In einer viel beachteten Publikation mit dem Titel „Beyond the Taylor Rule” (Jenseits der Taylor-Regel), das auf der Jackson-Hole-Konferenz letzte Woche vorgestellt wurde, schlossen die Autoren Nakamura et al. mit einer eindeutigen Aussage zur Bedeutung der Unabhängigkeit der Zentralbank, nämlich dass diese „ein wertvolles Gut ist, das viel schneller zerstört als aufgebaut werden kann”. Tatsächlich geben die zunehmend aggressiven und unverhohlenen Bemühungen der Trump-Regierung, mehr politischen Einfluss auf die Fed auszuüben, Anlass zur Sorge. Sie bergen die Gefahr eines Verlusts an Glaubwürdigkeit und Vertrauen, können zu höheren Inflationserwartungen und höheren Risikoprämien für langfristige Finanzanlagen führen und sich negativ auf den wirtschaftlichen Wohlstand auswirken. Eine mögliche Erosion des Vertrauens in die US-Institutionen unter Präsident Trump und erhebliche Veränderungen in der US-Außenpolitik bieten dem Euroraum die Chance, seine Rolle und seinen Anteil am globalen Handel zu stärken, wie wir in unserem Devisenartikel dieser Woche darlegen. Die Unabhängigkeit der EZB in Verbindung mit der Rechtsstaatlichkeit könnte dazu beitragen, dass sich der Euro als glaubwürdige Alternative zum Dollar etabliert, auch wenn es viele Hindernisse für eine breitere globale Verwendung des Euro gibt.
Schweizer Aktien haben sich in den letzten Wochen nach einer Phase erheblicher Underperformance leicht erholt. Wir glauben, dass der Schweizer Markt weiteres Aufwärtspotenzial hat, da der Gesundheitssektor bereits viele schlechte Nachrichten eingepreist hat, die zweite Hälfte des Jahres 2025 für die USA wahrscheinlich weniger Abwärtsrisiken mit sich bringen wird und die Gewinnfundamentaldaten für den Schweizer Aktienmarkt weiterhin stark aussehen. Wir zeigen auch die Handelsabhängigkeit der Schweiz auf, indem wir ihre verschiedenen Handelsdaten erläutern. Wir kommen zu dem Schluss, dass bis zu 4% des BIP von US-Zöllen betroffen wären, wenn der derzeitige Satz von 39% beibehalten wird und chemische und pharmazeutische Produkte weiterhin ausgenommen bleiben.
Von Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin
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