigen Wachstumserwartungen bereits im Preis enthalten sein kann. IPOs folgen einer eigenen Marktlogik: Sie sind nicht automatisch attraktiv, nur weil ein Unternehmen bekannt, innovativ oder strategisch wichtig ist. Die stärksten Kursgewinne entstehen häufig sehr früh, oft innerhalb der ersten Wochen nach dem Listing. Danach folgt oft eine Phase der Normalisierung, in der Berichtspflichten, Quartalszahlen, Bewertungsvergleiche und Lock-up-Fristen stärker ins Gewicht fallen.

Mega-Börsengänge und die Frage, was danach passiert

Das Beispiel Saudi Aramco (bis vor kurzem der größte Börsengang der Geschichte) zeigt, dass schiere Größe und Marktanteile kein zuverlässiger Indikator für ein erfolgreiches Investment sind. Der Ölriese sammelte Ende 2019 rund 25 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von 1,7 Billionen US-Dollar ein. Drei Monate später lag der Kurs mehr als 30 Prozent unter dem IPO-Preis, und aktuell notiert die Aktie noch immer 15 Prozent unter dem Ausgabepreis.1

Der IPOX-100 US-Index bildet rund 85 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung im US-IPO-Markt ab und umfasst die 100 größten und liquidesten Unternehmen, die kürzlich an die Börse gegangen sind. Dabei werden bestimmte Diversifikationsregeln angewendet, wie etwa eine Begrenzung des Anteils der größten Indexbestandteile auf 10 Prozent. Der Index spiegelt somit die Performance von neu gelisteten Unternehmen (IPOs) in den USA wider und dient als Referenz für die Entwicklung des US-IPO-Marktes insgesamt. Der Index zeigt seit 2010 eine annualisierte realisierte Volatilität von 22 Prozent, deutlich über dem S&P 500. In risikofreudigen Marktphasen erzielt der Index durchweg bessere Ergebnisse als der S&P 500, in risikoaversen Phasen schneidet er deutlich schlechter ab. Die Zinssensitivität ist asymmetrisch und ausgeprägt: Der Einbruch im Jahr 2022 betrug –34,1 Prozent, fast doppelt so viel wie der Rückgang des S&P 500 (–18,6 Prozent).1

Ab 2025 konnte der IPOX-100 wieder eine signifikante Outperformance erzielen, katalysiert durch KI-gestützte Emissionen und den Mega-Börsengang von SpaceX.1 Die Streuung innerhalb des Index ist hoch. Selbst in starken Jahren notiert ein signifikanter Anteil einzelner Börsengänge unter dem Ausgabepreis, sodass die Rendite auf Indexebene die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Aktien verschleiert. Dies unterstreicht die Bedeutung einer sorgfältigen Einzeltitelauswahl bei Investitionen in IPOs.

What is the price?

Für Privatanleger bleibt die zentrale Frage daher nicht, ob SpaceX oder andere Mega-IPOs faszinierende Unternehmen sind. Entscheidend ist vielmehr, zu welchem Preis diese Faszination gekauft wird. Mega-IPOs können kurzfristig starke Kursbewegungen auslösen und Zugang zu strukturellen Wachstumsthemen bieten. Gleichzeitig tragen sie typische Risiken: hohe Ausgangsbewertungen, starke Volatilität, begrenzte Handelshistorie und oft noch nicht vollständig bewiesene Profitabilität. Disziplin ist wichtiger als Begeisterung, gerade wenn ein Unternehmen schon kurz nach dem Börsengang als künftige Börsenlegende gehandelt wird.

Von Josef Stadler und Harald Besser, Kathrein Privatbank 

1 Quelle: Bloomberg Finance L.P., 12.06.2026 

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