Warum reale Vermögenswerte das nächste Investitionsjahrzehnt prägen

Der HALO-Trade rückt strategische Materialien wie Kupfer, Lithium, Aluminium und Stahl in den Fokus. Warum Investoren verstärkt auf Infrastruktur, resiliente Lieferketten und materielle Vermögenswerte setzen und welche Chancen sich entlang der industriellen Wertschöpfungskette eröffnen. J. Safra Sarasin Fund Management | 17.04.2026 10:15 Uhr
Daniel Lurch, Lead Portfolio Manager und Joran Mambir, Investment Specialist, J. Safra Sarasin / © e-fundresearch.com / J. Safra Sarasin
Daniel Lurch, Lead Portfolio Manager und Joran Mambir, Investment Specialist, J. Safra Sarasin / © e-fundresearch.com / J. Safra Sarasin

Nach Jahrzehnten kostengetriebener Offshoring-Strategien verlagert sich Kapital nun in Richtung heimischer Produktion, resilienter Lieferketten und nationaler Sicherheit. Diese Verschiebung beschleunigte sich im Jahr 2026 und markierte eine Rotation weg von asset-light Digitalmodellen hin zu materialintensiven Industrien. Bekannt als der „heavy assets, low obsolescence“ (HALO)-Trade, priorisiert diese Strategie Unternehmen mit unverzichtbaren physischen Burggräben1 und beständigen materiellen Vermögenswerten.

Kapital fließt in die greifbaren Grundlagen der Weltwirtschaft, etwa in Infrastruktur, Energiesysteme und kritische Mineralien.

Die für die Energiewende erforderliche Infrastruktur verlangt enorme Mengen an physischem Kapital. Anders als bei den schnellen Erneuerungszyklen in der Elektronik verfügen diese schweren Vermögenswerte über Lebensdauern, die in Jahrzehnten gemessen werden. Entsprechend sind die in diesen Systemen verbauten Metalle nur in geringem Maße dem Risiko technologischer Obsoleszenz ausgesetzt. Für Investoren erfordert Erfolg im aktuellen Umfeld einen disziplinierten Wertschöpfungsketten-Ansatz in Bezug auf die weltweit wichtigsten materiellen Vermögenswerte.

Abgrenzung strategischer Materialien

Strategische Materialien sind Metalle mit verwundbaren Lieferketten, die zugleich für moderne industrielle Anwendungen unverzichtbar bleiben. Im Critical Raw Materials Act der EU werden 34 solcher Stoffe identifiziert, von denen 17 aufgrund ihrer Rolle bei der grünen Transformation als strategisch eingestuft werden. Diese Materialien sind zudem für Verteidigung, Luft- und Raumfahrt sowie fortschrittliche digitale Systeme von zentraler Bedeutung.

  • Kupfer: Als Grundpfeiler der Elektrifizierung entkoppelt sich die Kupfernachfrage zunehmend von traditionellen Zyklen des Bruttoinlandsprodukts (BIP).
  • Lithium: Trotz der jüngsten Preisschwankungen bleibt Lithium der grundlegende Bestandteil für hochdichte Energiespeicherung.
  • Aluminium: Dieses Metall ermöglicht Leichtbau im Fahrzeugbereich und ist zugleich ein zentraler Bestandteil von Energieinfrastruktur und Stromnetzen.
  • Stahl: Als Rückgrat der Reindustrialisierung ist Stahl für Infrastruktur und den verteidigungsindustriellen Komplex unverzichtbar.
  • Seltene Erden: Diese Elemente sind entscheidend für Permanentmagnete in Elektromotoren und für die präzise Halbleiterfertigung.

Die Nachfrage beschleunigt sich, doch Angebotsengpässe prägen das Opportunitätenset2

Strukturelle Defizite und langfristige Nachfragetreiber

Die Nachfrage nach strategischen Materialien wird von drei sich überlagernden globalen Trends angetrieben, die ein dauerhaftes Nachfrageprofil schaffen.

Erstens bleibt der Weg zu Netto-Null der einflussreichste Treiber. Elektrofahrzeuge und erneuerbare Energiesysteme sind deutlich metallintensiver als ihre fossilbasierten Vorgängermodelle. Die Internationale Energieagentur (IEA) prognostiziert, dass die Nachfrage nach raffiniertem Kupfer für saubere Energie bis 2030 32 Millionen Tonnen erreichen könnte3.

Zweitens fügt der Aufstieg der künstlichen Intelligenz (KI) der Nachfragedynamik eine zusätzliche, anspruchsvolle Ebene hinzu. Hyperscale-Rechenzentren benötigen robuste, metallintensive Stromnetze, um zu funktionieren. Darüber hinaus ist die Halbleiterfertigung auf Nischenelemente wie Gallium und Germanium angewiesen. Jüngste Exportbeschränkungen für diese Materialien haben geopolitische Prämien in die Technologiesupplychains eingebracht.

Schließlich bildet die Modernisierung der Infrastruktur die dritte Säule dieser Investmentthese. Groß angelegte öffentliche Programme in Europa und Nordamerika zielen auf die Erneuerung alternder Stromnetze und Verkehrsnetze ab. Diese mehrjährigen Projekte erfordern große Mengen an Stahl und Aluminium, unterstützt durch staatlich flankierte industriepolitische Rahmenwerke und nationale Infrastrukturfonds.

Unelastisches Angebot und hohe Markteintrittsbarrieren

Für Investoren stellen angebotsseitige Beschränkungen einen zentralen Bestandteil der HALO-Investmentthese dar. Das Angebot an strategischen Materialien bleibt aufgrund sinkender Erzgehalte und steigender Förderkosten hartnäckig unelastisch. Selbst in Phasen hoher Preise kann die physische Produktion nicht rasch genug ausgeweitet werden, um den Marktbedarf zu decken.

Der Charakter des Bergbausektors als Heavy-Asset-Sektor schafft hohe Markteintrittsbarrieren. Neue Projekte erfordern häufig milliardenschwere Vorabinvestitionen (CapEx) sowie Genehmigungszyklen, die mehr als ein Jahrzehnt dauern. Dieses Umfeld verschafft bestehenden Produzenten mit hochwertigen Reserven einen klaren Wettbewerbsvorteil. Zwar werden Recyclinginitiativen ausgeweitet, doch es ist unwahrscheinlich, dass sie das primäre Angebotsdefizit vor 2030 schließen können.

Eine Investmentstrategie entlang der Wertschöpfungskette verfolgen

Um das volle Potenzial des HALO-Trades zu erschließen, sollten Investoren über die reine Förderung hinausblicken. Eine anspruchsvolle Strategie balanciert das Exposure im Upstream-Bergbau mit Resilienz im Midstream- und Downstream-Bereich aus. Während Bergbauunternehmen eine direkte Hebelwirkung auf Rohstoffpreise bieten, ermöglichen Midstream-Unternehmen wie Kabelhersteller stabilere Margen. Diese Unternehmen profitieren vom gesamten Materialdurchsatz und nicht von der Volatilität der Spotpreise.

In diesem Zusammenhang dient Nachhaltigkeit als wichtiges Instrument des Risikomanagements. Die Ausrichtung von Portfolios an Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung für nachhaltige Finanzprodukte (SFDR) hilft, ökologische und soziale Kontroversen zu begrenzen. Da ESG-Verfehlungen heute zu den wesentlichen Ursachen für Projektverzögerungen und das Risiko gestrandeter Vermögenswerte zählen, ist eine konsequente Integration entscheidend, um langfristige industrielle Wertschöpfung zu schützen.

Ein strukturelles Thema für das Jahrzehnt

Die jüngsten geopolitischen Spannungen haben den Übergang von einer fossilbasierten Wirtschaft hin zu einer auf strategischen Materialien aufbauenden Wirtschaftsordnung beschleunigt. Diese Materialien bieten eine besondere Kombination aus strukturellem Wachstum, Inflationsschutz und defensivem Nutzen. Die anhaltende Spannung zwischen steigender Nachfrage und begrenzten Kapazitäten schafft einen überzeugenden Einstiegspunkt für disziplinierte Investoren.

Ressourcenaktien erholen sich häufig frühzeitig, wenn politische Zyklen unterstützender werden, und die aktuellen Bewertungen bleiben im Vergleich zu wachstumsstarker Technologie attraktiv. Ein aktiv gemanagtes Portfolio, das die gesamte Wertschöpfungskette integriert, ist gut positioniert, um zyklische Schwankungen zu steuern. Indem sie sich auf die greifbaren Grundlagen der Energie- und Digitaltransformation konzentrieren, könnten Investoren in einer zunehmend materiell geprägten Welt nachhaltige Werte sichern.

1 Burggraben bezeichnet die Fähigkeit eines Unternehmens, Wettbewerbsvorteile aufrechtzuerhalten, etwa durch proprietäre Technologie, hohe Wechselkosten oder große Skaleneffekte, um langfristige Gewinne und Marktanteile zu schützen.

2 Quelle: Bank J. Safra Sarasin Ltd., Internationale Energieagentur (IEA).

3 IEA (2025), Global Critical Minerals Outlook 2025, IEA, Paris, https://www.iea.org/reports/global-critical-minerals-outlook-2025

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