Goldman Sachs AM: Wo Fixed-Income-Anleger im zweiten Quartal 2026 Chancen sehen

Goldman Sachs AM sieht im zweiten Quartal 2026 trotz hoher Unsicherheit selektive Chancen an den globalen Rentenmärkten. Im Fokus stehen geopolitische Risiken, Inflation, der US-Arbeitsmarkt und die Frage, welche Unternehmen von KI-Investitionen im Credit-Bereich profitieren können. Goldman Sachs Asset Management B.V. | 22.04.2026 10:42 Uhr
Kay Haigh, Co-Head und Co-CIO von Fixed Income und Liquidity Solutions und Whitney Watson, Co-Head and Co-CIO of Fixed Income and Liquidity Solutions, Goldman Sachs AM / © e-fundresearch.com / Goldman Sachs AM
Kay Haigh, Co-Head und Co-CIO von Fixed Income und Liquidity Solutions und Whitney Watson, Co-Head and Co-CIO of Fixed Income and Liquidity Solutions, Goldman Sachs AM / © e-fundresearch.com / Goldman Sachs AM

„Wir sehen in diesem volatilen Markt bedeutende Wertpotenziale, aber eine gezielte Auswahl von Sektoren und Einzeltiteln ist entscheidend“, schreibt Kay Haigh, Co-Head und Co-CIO von Fixed Income und Liquidity Solutions bei Goldman Sachs Asset Management im aktuellen Fixed-Income-Ausblick zum zweiten Quartal 2026.

Geopolitische Risiken, eine hartnäckige Inflation und KI-getriebene Disruptionen schaffen neue Herausforderungen und selektive Chancen an den globalen Rentenmärkten. Daher beschäftigen den globalen Asset Manager im aktuellen Quartal vor allem folgende Punkte: 

  • Thinking: Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten führt dazu, dass steigende Energiepreise die kurzfristigen Aussichten für die Zinssätze bestimmen. Die Märkte erscheinen angesichts der allgemeinen Unsicherheit etwas nervös, jedoch ergeben sich potenzielle Chancen aufgrund der anhaltenden Divergenz in der Geldpolitik.

  • Positioning: Wir verhalten uns bei der US-Duration kurzfristig neutral aufgrund des Inflationsumfelds, sind jedoch längerfristig konstruktiv eingestellt, da Abwärtsrisiken für das Wachstum und erhöhte Zinsdifferenzen bestehen. Wir sind neutral gegenüber dem US-Dollar eingestellt und halten Long-Positionen in Schwellenländerwährungen, die durch ausgewählte Industrieländer finanziert werden.

  • Watching: Die Richtung der Märkte bleibt an die Dauer des Konflikts im Nahen Osten gebunden. Ansonsten achten wir darauf, ob sich die Schwäche am Arbeitsmarkt in eine Verschlechterung verwandelt, während auch die Fähigkeit der Unternehmen, KI-Investitionen in Einnahmen umzumünzen, von entscheidender Bedeutung ist.

„Aktives Management bleibt unerlässlich, um Risiken angesichts der anhaltenden geopolitischen Unsicherheit dynamisch zu steuern“, so Whitney Watson, Co-Head and Co-CIO of Fixed Income and Liquidity Solutions bei Goldman Sachs AM.

Aus Sicht der beiden Experten sind im 2. Quartal 2026 vor allem folgende Themen von Bedeutung:

  • Positionierung angesichts der Auswirkungen des Iran-Konflikts auf das Wachstum

Der primäre Übertragungsmechanismus des Iran-Konflikts auf die globalen Märkte sind die Energiepreise. Je länger die Zukunft der Straße von Hormus ungewiss bleibt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass dies zu einem anhaltenden Inflationseffekt führt und die Zentralbanken zu Zinserhöhungen zwingt.

Festverzinsliche Instrumente tendieren in Szenarien mit anhaltender Inflation im Allgemeinen zu einer Underperformance, selbst wenn die Unsicherheit ebenfalls hoch ist. Anleger müssen daher einen aktiven Ansatz bei der Steuerung von Anleihelaufzeiten und der Wertpapierauswahl verfolgen, um sowohl potenzielle Abwärtsrisiken zu mindern als auch gezielte Wertpotenziale zu erschließen.

  • Die potenziellen KI-Gewinner von den Verlierern im Credit-Bereich trennen

Das erste Quartal bestand für KI und festverzinsliche Wertpapiere im Wesentlichen aus zwei Teilen. Im Bereich der Investment-Grade-Anleihen konzentrierten sich die Anleger auf die Investitionsausgaben, die Hyperscaler für den Ausbau von KI-Rechenzentren aufwenden. Im Gegensatz dazu war die Entwicklung bei High-Yield-Anleihen von einem Ausverkauf bei Softwareunternehmen geprägt, getrieben durch die wachsende Sorge, dass der technologische Fortschritt herkömmliche SaaS-Geschäftsmodelle obsolet machen könnte.

Ob im High-Yield- oder im IG-Bereich – aktive Manager müssen über allgemeine Branchentrends hinausblicken und sich bei der Auswahl von Anleihen auf die Fundamentaldaten konzentrieren. Eine tiefgreifende Analyse ist erforderlich, um jene Unternehmen zu identifizieren, die in den kommenden Jahren von diesen Veränderungen profitieren werden.

  • Den Zustand des US-Arbeitsmarktes verstehen

Der US-Arbeitsmarkt ist insgesamt weiterhin relativ fragil. Das Umfeld von „wenig Neueinstellungen, wenig Entlassungen“ hält hartnäckig an, wodurch der Markt anfällig für negative Wachstumsschocks bleibt. In Verbindung mit einem anhaltenden Anstieg der Energiepreise könnte dies dazu führen, dass die politischen Entscheidungsträger gleichzeitig mit den Risiken einer höheren Inflation und steigender Arbeitslosigkeit konfrontiert werden.

Für Anleger machen die Risiken auf beiden Seiten klare Convictions schwieriger. Ein diszipliniertes aktives Management kann Teams jedoch dabei helfen, Gelegenheiten durch potenzielle Fehlbewertungen von Risiken zu identifizieren und so attraktive Einstiegspunkte auf Bewertungsbasis zu schaffen

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