KI: Job-Apokalypse oder Transformation des Arbeitsmarktes?

Goldman Sachs Asset Management sieht in KI weniger eine Job-Apokalypse als einen tiefgreifenden Wandel des Arbeitsmarktes. Während erste KI-bedingte Stellenverluste sichtbar werden, dürfte die Technologie vor allem Produktivität steigern, Tätigkeiten verändern und neue Berufsbilder schaffen. Goldman Sachs Asset Management B.V. | 21.08.2026 07:58 Uhr
© e-fundresearch.com / Goldman Sachs Asset Management
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Generative künstliche Intelligenz mag eine neue Technologie sein, doch Disruption ist kein neues Phänomen. Ähnlich wie in früheren Innovationsphasen glauben wir, dass KI die Produktivität steigern, die Art und Weise, wie wir arbeiten, verändern und den Arbeitsmarkt transformieren wird. Es dürfte zu Verwerfungen kommen, doch wir sehen bereits Potenzial in Unternehmen und Volkswirtschaften. GS Research schätzt, dass eine breite Einführung von KI die Arbeitsproduktivität über einen Zeitraum von zehn Jahren um rund 15 % steigern und zu einem Anstieg des jährlichen globalen BIP um 7 Billionen US-Dollar beitragen könnte.

Bislang nur begrenzte Hinweise auf KI-bedingte Arbeitsplatzverluste

Quelle: Challenger und Goldman Sachs Asset Management. Stand: 30. Juni 2026. Die Grafik zeigt die kumulierten Stellenstreichungen im Jahr 2026, gruppiert nach Gründen gemäß Daten von Challenger, Gray & Christmas.

Mit der Verbesserung der Fähigkeiten von KI beginnen wir, in den USA erste Beispiele für KI-bedingte Arbeitsplatzverluste zu sehen. In diesem Jahr haben Arbeitgeber 444.000 Stellen gestrichen und in 23 % der Fälle KI als Grund genannt. Diese Zahl dürfte jedoch sowohl die Stellen als auch die Budgets umfassen, die durch KI ersetzt wurden. Wir schätzen, dass im Laufe der Zeit wahrscheinlich 7 % der Arbeitsplätze verdrängt werden, führende KI-Labore gehen jedoch davon aus, dass die Technologie heute lediglich 2 bis 3 % aller Arbeitsplätze vollständig übernehmen kann.

Einige Sektoren könnten stärker betroffen sein als andere

Quelle: Goldman Sachs Global Investment Research. Stand: 31. Dezember 2025. Die Grafik zeigt das geschätzte Automatisierungspotenzial durch KI und die Arbeitskosten als Prozentsatz des Umsatzes für die Sektoren im Russell 1000 Index sowie für das Medianunternehmen im Index.

Wir gehen davon aus, dass die Mehrheit der Arbeitsplätze durch KI ergänzt werden dürfte, wobei einige Sektoren stärker betroffen sein könnten als andere. Tätigkeiten mit klar definierten Aufgaben in vorhersehbaren Umgebungen werden eher ersetzt, während Branchen, in denen Daten, Problemlösung und menschliche Faktoren eine Rolle spielen, eher durch KI unterstützt werden dürften. Aus unserer Sicht stechen hier Technologie, Finanzwesen, Gesundheitswesen und Dienstleistungssektoren als potenzielle langfristige Profiteure von KI hervor. Wir gehen von einem Zeithorizont von zehn Jahren aus, wobei eine schnellere Einführung zu stärkeren Verwerfungen führen würde.

Neue KI-bezogene Stellenangebote

Quelle: Macrobond und Goldman Sachs Asset Management. Stand: 30. Juni 2026. Die Grafik zeigt den Anteil der Indeed-Stellenanzeigen, in denen KI erwähnt wird, in verschiedenen Ländern.

Wie in früheren Innovationsphasen glauben wir, dass KI die Erwerbsbevölkerung letztlich neu gestalten wird. So sind heute etwa 60 % der Beschäftigten in Berufen tätig, die es 1940 noch nicht gab. Bereits jetzt sehen wir, dass KI neue Tätigkeiten und Anforderungen schafft, wobei der Anteil der Stellenanzeigen, in denen KI erwähnt wird, im vergangenen Jahr deutlich gestiegen ist. Dies gilt insbesondere für dienstleistungsorientierte Volkswirtschaften wie Großbritannien, Australien und die USA. Wir erwarten jedoch auch eine Zunahme handwerklicher und gewerblicher Berufe im Zusammenhang mit dem Bau von Rechenzentren.

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