Präsident Trumps Entscheidung, die Waffenruhe zu verlängern, hat die Markterwartungen bestärkt, dass eine verhandelte Wiederöffnung der Straße von Hormus zunehmend wahrscheinlich ist. Unsere Analyse stützt diese Einschätzung. Ein sequenzieller spieltheoretischer Rahmen legt nahe, dass sich sowohl die USA als auch der Iran einem Punkt nähern, an dem eine Form eines engen Abkommens mit Fokus auf die Wiederöffnung der Meerenge in beiderseitigem Interesse liegt, auch wenn der Weg dorthin fragil bleibt. Das Hauptrisiko besteht darin, dass Misstrauen, fragmentierte Entscheidungsprozesse und falsch eingeschätzte Absichten dennoch zu einer weiteren Eskalationsrunde führen könnten, bevor dieses Ziel erreicht wird.
Für die Zentralbanken bleibt die Lage herausfordernd. Sie müssen das Ausmaß, die Dauerhaftigkeit und die Weitergabe des aktuellen Energiepreisschocks beurteilen. Gleichzeitig müssen sie proaktiv genug sein, um die Inflationserwartungen einzudämmen und damit dauerhaft höhere Inflationsraten zu verhindern. Dennoch gehen wir davon aus, dass die EZB ihre Zinsen bei ihrer Sitzung in der kommenden Woche voraussichtlich nicht anheben wird, sondern wohl bis Juni und September warten dürfte, um die Zinsen zu erhöhen. Von der Schweizerischen Nationalbank erwarten wir, dass sie 2026 gänzlich auf Zinserhöhungen verzichtet. Auch die Fed tritt kommende Woche zusammen, doch dürfte Fed-Vorsitzender Powell kaum von der am 19. März eingenommenen abwartenden Haltung abrücken. Je länger die Ölpreise jedoch erhöht bleiben, desto geringer werden die Chancen auf eine Zinssenkung der Fed in diesem oder im nächsten Jahr.
Schließlich erwarten wir, dass eine mögliche Entspannung im Golf dem Euro in den kommenden Monaten zugutekommen wird. Wir rechnen mit einem langsamen Anstieg gegenüber dem US-Dollar auf EUR/USD 1,20.
Von Dr. Karsten Junius, Chief Economist, J. Safra Sarasin
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