Alle großen Zentralbanken tagten in dieser Woche vor dem Hintergrund wachsender Spannungen im Nahen Osten und eines Ölpreises, der die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel überschritten hat. Vorerst verfolgen sie, mit Ausnahme der Bank of Australia, die die Zinsen bereits angehoben hat, einen abwartenden Kurs und hoffen darauf, dass sich der Schock bis zu ihren nächsten Sitzungen abschwächen wird. Klar ist, dass der Ausblick für die Weltwirtschaft davon abhängt, wie lange die Straße von Hormus geschlossen bleibt. Sollte sie rasch wieder geöffnet werden, dürften die Währungshüter den Schock wohl als vorübergehend einstufen und zu ihrem bisherigen Kurs zurückkehren. Da der Konflikt jedoch bald in seine vierte Woche geht und die Energieinfrastruktur auf beiden Seiten angegriffen wird, wächst das Risiko einer länger anhaltenden Unterbrechung des Angebots von Tag zu Tag. Für die Haushalte wäre es in diesem Jahrzehnt nicht der erste Inflationsschock. Daher sind die Zentralbanker zu Recht besorgt, dass wiederholte Angebotsschocks in Verbindung mit einer in manchen Volkswirtschaften weiterhin über dem Zielwert liegenden Inflation die Inflationserwartungen der Haushalte aus dem Gleichgewicht bringen könnten. Entsprechend fiel ihr Grundton insgesamt relativ restriktiv aus, was die Anleger dazu veranlasste, weitere Zinserhöhungen einzupreisen.
Unser erster Beitrag beleuchtet die Argumente dafür und dagegen, über diesen Schock hinwegzusehen. Er macht geltend, dass es für die Reaktion der Zentralbanken entscheidend ist, ob es ihnen gelungen ist, die Inflation nach dem letzten Schock wieder auf den Zielwert zurückzuführen, und wie lange die Haushalte Inflationsraten oberhalb dieses Zielwerts ausgesetzt waren. Ein zweiter Beitrag befasst sich mit der geldpolitischen Sitzung der SNB in dieser Woche, nach der sie „eher bereit ist, an den Devisenmärkten zu intervenieren“. Unser dritter Beitrag argumentiert, dass Währungen weiterhin vor allem von der Dynamik der Energiepreise bestimmt werden, wodurch der Euro und der Yen anfällig für weitere Schwäche bleiben. Abschließend betrachten wir das sehr moderate Tempo des jüngsten Ausverkaufs an den Aktienmärkten und liefern Argumente dafür, warum wir davon ausgehen, dass der US-Aktienmarkt und Technologiewerte kurzfristig besser abschneiden dürften.
Von Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin
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