Cross Asset Weekly | Keine Zeit für Selbstzufriedenheit

Keine Zeit für Selbstzufriedenheit: Die Eskalation im Nahen Osten hält die Märkte in Atem. Trotz bislang moderater Marktreaktionen bleiben die Risiken erheblich: Steigende Energiepreise, Inflationsdruck und wachsende Rezessionsgefahren könnten Anleger und Notenbanken noch vor große Herausforderungen stellen. J. Safra Sarasin Fund Management | 30.03.2026 08:13 Uhr
Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin / © e-fundresearch.com / J. Safra Sarasin Fund Management
Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin / © e-fundresearch.com / J. Safra Sarasin Fund Management

Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA) hat die aktuelle Krise im Nahen Osten als den schlimmsten Energieschock der modernen Geschichte bezeichnet, wobei der Angebotsausfall größer sei als jener beider Ölkrisen der 1970er-Jahre zusammen. Dennoch sind die Preise weniger stark gestiegen, als man erwarten könnte. Der Ölmarkt preist ganz offensichtlich ein ausgehandeltes Kriegsende ein. Aus spieltheoretischer Sicht ergibt das Sinn. Es besteht jedoch die Gefahr, dass eine der beiden Seiten die Schmerzgrenze der anderen falsch einschätzt, was zu einer länger anhaltenden Schließung der Straße von Hormus führen könnte. In einem solchen Szenario könnte der Ölpreis auf 150 US-Dollar je Barrel steigen. Das würde die Weltwirtschaft mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine Rezession stürzen und die kurzfristige Gesamtinflation um fünf Prozentpunkte nach oben treiben.

Der starke Anstieg der Energiepreise infolge des Kriegs im Iran hat zu einer erheblichen Neubewertung der geldpolitischen Zinserwartungen der Zentralbanken und der realen Renditen geführt, insbesondere in Europa. Präsidentin Lagarde sandte auf der jährlichen ECB Watcher Conference ein deutliches Signal, dass sie den vorübergehenden Charakter des aktuellen Energiepreisschocks nicht als gegeben betrachtet. An den Aktienmärkten fiel die Reaktion deutlich verhaltener aus und bleibt eng an die Entwicklung des Kassapreises für Öl gekoppelt. Über alle Anlageklassen hinweg ist bislang noch kein nennenswerter Wachstumseffekt eingepreist.

Wir kommen zu dem Schluss, dass die Attraktivität von Anleihen gegenüber Aktien zunimmt, da ein negativer wirtschaftlicher Effekt höherer Energiepreise den Fokus zugunsten festverzinslicher Anlagen verschieben würde. Die Krise im Nahen Osten hat zudem zu einer Korrektur des Goldpreises geführt, da Anleger Gewinne mitnahmen, um angesichts des Ausverkaufs bei Risikoanlagen Liquiditätsbedarf zu decken, und wohl auch aufgrund von Verkäufen seitens der Zentralbanken. Höhere Zinserwartungen und ein stärkerer US-Dollar haben die Abwärtsbewegung zusätzlich verstärkt. Dennoch glauben wir nicht, dass der jüngste Rückgang das Ende des aktuellen Gold-Bullenzyklus markiert.

Von Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin

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